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Ecclestone mit seiner Ehefrau Fabiana Flosi und Anwalt Norbert Scharf.
 

Formel 1: Zeugen zweifeln an Ecclestones Aussagen

Zwei frühere Ermittler gaben an, Ecclestone habe kein plausibles Motiv für seine Zahlungen an den früheren BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky genannt – Verteidiger wollen Anklage in zentralem Punkt entkräften

02.05.2014 APA

Im Korruptionsprozess gegen Formel 1-Chef Bernie Ecclestone haben am Freitag in München zwei Zeugen – die beiden früher mit dem Fall befassten Staatsanwälte – ausgesagt, Ecclestone habe kein plausibles Motiv für seine Zahlungen an den früheren BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky genannt. Die Behauptung, er sei von Gribkowsky erpresst worden, habe Ecclestone in den Vernehmungen nicht belegen können.

Angebliche Drohung Gribkowskys nicht näher erläutert

„Es ist zu keiner Zeit wirklich greifbar gewesen, wie diese Drohung ausgesehen haben könnte“, sagte der frühere Staatsanwalt Martin Bauer am zweiten Verhandlungstag. Ecclestone habe lediglich von dem Gefühl gesprochen, Gribkowsky könne ungemütlich werden. „Wir haben versucht, das herauszuarbeiten, aber es ist uns nicht genauer gelungen“, erklärte Oberstaatsanwältin Hildegard Bäumler-Hösl. Beide Beamte haben den Fall an Kollegen abgegeben, weil sie mittlerweile auf andere Stellen gewechselt sind.

Ecclestone-Verteidiger wollen Anklage in zentralem Punkt entkräften

Die Verteidiger von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone wollen den Vorwurf der Anklage in einem zentralen Punkt entkräften. Rechtsanwalt Sven Thomas äußerte am Freitag in einem Antrag erhebliche Zweifel daran, dass der Banker Gerhard Gribkowsky ein öffentlicher Amtsträger im Sinne des Strafgesetzes war. Davon geht die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage aus, da Gribkowsky Angestellter der bayerischen Landesbank war. Thomas argumentierte aber, die Beteiligung der Landesbank an der Formel 1 falle kaum unter die Aufgaben einer öffentlichen Anstalt, deren Ziel das Gemeinwohl und der Aufbau und Erhalt von Arbeitsplätzen in der Region sein müsse.

Öffentlicher Amtsträger oder nicht?

Das gesamte Geschäft der Formel 1 sei aber in England gewesen. „Diese Rennstrecken liegen bekanntlich nicht in Bayern.“ Für den Prozess ist die Frage von großer Relevanz, da das Strafgesetz für die Bestechung eines öffentlichen Amtsträgers bis zu zehn Jahren Haft vorsieht. Für die Bestechung im geschäftlichen Verkehr sind es bis zu fünf Jahre Haft, zudem ist der Vorwurf enger gefasst.

Ecclestone bestreitet Vorwürfe

Hintergrund des Gerichtsverfahrens ist der Ausstieg der Bayerischen Landesbank aus der Rennserie vor acht Jahren. Ecclestone soll laut Staatsanwaltschaft Gribkowsky bestochen haben, damit dieser den Formel-1-Anteil dem von Ecclestone gewünschten Investor CVC zuschanzte. Unbestritten ist, dass Gribkowsky auf Betreiben des Sportmanagers 44 Millionen US-Dollar erhielt. Der 83-jährige Formel-1-Chef hatte den Bestechungsvorwurf zu Prozessbeginn erneut zurückgewiesen. Vielmehr habe Gribkowsky damals durchblicken lassen, er könne Ecclestone bei den britischen Steuerbehörden anschwärzen, hatte der Formel-1-Chef erklärt. Mehrfach habe Gribkowsky Andeutungen gemacht, Ecclestone könne bei der Übertragung seiner Formel-1-Anteile an die Familienstiftung Bambino Steuern hinterzogen haben. Ecclestone hatte erklärt, obwohl diese Vermutung haltlos gewesen sei, hätte ihn die Steuerfahndung in ernsthafte Schwierigkeiten bringen können.

Ecclestone drohen bis zu 10 Jahre Gefängnis

Gribkowsky ist bereits wegen Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Der geständige Ex-Banker gilt nun als wichtigster Zeuge der Anklage gegen Ecclestone. Dem 83-Jährigen drohen im Fall einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Gefängnis und eine Absetzung als Formel-1-Chef. Gribkowsky soll am kommenden Freitag (9. Mai) erstmals im Ecclestone-Prozess aussagen.

Ecclestone ist offiziell aus dem Vorstand der Formel-1-Holding zurückgetreten

Offiziell ist Ecclestone wegen des laufenden Prozesses zwar aus dem Vorstand der Formel-1-Holding zurückgetreten, das Tagesgeschäft führt er aber weiterhin. Der Vorstand von Rennserien-Besitzer CVC hatte seinerzeit erklärt, dass dies sowohl geschäftlich als auch sportlich im besten Interesse für die Formel 1 sei. Erst am Donnerstag hatte Ecclestone sich bei einem Krisengipfel in London mit Vertretern der elf Formel-1-Teams und des Internationalen Automobilverbandes (FIA) getroffen.

Letzter Prozesstag für 16. September angesetzt

Vor Gericht in München kann es aber länger dauern. Zunächst ist der letzte Prozesstag für den 16. September angesetzt. Fünf Tage später steigt mit dem Nachtrennen in Singapur eines der Saison-Highlights.

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