Der Sieger des GP von Ungarn 2012, Lewis Hamilton (Mc Laren Mercedes) und der Dritte Romain Grosjean (Lotus)
Letztes Jahr gewann Lewis Hamilton (Mc Laren Mercedes). Romain Grosjean (Lotus) wurde Dritter.
 

Formel 1: Ungarn – It’s gettin‘ hot in here

Für alle Beteiligten dürfte der Formel-1-Grand-Prix von Ungarn zu einer Hitzeschlacht werden. Lotus gilt unter Experten als Geheimfavorit.

25.07.2013 APA

 

Für alle Beteiligten dürfte der Formel-1-Grand-Prix von Ungarn zu einer Hitzeschlacht werden. Laut Veranstalterangaben werden für den Rennsonntag bis zu 40 Grad erwartet. Das dürfte sich nicht nur auf die zahlreichen österreichischen Fans auswirken, die jährlich über die Grenze pilgern. Auch das Rennen bleibt von der Hitzewelle nicht unberührt. Lotus rückt dadurch immer mehr in die Rolle des Geheimfavoriten.

Überhitzung der Reifen wird nicht erwartet

Mehr als 35 Grad sind für das Wochenende prognostiziert, dazu bleibt es mit großer Wahrscheinlichkeit trocken. „Dadurch kann man sich am Freitag schnell auf die Reifenänderungen einstellen“, erklärte der frühere F1-Pilot Alexander Wurz. Die Gummis spielen zwar weiterhin eine große Rolle, das gelte aber eher für die Strategien. „Zur Überhitzung sollte es in Ungarn wegen der Streckencharakteristik nicht kommen.“

Pirelli mit Vorjahres Reifen

Pirelli hatte sich unter dem Eindruck mehrerer gefährlicher Reifenplatzer Ende Juni in Silverstone entschieden, zur Struktur des Vorjahres zurückzukehren. Diese könnte laut Experteneinschätzung Ferrari und Lotus zugutekommen, weil deren Autos durch den kontrollierteren Abbau verschiedene Strategien ermöglichen – etwa einen Boxenstopp weniger oder mehr Runden auf der schnelleren, weicheren Mischung.

Geschwindigkeitsreduktion in der Boxengasse

Dazu kommt die vom Automobil-Weltverband (FIA) aus Sicherheitsgründen von 100 auf 80 km/h reduzierte Geschwindigkeitsbeschränkung in der Box. Eine Durchfahrt dauert dadurch in Ungarn etwa vier Sekunden länger. Ex-Pilot Gerhard Berger favorisiert dennoch Vettel. „Theoretisch ist es Red Bull. Aber ich gehe davon aus, dass in der Hitze auch der Lotus ganz gut gehen kann“, meinte der Tiroler.

Lotus mit Außenseiterchancen

Ähnlich sieht das Wurz. „Lotus hat Außenseiterchancen. Auf Strecken mit viel Abtrieb ist aber auch Ferrari ganz gut“, erinnerte der Niederösterreicher. Mercedes erwartet der Langstreckenpilot zwar erneut im Qualifying ganz vorne. „Der Abbau der Reifen ist aber immer noch ihr Problem.“ Die Silberpfeile fuhren durch Nico Rosberg zwar bereits zwei Siege ein, Lewis Hamilton rutschte zuletzt in Deutschland aber von der Pole Position auf Rang fünf zurück.

Mercedes im Nachteil

Zudem musste Mercedes bei den kurzfristig für alle Fahrer geöffneten Reifentests vergangene Woche wegen einer Sperre, die noch von umstrittenen Proberunden im Mai in Barcelona herrührte, zuschauen. „Der Nachteil ist aber nicht so groß“, beruhigte Wurz. Das hoffte auch Niki Lauda, Aufsichtsratschef des Teams. „Wir können aber noch nicht wirklich viel sagen. Wir müssen die ersten Trainings abwarten“, sagte der Ex-Weltmeister.

Lotus macht die Hitze nichts

„Es ist wahr, die Hitze hat uns im Lauf des Jahres geholfen. Das macht die Sache für uns besser“, gestand Lotus-Star Kimi Räikkönen. Der Finne ist WM-Dritter, zuletzt in Deutschland fuhr er hinter Weltmeister Sebastian Vettel zum vierten Mal in dieser Saison auf Platz zwei. 41 WM-Punkte fehlen dem 33-Jährigen auf Vettel, mit dem er kommende Saison ein Fahrerduo bei Red Bull bilden könnte.

Nachfolger von Webber

Die Entscheidung über den Nachfolger von Mark Webber will das österreichisch-englische Team in der vierwöchigen Sommerpause nach Ungarn treffen. Vor Räikkönen steht Webbers australischer Landsmann Daniel Ricciardo (24) in der Pole Position. Der Youngster vom Zweitteam Toro Rosso hat sich nach einem Test in Silverstone zuletzt Sonderlob von Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz abgeholt.

Noch wird diskutiert

„Es gibt noch keine Entscheidung, es wird im Team immer noch diskutiert“, versicherte Mateschitz dem Fachmagazin „Autosport“. „Es wird nach Budapest bekannt gegeben.“ Räikkönen könnte immer noch darauf hoffen, dass ihm Lotus auch 2014 ein konkurrenzfähiges Auto hinstellt. Dafür bedarf es ob des neuen Reglements aber großer finanzieller Ressourcen.

Der Sonntag wird heiß

Vorerst will der „Iceman“ die pannonische Hitze nutzen. 33, 36 und zumindest 38 Grad sind in den kommenden drei Tagen prognostiziert. Höhepunkt der Hitzewelle ist ausgerechnet der Sonntag, an dem sich auch der Franzose Romain Grosjean im zweiten Lotus Chancen ausrechnet. „Ich bin in Ungarn aber schon zu oft Zweiter geworden“, erinnerte Räikkönen. „Ich weiß, wie wichtig es ist, in der ersten Kurve vorne zu sein.“

Räikkönen kämpferisch

Lotus fehlt der Speed im Qualifying. In der ersten Startreihe ist Räikkönen in dieser Saison erst ein einziges Mal gestanden, gewonnen hat er seit dem Auftakt in Australien nicht mehr. „Wir sind hier, um Rennen zu gewinnen“, betonte der Weltmeister von 2007, der bei seinen jüngsten vier Antreten in Ungarn (Auszeit 2010 und 2011) immer auf das Podest gefahren ist. „Es wäre schön, mit einem guten Ergebnis in die Sommerpause zu gehen.“ In eine, in der sich seine sportliche Zukunft entscheiden dürfte.

Vettel hat noch nie in Ungarn gewonnen

Red Bull war auf dem Hungaroring in den vergangenen Jahren nicht immer vom Glück verfolgt. Für den bisher einzigen Sieg sorgte Webber 2010. Vettel hat noch nie in Ungarn gewonnen, im Vorjahr musste er sich mit Rang vier begnügen. Den Sieg holte sich Lewis Hamilton, der diesmal trotz zuletzt zwei Pole Positions in Folge ob der stark abbauenden Reifen am Mercedes im Rennen nicht zum engsten Favoritenkreis zählt.

 

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