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Formel 1: Rosberg gewinnt, Bottas macht Hamilton das Leben schwer

Rosberg hat einen Lauf: Nach Hochzeit und Vertragsverlängerung auch erster deutscher Hockenheim-Sieger seit Schumacher 2006.

21.07.2014 APA

Nico Rosberg hat sein aktuelles Sommer-Hoch mit dem ersten Formel-1-Sieg in Hockenheim gekrönt. Der frisch verheiratete WM-Leader (29) siegte am Sonntag 20,7 Sekunden vor dem Finnen Valtteri Bottas im Williams sowie seinem nur von Platz 20 gestarteten Mercedes-Teamkollegen Lewis Hamilton. Dank des vierten Saisonsieges führt Rosberg nach 10 von 19 Rennen in der WM wieder 14 Zähler vor Hamilton.

Bottas kämpfte bis zum Schluss mit Hamilton um den 2. Platz

Während Pole-Mann Rosberg vor nur 52.000 Zuschauern ein Start-Ziel-Sieg und der erste Heimerfolg eines Deutschen hier seit Michael Schumacher 2006 gelang, machte Hamilton in einem bärenstarken Rennen gleich 17 Plätze gut. Ein weiterer Doppelsieg für Mercedes, das nun neun der bisher zehn Rennen gewonnen hat und den ersten Sieg eines Werks-Silberpfeiles in Deutschland seit Juan Manuel Fangio 1954 bejubelte, ging sich aber knapp nicht aus.

Denn an Bottas biss sich Hamilton nach seiner fulminanten Aufholjagd überraschend die Zähne aus. Der junge Finne kam damit zum dritten Mal in Folge auf das Podest und wurde wie zuletzt in Silverstone Zweiter. Williams überholte damit in der Konstrukteurs-WM Ferrari und ist nun selbst Dritter hinter Mercedes und Weltmeister Red Bull, für den Sebastian Vettel nach einem unauffälligen Rennen Vierter wurde.

Überschlag von Massa gleich in der ersten Kurve

Auf der badischen Rennstrecke entwickelte sich sofort ein spannendes Rennen mit mehreren sehenswerten Duellen und einer Kollision gleich in der ersten Kurve. Dabei drehte der Däne Kevin Magnussen mit seinem McLaren den neben ihm aus der zweiten Reihe gestarteten Williams von Dauer-Pechvogel Felipe Massa um und eliminierte den Brasilianer.

Zweiter Leidtragender dieser Aktion war Daniel Ricciardo. Der wie Vettel aus Reihe drei gestartete Australier musste mit seinem Red Bull den Unfall so weit umfahren, dass er auf Platz 13 zurückfiel. Nach einem erneut starken Rennen, inklusive mitreißendem Fight mit Ferrari-Star Fernando Alonso wurde Supertalent Ricciardo hinter dem Spanier noch Sechster.

massa überschlag in hockenheim 2014

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Hamilton tat alles, um das Feld von hinten aufzuräumen

Noch mehr Plätze machte Hamilton gut. Während vorne Pole-Mann Rosberg zwei Wochen nach seinem ersten Saison-Ausfall in Silverstone ein einsames Rennen fuhr, nahm der Engländer hinten das Messer zwischen die Zähne und kämpfte mit seinem überlegenen Mercedes Gegner um Gegner nieder.

Dabei schonte er weder sich noch das Auto. Obwohl er beim Überholversuch gegen Jenson Button auch seinen Frontflügel ramponierte, fuhr der Weltmeister von 2008 die schnellsten Rennrunden. Von den erreichbaren Gegnern war für ihn am Ende nur Bottas nicht zu bezwingen. Der Brite war nach Unfall im Qualifying plus weiterer Rückversetzung wegen Getriebewechsels über die Schadensbegrenzung glücklich. „Die Berührung mit Button war mein Fehler“, gab er zu. „Und Valtteri war am Ende nicht zu knacken.“

mercedes amg petronas gruppenfoto

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Wolff: „Fühlt sich an wie ein Doppelsieg“

Rosberg hatte an diesem Tag hingegen gar keinen Gegner. „Es ist ein unglaubliches Gefühl, daheim zu gewinnen. Das ist ein sehr spezieller Tag für mich“, bejubelte der Deutsche seinen siebenten GP-Sieg.

Nach Hochzeit und Vertragsverlängerung beschwor er eine Woche nach dem Brasilien-Triumph der Fußball-Nationalmannschaft auch noch den Geist des WM-Titels. „So ein Auto zu fahren, ist großartig“, weiß der 29-Jährige aber ohnehin, woher der Wind weht. Kurz nach WM-Halbzeit und eine Woche vor Ungarn hat Rosberg nun 190 Punkte auf dem Konto, Hamilton 14 weniger.

Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff strahlte einmal mehr. „Es fühlt sich trotzdem an wie ein Doppelsieg, wenn man von Platz 20 Dritter wird“, sagte der Wiener. „Die WM ist weiterhin offen.“

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Lob gab es von Wolff auch für Bottas: „Valtteri ist das kaltschnäuzig nach Hause gefahren“, befand der Österreicher. Nach Spielberg und Silverstone war das irgendwie auch der dritte „Heimsieg“ für seine Marke. „Schade, dass wir nicht ein paar Heimrennen mehr haben“, sagte Wolff augenzwinkernd.

„So viele finnische Flaggen“: Bottas verblüfft bei Williams

Über den Zuspruch der Fans freute sich Valtteri Bottas ganz besonders. „Ich habe so viele finnische Flaggen hier gesehen, vielen Dank“, sagte der Williams-Pilot nach seinem zweiten Platz beim Großen Preis von Deutschland in Hockenheim. Der 24-Jährige setzt damit nicht nur den Lauf seines Rennstalls fort, sondern auch seinen persönlichen.

Dreimal in Serie landete der Finne nun auf dem Grand-Prix-Podium. Der Mann aus Nastola hat allen Grund zur Freude. „Ich bin wirklich glücklich“, resümierte er. „Es war aber nicht einfach und hat auch unseren Ingenieuren eine Menge abverlangt.“

valtteri bottas siegerehrung hockenheim

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Bottas mittlerweile WM-Fünfter

Bottas, der seine zweite Saison bei den Briten fährt, liegt mit beachtlichen 91 Punkten auf Platz fünf der WM-Wertung. Hätte sein Teamkollege Felipe Massa nicht gleich zu Beginn des zehnten Saisonlaufs einen unverschuldeten Crash gehabt, wäre das Ergebnis für Williams vielleicht noch besser ausgefallen.

Der Traditionsrennstall liegt dennoch in der Teamwertung hinter Mercedes und Red Bull auf Position drei. „Es wäre schön, wenn wir immer zwei Fahrer auf dem Podium hätten“, sagte Co-Teamchefin Claire Williams forsch.

Dabei waren die Ergebnisse in der jüngeren Vergangenheit für den neunmaligen Konstrukteurs-Weltmeister ernüchternd. 2014 ist nun insbesondere der starke Mercedes-Motor ein Schlüssel zum Erfolg.

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