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© Mark Thompson/Getty Images
 

Formel 1: Toto Wolff: „Rennfahrer können nicht befreundet sein“

Toto Wolff über den internen Stallkrieg zwischen Rosberg und Hamilton, den GP von Österreich und den Weckruf in Kanada.

13.06.2014 APA

Toto Wollfs Team ist das dominierende der laufenden Formel-1-Saison. Trotz eines technischen Problems bei der Generalprobe in Kanada kommt Mercedes auch zum Österreich-Comeback kommende Woche in Spielberg als klarer Favorit.

Motorsportchef Toto Wolff hat sich an die Rolle gewöhnt. Im Interview mit der APA sprach der 42-jährige Wiener über die Beziehung seiner beiden um die WM kämpfenden Piloten, Spielregeln und den Wert echter Traditionsstrecken.

Interview mit Mercedes-Chef Toto Wolff:

Frage: Nach dem Weckruf Kanada – fürchten Sie Red Bull jetzt mehr als zuvor?

Wolff: „Es war ein Warnschuss zur rechten Zeit, weil man sonst glaubt, dass es immer so weitergeht. Das ist gefährlich. An der Situation hat sich aber nichts geändert. Es zeigt, dass die Motoren immer noch eine neue Technologie sind. Da kann man nicht davon ausgehen, dass alles völlig problemlos läuft und man jedes Rennen locker nach Hause fährt. Wenn wir nicht da sind, ist Red Bull da. Wir dürfen nicht lethargisch werden.“

Frage: Erfolg kann satt machen, auch in einem Formel-1-Team. Wie gelingt es Ihnen, die Schlagzahl hochzuhalten?

Wolff: „Wir wollen nicht verlieren. Es ist fast wie die Angst vor dem Verlieren. Wenn du nur einen kleinen Fehler machst, geht es gleich nach hinten los. Montreal hat gezeigt, wie schmerzhaft das ist. Davor haben wir fünfmal hintereinander doppelt gewonnen. Das birgt die Gefahr, dass das normal wird.“

Frage: Nico Rosberg und Lewis Hamilton fahren gegeneinander um die WM. Wie hat sich ihre Beziehung im Saisonverlauf verändert?

Wolff: „Der große Trugschluss der Öffentlichkeit und der Medien ist, dass sie miteinander befreundet sind. Sie kennen einander lange, sind im Kartsport Freunde gewesen und danach immer wieder aufeinandergetroffen. Zwei Rennfahrer können aber nicht miteinander befreundet sein, schon gar nicht als Teamkollegen. Du kommst nicht in die Formel 1, wenn du ein Schunkelmeister bist. Dazu ist der Druck zu groß und die Konkurrenz zu hart. Für uns ist wichtig, dass sie fair und respektvoll miteinander umgehen. Wir werden in dieser Saison immer ein Auf und Ab sehen in ihrem Verhältnis.“

Frage: Wie wichtig ist in diesem Bezug die Einflussnahme des Teams?

Wolff: „Wir managen das Team nach unserer Philosophie. Wir als Mercedes-Benz wollen in erster Linie die Konstrukteurs-WM gewinnen. Da ist uns egal, welcher der beiden Fahrerweltmeister wird. Auf ihrer Agenda steht in erster Linie die Fahrer-WM, das bestimmt auch den Wert der eigenen Marke. Die Ziele sind fast deckungsgleich, aber eben nur fast.“

Frage: Es hat schon haarige Zweikämpfe zwischen Ihren Piloten gegeben. Wo sind die Grenzen?

Wolff: „Wenn wir eine Situation haben, die das Team in eine unangenehme Situation führt – ein Unfall etwa, oder wenn die Regeln nicht eingehalten werden. Das werden wir aus der Garage steuern, wie es viele andere Teams schon vor uns gemacht haben. Bis dahin fahren wir frei.“

Frage: Halten sich beide immer an die Spielregeln?

Wolff: „Ja, von Zeit zu Zeit loten sie aber aus, wie weit sie gehen können, bevor es etwas auf die Finger gibt. Grundsätzlich sind sie faire Sportsleute. Außerdem beziehen wir sie ein, wenn wir die Regeln machen. Wenn die beiden ihre Daten austauschen, dann profitieren beide davon. Das sagen wir ihnen, daher tun sie das auch. Wie sie miteinander umgehen, spielt für uns per se keine Rolle. Es geht aber darum, wie sie als sichtbarste Vertreter unserer Marke öffentlich wahrgenommen werden.“

Frage: Mercedes ist aus Marketinggründen in der Formel 1. Manche Teams haben Sorge, dass der Konzern wieder weg ist, sobald die Ziele erreicht sind.

Wolff: „Mercedes hat sich grundsätzlich bis 2020 kommittiert. Racing ist die DNA von Mercedes. Es geht um unser Kernprodukt, das Auto. Deshalb hat man sich entschlossen, langfristig in der Formel 1 zu bleiben. Wenn wir uns nachhaltig an der Spitze etablieren, ist die Aufgabe erfüllt. Die Gefahr, dass wir die Formel 1 zu Tode siegen, ist nicht realistisch. Es kommen immer wieder andere Teams hoch.“

Frage: Wie bewerten sie die Rückkehr der Formel 1 nach Österreich?

Wolff: „In dieser Woche wird Österreich der Nabel der Welt sein. Das Haus ist ausverkauft. Das zeigt, dass in den traditionellen Ländern die Begeisterung für die Formel 1 nach wie vor da ist. Ich freue mich schon sehr.“

Frage: Es ist also gut, dass der Sport in einen – zugegeben kleinen – Traditionsmarkt zurückkehrt, anstatt sich in neuen Märkten zu etablieren?

Wolff: „Es ist sogar sehr gut. Es ist wichtig, das Gleichgewicht zwischen neuen Ländern mit einem neuen Klientel und traditionellen Strecken zu wahren. Spielberg ist eine historische Strecke wie Hockenheim, der Nürburgring, Spa, Monza oder Silverstone. Die gehören zur Formel 1. Sie sind die DNA, das Rückgrat der Formel 1.“

Frage: Würden Sie Spielberg mit diesen Traditionsstrecken gleichsetzen?

Wolff: „Ja, absolut. Ich hoffe, dass wir sehr lange dort fahren. Es sehr schade, dass es in den vergangenen Jahren so viele Probleme gegeben hat mit einigen Kurzsichtigen, die einen Grand Prix verhindert haben. Es ist traurig, wie sehr ein paar wenige die Entwicklung einer gesamten Region behindern können.“

Frage: Während des Grand Prix läuft noch ein anderes Großereignis. Muss man bei der Fußball-WM als Mercedes-Motorsportchef zu Deutschland oder England helfen?

Wolff: „Ich bin ein sehr untalentierter Fußballer. Ich habe null Ballgefühl. Ich schaue mir die WM nur als Spektakel an und versuche daraus zu lernen, was wir in der Formel 1 noch besser machen können. Es ist großartiges Entertainment, ohne dass mein Herz für eine bestimmte Mannschaft schlägt. Unsere Burschen sind ja leider nicht dabei, insofern sehe ich das etwas entspannter.“

Frage: Und wer wird Formel-1-Weltmeister?

Wolff (lacht): „Ein Mercedes-Fahrer.“

Frage: Welcher?

Wolff: „Ist mir egal, ehrlich. Ich habe mit beiden ein gutes, aber natürlich unterschiedliches Verhältnis. Wir sind auf der gemeinsamen Mission, dieses Team erfolgreich zu machen und einen WM-Titel einzufahren. Deshalb habe ich überhaupt keine Präferenz, wer am Ende Weltmeister wird, solange wir die Konstrukteurs-WM und den Fahrertitel gewinnen.“

Links zum GP von Österreich:

Das Programm zum Formel 1 Wochenende in Spielberg am Red Bull Ring: Link

Alle Sieger des GP von Österreich: Link

Red Bull will Kanada-Erfolg auch in Österreich fortsetzen: Link

Bauarbeiten an Spielbergring abgeschlossen: Link

Vettel freut sich auf “2. Heim-GP” in Spielberg: Link

Berger über das Ö-Comeback: Link

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