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Für Mercedes läuft's derzeit bestens. Wolff befürchtet, dass sich die Teams ihren Sport schlecht reden und will vor Monaco über Änderungen für die neue Saison nicht sprechen. © SRDJAN SUKI / EPA / picturedesk.com
 

Formel 1 soll die Königsklasse bleiben, aber wie?

Mercedes verteidigt neues Konzept, Verfolger fordern Änderungen. Wolff hält aktuelle Debatte für absurd: „Brillante technische Revolution“

06.04.2014 APA

Sakhir. Vor einem Jahr war der davonfliegende Reifengummi das große Thema in der Formel 1. 2014 wird nur noch über fehlenden Sound und die neue ERS-Hybrid-Antriebseinheiten diskutiert. Mercedes hat vorerst die Macht an sich gerissen, über Änderungen wird heftig diskutiert. Vom zukunftsträchtigen Weg soll aber nicht abgewichen werden, die Formel 1 trotzdem die „Königsklasse“ des Motorsports bleiben.

GP2 so schnell wie die langsamsten der Formel 1

Letzteres wird aktuell auch deshalb infrage gestellt, weil die schnellsten GP2-Autos in Bahrain so schnell fuhren wie die langsamsten Formel-1-Boliden. „Man ist von der Formel 1 gewohnt, dass es die schnellste und attraktivste Kategorie ist“, meinte etwa Red Bulls Motorsport-Chef Helmut Marko. Er halte es für befremdend, wenn Rahmenrennen lauter und beinahe gleich schnell sein würden, bemängelte der Österreicher.

Die Teams mit Problemen fordern Änderungen

Derzeit gibt es zwei große Blöcke in der Formel 1. Das PS-überlegene Mercedes-Team und der Motorsport-Weltverband FIA verteidigen die energieeffizienten Neuerungen, die Renault-getriebenen Teams rund um Red Bull sowie die mit Ferrari-Motoren fahrenden Rennställe fordern Änderungen, weil ihre Antriebsstränge derzeit noch unterlegen sind. Die Großen der Formel 1 trafen sich deshalb noch in Bahrain, um Lösungen zu finden.

Wolff: „Wir reden unseren Sport schlecht“

Ein Vorschlag, zehn Kilo mehr Sprit zuzulassen, löste bei Mercedes einen Aufschrei aus. „Was ist das für eine Botschaft? Ich habe meine Hausaufgaben schlecht gemacht und werde jetzt noch dafür belohnt?“, alterierte sich Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff postwendend. Er halte die ganze Diskussion für „absurd“ und kontraproduktiv. „Wir befinden uns in einer brillanten technischen Revolution und reden unseren Sport schlecht.“

Wurz findet die Energierückgewinnung „saucool“

Auch Alexander Wurz ist von der neuen, aber „leiseren“ Hybrid-Technologie in der neuen Formel 1 angetan. Der Österreicher nutzt in der Langstrecken-WM längst fortgeschrittenere Modelle. „Wir laden auch von den Vorderrädern Energie auf, wir sind da um Einiges weiter als die Formel 1“, erklärte der Niederösterreicher. „Mein Toyota beschleunigt aus den Kurven über vier Räder mit tausend PS, 40 Prozent kommen dabei schon vom Elektro-Motor. Das ist doch saucool. Diese Energie wäre sonst komplett verloren.“

Hier hakte auch Wolff ein. Die aktuelle Formel 1 habe weniger Abtrieb, härtere Reifen, sei schwerer geworden und würde 30 Prozent weniger Benzin verbrauchen. „Und sie ist trotzdem annähernd gleich schnell“, forderte der Wiener, dem Ganzen Zeit zu geben. „Warten wir doch bis Monaco und wo wir dort stehen. Dann kann man immer noch etwas auf die nächste Saison hin ändern.“

Beim Thema Sound muss auf die Fans gehört werden

Einig ist man sich zumindest hinsichtlich Sound. Die neuen Hybrid-Antriebe säuseln vor sich hin, das gefällt offenbar den Fans weltweit nicht. Sound-Engineering könnte Abhilfe verschaffen. „Die Formel 1 ist auch Show und man geht ja auch nicht zu einem leisen Stones-Konzert“, so Wurz und auch Wolff fordert: „Wir müssen auf die Fans hören.“

Unter dem Strich schlägt sich die Formel 1 derzeit mit einem altbekannten Problem herum. Die Teams, die vorne liegen, wollen, dass alles so bleibt wie es ist. Die anderen fordern Änderungen. Weil zusätzliches Benzin von Mercedes abgelehnt wird, kam postwendend der Vorschlag, die Rundenanzahl der Rennen zu kürzen.

An der Langeweile sind die Reifen schuld

Das eigentliche Problem zuletzt in Malaysia waren aber ohnehin die fehlenden Zweikämpfe und die dadurch entstandene Langeweile. Daran, so Wolff, seien aber ausschließlich die nun härteren und haltbareren Reifen schuld. Noch vor einem Jahr hatte die Formel 1 angesichts der gefährlich weichen Pneus genau solche gefordert. „Die Show damals war aber gut“, gab Wolff zu.

Quelle: APA

 

  • Ravenbird

    Wenn der Zuseher ohne technische Hilfsmittel nicht mehr weiß, wer eigentlich vorne liegt, braucht man über Sinn und Unsinn nicht reden.
    Die F1 ist verreglementiert und verkompliziert. Solange sich „Kommissare“ einbilden, die Fahrer mit dem erhobenen Zeigefinger nach „Piefke-Manier“ zu ermahnen, bewegen wir uns im Schuljungenniveau.
    Wenn einer dem anderen in die Karre fährt – na und? Was haben die Leute (MÄNNER!) früher gemacht? Geweint? So wie die Bubis und Mädis heute?
    Nein! Sie sind Rennen gefahren. Rennen, die legendär waren und vom Charakter der Fahrer und Teams gelebt haben und nicht von Regelbüchern.

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