Kimi Raikkonen beim GP von Bahrain 2014
Der Unterhaltungswert in der Formel 1 ist zurück.
 

Formel 1: Von wegen langweilig

Die Debatten um die Langeweile in der neuen Formel 1 sind, spätestens nach dem Großen Preis von Bahrain, verstummt.

07.04.2014 APA

Die Debatten um die Langeweile in der neuen Formel 1 sind, spätestens nach dem Großen Preis von Bahrain, verstummt. Die Rennfahrer sorgten für jede Menge Unterhaltung. Selbst die beiden überlegenen Mercedes-Fahrer Lewis Hamilton und Nico Rosberg schenkten einander nichts und das späte Safety Car sorgte für einen Mega-Showdown. Allgemeiner Tenor danach: So kann es weitergehen.

Malaysia ist vergessen

Zumindest aus Sicht von Mercedes und den Fans. Von Letzteren wurden mit diesem packenden Flutlicht-Rennen viele zurückgewonnen. Eine Woche nach dem Langweiler von Malaysia wurde in Bahrain von der ersten bis zur letzten Runde auf fast allen Positionen mit erlaubten und unerlaubten Mitteln gekämpft, dabei weder Gegner noch Teamkollegen geschont.

Rosberg begeistert

Und zwar nicht nur auf den hinteren Rängen, sondern auch unter den Spitzenteams. „Das war das beste Rennen, an dem ich je teilgenommen habe. Ein guter Tag für den Sport“, konnte selbst Rosberg am Ende eines actionreichen Abends seinen Frust über Platz zwei hinter Hamilton kurz vergessen.

Vettel hinkt hinterher

Bei Red Bull Racing musste Vierfach-Champ Sebastian Vettel erneut „Schadensbegrenzung“ betreiben und auch zur Kenntnis nehmen, dass der neue Teamkollege Daniel Ricciardo trotz seiner Newcomer-Rolle jede Chance nützt. Vettel hatte bei seiner Fahrt auf Platz sechs aber mit einem zu niedrigen Auto zu kämpfen. „Er hat beim Bremsen und in den Kurven immer wieder aufgesetzt und war etwas gehandicapt“, erklärte Team-Direktor Helmut Marko.

Ricciardo kämpft sich auf Platz 4

Auch der Österreicher war vom Duell seiner Fahrer („hart, aber fair“) und vor allem Ricciardo angetan. Der in der Startaufstellung rückversetzte Australier fuhr von Platz 13 als Vierter fast noch auf das Podest. „Eine Runde mehr, und er hätte auch Perez noch gehabt. Das war sensationell“, lobte Marko den 24-jährigen aus Perth.

Kommentar von Lauda

Die tagelange Diskussion um die neuen Regeln, Benzinsparen und fehlende Zweikämpfe wurde jedenfalls noch in Bahrain ad absurdum geführt. „Wer jetzt noch meckert, dem ist nicht mehr zu helfen“, beendete auch Mercedes-Aufsichtsratschef Niki Lauda eine Debatte, die aus seiner Sicht ohnehin nur „Schaumschlägerei“ gewesen war.

Mercedes im Vorteil

Womöglich werden Renault und Ferrari mit ihren Antriebssträngen den Mercedes-Vorteil heuer nicht mehr komplett wettmachen können. Aber es kommen irgendwann auch andere Strecken (Barcelona etwa) als solche Powerkurse mit vielen Geraden wie in Bahrain. Wenn es dort ähnlich spannend weitergeht, dann kann man sich selbst das künstliche Lautermachen der Motoren per Auspuff-Ventilen sparen.

Sound wird zur Nebensache

„Wenn die Show stimmt, dann ist den Leuten bald auch der Sound egal“, ist auch Österreichs Motorsport-Routinier Walter Lechner überzeugt. Lechner betreibt in Bahrain den Porsche-Middle-East-Cup. „Normalerweise verlassen unsere Leute bald die Rennstrecke. Diesmal ist keiner heimgegangen“, erzählte Lechner.

Gutierrez mit Überschlag

Im Finish wurde es nach dem wilden Überschlag von Esteban Gutierrez im Sauber nochmals ganz spannend. „Man muss nur das Safety Car rausbringen. Es ist nochmals ein sensationelles Zehnrunden-Rennen geworden“, gab Marko zu.

Ferrari und McLaren als Verlierer

Während Red Bull also zumindest Hoffnung hat, war Ferrari mit den Plätzen neun für Fernando Alonso und zehn für Kimi Räikkönen neben McLaren einer der Verlierer des Abends. Nur wenn sie überholt wurden, kamen die „roten Schnecken“ ins Rampenlicht. „Schmerzhaft“ sei der Abend gewesen, sagte Ferrari-Chef Luca di Montezemolo. Ferrari hat 2014 noch keinen Podestplatz geschafft.

Tests in Bahrain und dann GP von China

Schon diese Woche können die Mercedes-Verfolger bei den Tests in Bahrain Boden gut machen. Und müssen das auch. Das Rennen in China am 22. April hat auch einige Geraden, erst mit Barcelona kommt wieder eine klar kurvenreichere Strecke.

Größere Schritte notwendig

„Unsere Schritte müssen größer und schneller werden“, forderte Marko. Ob nun auch ein neuer Sound noch nötig ist, wird auf einer anderen Ebene geklärt. Marko wünscht sich jedenfalls, „dass wir zumindest am Renntag nicht die leiseste, sondern die lauteste Formel sind.“

Force India das Überraschungsteam

Die spannendste war sie in Bahrain auf jeden Fall wieder. Und mit Force India liegt ein Team auf Platz zwei, das vorher wohl niemand auf der Rechnung hatte. Trotz ihrer Finanzprobleme sind die „Inder“ dank Mercedes-Power Zweiter.

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  • Ravenbird

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