Schlechter Verlierer? Aber nein, Hamilton sorgt sich nur um die Fans.
Schlechter Verlierer? Aber nein, Hamilton sorgt sich nur um die Fans.
 

Hamilton: Vettels Dominanz macht WM „langweilig“

Vettel siegt wie eine „Maschine“ und kann den WM-Titel bereits nächste Woche fixieren – „langweilig“, meint Hamilton. Für Vettel selbst ist aber noch längst nicht alles klar

07.10.2013 APA

In er Formel 1 häufen sich verstimmte Kommentare zu Vettels aktueller Dominanz: Nach den Buhrufen nach Vettels Triumph in Singapur werden auch nach dem Sieg des Deutschen in Südkorea am Sonntag kritische Stimmen laut. Mercedes-Pilot Lewis Hamilton bemerkte, die Überlegenheit des Red Bull-Piloten würde ihn nerven, er fühle sich an die Ära Michael Schumacher erinnert. „Da bin ich regelmäßig vor dem TV eingeschlafen, weil ich schon vorher wusste, was passieren wird.“ Auch wenn der Brite sich offiziell nur „um die Fans“ sorgt, bleibt ein gewisser persönlicher Unterton nicht aus. Mit bereits 111 Punkten Rückstand ist der Silberpfeil-Fahrer in der WM nur Vierter und bei fünf noch ausstehenden Rennen längst chancenlos. „Selbst wenn er in allen restlichen Rennen ausfällt, ist ihm der Titel nicht mehr zu nehmen. Das tut mir leid für die Fans“, so Hamilton.

Voreilige Glückwünsche zum Titel nicht angenommen

Vettel wird diese Kritik ebenso weiterhin problemlos verschmerzen (müssen) wie die Buhrufe und die heftige Kritik an seinem jüngsten „Eier-Sager“. Bei 77 Punkten Vorsprung auf Fernando Alonso kann der 26-jährige Deutsche schon am kommenden Sonntag mit einem weiteren Sieg in Suzuka den Titel fixieren, sofern Alonso höchstens Neunter wird. Voreilige Glückwünsche zum vierten Formel-1-Titel lehnt Vettel dennoch ab. „Jetzt das Rechnen zu beginnen, wäre nicht nur der falsche, sondern auch nicht mein Weg“, sagte der Red-Bull-Pilot nach seinem Sieg in Südkorea, ehe der Elektronik-Technik-Freak wie üblich für 48 Stunden in Tokio abtauchte.

Vettel wird zur Legende

Am Mittwoch wird Vettel bei einem PR-Termin in einer Autofabrik in Yokohama wieder erklären dürfen, warum er bald zu den Ikonen Michael Schumacher und Juan Manuel Fangio aufschließen wird. Nur diesen beiden Ausnahmepiloten war es bisher gelungen, vier Mal in Folge Weltmeister zu werden. „Er gehört auf diese Stufe“, meinte Teamchef Christian Horner nach Vettels erneut fehlerloser Darbietung im koreanischen Niemandsland. Das Niveau, auf dem Vettel seine Leistung abruft, sei in vieler Hinsicht unglaublich. Von seinen 115 Rennen hat Vettel nun 34 gewonnen, in diesem Jahr schon wieder acht. Zum vierten Mal schaffte der in der Schweiz lebende Hesse in Yeongam den höchst seltenen Grand Slam: Pole Position, Sieg, schnellste Rennrunde und nach jedem Umlauf in Führung. Als einziger Fahrer des Feldes hat der 26-Jährige in dieser Saison bisher alle 14 Qualifikationsduelle gegen seinen Teamgefährten gewonnen. „Er fährt wie eine Maschine“, befand Vettels Red-Bull-Vorgänger David Coulthard.

An die theoretisch vorhandenen Chancen der Konkurrenz glaubt fast niemand..

So könnte Vettel die nächsten drei Rennen auch vor dem Fernseher verfolgen und würde trotzdem noch immer die WM anführen. „Wir schauen nicht zu weit nach vorn und schauen auch nicht zurück“, erklärte Vettel aber. Für ihn und das Team ist nach wie vor der Weg das Ziel. Da sind selbst Steuerkünstler wie die Ex-Weltmeister Alonso, Kimi Räikkönen und Hamilton machtlos. Alle drei haben zwar theoretisch noch die Chance, Vettel abzufangen. Die Formkurve aber spricht dagegen. Seit der Sommerpause hieß der Sieger immer Vettel. „Wir können keine Wunder erwarten. Platz zwei in der Konstrukteurswertung ist wahrscheinlich ein realistischeres Ziel“, bekannte Ferrari-Pilot Alonso.

…außer Vettel selbst.

Nur aus Vettels Sicht ist der Nervenkitzel noch nicht völlig aus der Fahrer-WM entwichen. „Es sind immer noch mehr Punkte zu vergeben als unser Vorsprung beträgt“, sagte der Deutsche. „Es gibt eine Million Möglichkeiten, wann, wo und wie wir die WM gewinnen könnten. Und es gibt noch eine Million Chancen, wie wir sie verlieren können.“ Derzeit scheint Vettel aber so ziemlich der einzige zu sein, der das so sieht.

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