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Formula Student Austria 2015

Vor zwei Wochen hat am Red Bull Ring die 2015er Ausgabe von Formula Student Austria stattgefunden. Mit einiger Verspätung hat es der entsprechende Aufschrieb nun doch hierher geschafft.

29.08.2015 Online Redaktion

Das Wetter ist dieses Jahr gnädig mit den Veranstaltern in Spielberg, zwischendurch ein bissl heiß, aber dafür ohne das fast schon traditionelle Hochwasser am Campingplatz. So steht dem Schlagabtausch der Creme der europäischen Studententeams (und ein paar interkontinentalen Gästen) nichts im Wege. Immerhin lockt der – im Vergleich zur wackenesken Veranstaltung in Hockenheim zwar kleine (38 vs. 90 Teilnehmer) – Bewerb jedes Jahr fast ausnahmslos alle Spitzenrennställe in die Obersteiermark. Global Formula Racing (Oregon plus Ravensburg), die TUs aus Delft, Stuttgart und München, die Zürcher ETH, die Hawks aus Hamburg et zetera. Auch Österreich ist mit sage und schreibe vier Teams vertreten, nämlich durch die alteingesessenen und wieder sehr siegfähigen Grazer Teams von FH und TU, die auch schon etablierten Leute von der TU Wien und die Newcomer vom Campus Wien. (Falls Sie übrigens Ihr Wissen zum Thema “Ablauf eines Formula Student Rennens“ auffrischen wollen, so werden Sie hier fündig).

Safety first

Wie üblich beginnt die Sause mit der technischen Abnahme, Scrutineering auf gut Neudeutsch. Für die erfahrenen Teams ist das nicht mehr als eine mit ein bisschen Warterei verbundene Formalität, doch den Neulingen und Exoten kann das Ganze einiges Kopfzerbrechen bereiten. Entsprechend ausgelassen wird beim Nehmen dieser ersten Hürde gefeiert.

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Der zweite Tag steht ganz im Zeichen der statischen Disziplinen, die Kombattanten präsentieren also von früh bis spät um die Wette. Unter den Verbrennern kann offenbar die Universität Stuttgart am besten mit Geld umgehen, sie entscheidet das Cost Event für sich. Bei den elektrisch Angetriebenen trifft selbiges auf die TU Eindhofen zu. Gute Business Cases erstellt man hingegen an der FH Konstanz (bestes Verbrenner-Team im Business Event) und an der Rheinisch Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (Gewinner Elektro-Business). Geld und Marketing sind zwar wichtig, doch unter den Zeige-und-Erkläre-Kämpfen ist zweifellos das Design Event am prestigeträchtigsten, denn erstens werden hier die teilweise atemberaubenden technischen Details der Rennwagen vorgestellt und zweitens wird hier auch die technische Kompetenz, das Wissen-was-sie-tun, der Teammitglieder geprüft.

Kompetenz aus Graz

Umso erfreulicher, dass die heimischen Rennställe hier an der Spitze stehen. Hätten die Stuttgarter nicht so ein klasses Auto gebaut, das Finale bei den Ottomotorischen wäre eine Grazer Derby vom Allerfeinsten. Erster FH Graz, Zweiter Uni Stuttgart, Dritter TU Graz. Das beste Elektroauto kommt von der ETH Zürich, gefolgt von TU Delft und TU München, übliche Verdächtige allesamt.

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Endlich Auslauf

Mit Beginn der dynamischen Bewerbe am dritten Tag fallen einmal mehr die Kinnladln ob er Art und Weise, in der die 4WD-Stromer von der Startlinie fetzen. Als wäre ein unsichtbares Dampfkatapult im Spiel. Zwar mit Ottomotor ausgestattet, aber gerade deswegen sofort ein Blickmagnet, ist der Beitrag der Uni Moskau.  Mit seinem Sechshunderter-Vierzylinder-Kompressor klingt er wie ein grantiger Sowjet-Nachbau des Raumschiffs Enterprise.

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Trotz dieses Auftrittes haben die Russen aber wenig Aussicht auf die vorderen Plätze, denn dort tummelt sich das etablierte Favoritengrüppchen. Der Favorit unter den Favoriten, nämlich Global Formula Racing gewinnt auch gleich den Skidpad Event der Verbrenner. Der TU München gelingt selbiges bei den Elektrischen, obwohl sie aufgrund von Fertigungsproblemen regelmäßig Späne aus ihrem Getriebe putzen müssen und Klänge à la alte Bohrmaschine in die  Bergwelt schicken.

Schwabenland vs. Westküste

Nicht nur mit ihrem Sieg im Beschleunigungsbewerb stellt das Rennteam der Universität Stuttgart unter Beweis, dass ihr heuriges Auto in der Lage ist, die Seriensieger aus Oregon (i.e. GFR) in ihre Schranken zu weisen. Vergleichbar hochkarätig ist das Elektro-Duell zwischen der TU Delft und der ETH. Erstere beeindruckt einmal mehr mit ihren unkonventionellen Lösungen im Fahrwerksbereich. Außenlaufende Radnabenmotoren mit Kohlefaserfelgen und selbstgebackenen 10-Zoll-Reifen mit Miniquerschnitt. Die schon visuell kaugummiartige Reifenmischung generiert entsprechenden mechanischen Grip. Doch der Eidgenosse beschleunigt besser und holt sich die Trophäe im Acceleration Event.

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Gleich seinem Schwesterteam mit Kolbenmotor ist auch das Greenteam Stuttgart eine Macht. Die Equipe hält erstens den 0-100-Weltrekord für Elektroautos (mit knapp unter 1,8s doppelt so schnell wie ein Tesla S P85D) und erreicht zweitens am Red Bull Ring die beste Autocross Zeit. Der GFR-Benziner gewinnt nicht ganz unerwartet den Abags-Autocross, weil aber der Hauptbewerb Endurance mit Abstand am meisten Punkte verspricht (300 von 1000), bleibt es bis zuletzt spannend. Doch die Überraschung bleibt aus, was am Unglück der zunächst dominanten Stuttgarter liegt. Beim Restart nach dem vorgeschriebenen Fahrerwechsel zu Rennmitte sorgt unverbranntes Gemisch dafür, dass Airbox und Sieghoffnungen gleichermaßen davonfliegen. Somit glüht die Kooperation von Oregon State University und der FH Ravensburg zum sechsten (von sieben möglichen) Gesamtsieg bei Formula Student Austria.  Eine lobende Erwähnung (oder zumindest eine Erwähnung) verdient Konstanz, deren Getriebe von Anfang an um Gnade rasselt und immer wieder unverhofft blockiert. Bei einem kurzen Boxenstop erklärt der Technikchef, dass sich das schon einrennen würde und nachdem der Wagen tatsächlich bis zur Ziellinie durchtscheppert ist ihm der „Smoothest Running Car“-Award sicher. Weniger Glück hat Heilbronn, deren einziges Zündkabel schon in Runde vier abfällt und alle Hoffnungen des Teams zerstört („ohne Zündkabelprobleme hätten wir mindestens sechs geschafft!“). Auch die Neulinge vom Campus Wien scheitern leider, ihnen wird der Auspuff zum Verhängnis.

 Schweizer Uhrwerk

Der E-Endurance (und infolge dessen der Gesamtsieg) geht wie schon sein Sprit-Pendant an einen Favoriten, nämlich die schon vorher aufzeigenden Zürcher. Das sonst recht siegverwöhnte Team aus Delft wird von seinen Batterien im Stich gelassen und muss aufgeben. Den mit immerhin 100 Punkten dotierten Effizienzpreis für den geringsten Energieverbrauch holen die TU Graz (wenig Sprit) und Helsinki (wenig Strom).

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Die österreichischen Teams haben sich bei ihrem Heimrennen wacker geschlagen. Der Sieg der FH Joanneum im Design Event ist ein prestigeträchtiger und die TU Graz hat sich neben dem Efficiency Event auch Gesamtbronze erarbeitet. Gratulation an alle!

Alle Ergebnisse im Detail stehen hier für euch bereit.

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  • Florian

    TU Graz wurde übrigens 2nd overall, nicht dritter, also Silber ;-)

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