Lewis Hamilton in Silverstone, mit geplatztem Reifen
Hamilton mit geplatztem Reifen in Silverstone
 

Formel 1: Reaktion auf geplatzte Pneus

Am Nürburgring werden schon neue Pneus verwendet und die Testfahrten erweitert werden. Pirelli kontert allerdings die Kritik der Fahrer.

03.07.2013 APA

 

Das vergangene Rennwochenende wurde durch – vermeidbare (?) – Reifenplatzer überschattet, um den angedrohten Fahrer-Boykott auf dem Nürburgring entgegenzuwirken, hat der Automobil-Weltverband nun durch Regeländerungen erweiterte Testfahrten freigegeben. Der Exklusiv-Reifenhersteller Pirelli muss für das kommende GP-Wochenende die schon vor einem Monat anberaumten Veränderungen an den Pneus vornehmen.

„Für die Sicherheit muss immer gesorgt sein“

Sebastian Vettel verweist auf die Notwendigkeit mit perfektem Material in die Rennwochenenden zu gehen, „Wir müssen davon ausgehen können, dass es damit keine Probleme gibt“, weiter appeliert der dreimalige Champion in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Mittwoch-Ausgabe) an die Pflichten des Reifenherstellers Pirelli: „Eines ist klar: Für unsere Sicherheit muss immer gesorgt sein, darauf habe ich in Bezug auf die Reifen schon vor Wochen hingewiesen.“

Priorität der FIA

Der FIA-Präsident Jean Todt stellt die Sicht seines Dachverbandes dar. „Unsere Priorität ist, die Sicherheit für alle in der Formel 1 zu gewährleisten und wir glauben, dass die Vorfälle in Silverstone ernsthafte Sicherheitsbedenken für die Fahrer bedeuten“. Damit unterstrich er die Ernsthaftigkeit mit der sich der Verband diesem heiklen Thema annimmt. Für Mittwoch wurde noch eine Krisensitzung auf dem Nürnburgring einberufen.

Zusicherung von Pirelli?

Die FIA habe Pirelli um eine Zusicherung gebeten, dass sich die Vorfälle von Silverstone nicht beim Deutschland-Rennen am Sonntag oder den nachfolgenden Saisonläufen wiederholen, unterstrich der Dachverband in seiner Erklärung. Beim Großen Preis von Großbritannien war es zu vier Reifenplatzern im Rennen gekommen, dabei waren großflächige Gummifetzen durch die Luft geflogen.

Pirellis Sicht

Pirelli zufolge führten mehrere Faktoren dazu, unter anderem falsch montierte Hinterreifen und ein zu geringer Druck der sensiblen Gummimischungen. Laut dem Hersteller hätten einige Teams den für rechts hinten vorgesehenen Reifen links montiert, um sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Pirelli stellt jedoch auch klar, dass die 2013er Pneus keineswegs die Fahrsicherheit gefährden würden, wenn sie korrekt genutzt werden.

Artikel soll geändert werden

Pirelli wird auf die Schnelle die Reifen bringen, die eigentlich schon für das Kanada-Rennen am 9. Juni vorgesehen waren. Die Einführung scheiterte damals am notwendigen einstimmigen Votum. Auch dies ist kein Hindernis mehr: Die FIA will den entsprechenden Passus – Artikel 12.6.3 – im Technischen Regelwerk kurzerhand ändern.

Stahlband wird durch Kevlar ersetzt

„Die bestürzenden Vorfälle haben die von uns bereits unterbreiteten Vorschläge nötig gemacht“, erklärte Pirellis Motorsportdirektor Paul Hembery. Bei den Nürburgring-Pneus wird ein Stahlband in der Innenschulter der Reifen wieder durch Kevlar ersetzt. Das Stahlband heizt sich mehr auf als Kevlar. Die Temperaturen übertragen sich auf die Lauffläche der Reifen, wodurch es zur Delaminierung kam. Dabei löst sich die Gummifläche.

Premiere in Ungarn

Pirelli geht aber noch einen Schritt weiter. Der italienische Hersteller liefert ab dem Großen Preis von Ungarn Ende Juli ganz neue Reifen. Diese sind eine Mischung aus den Vorjahresmodellen mit den aktuellen Pneus.

Ausnahme bei „Young-Driver-Tests“

Als eine weitere FIA-Maßnahme dürfen zudem beim eigentlichen Nachwuchsfahrer-Test vom 17. bis 19. Juli auf dem Kurs in England auch Sebastian Vettel & Co., sprich die Stammpiloten, hinters Steuer. Dazu wird Paragraph 22.4. der Sporting Regulations modifiziert. Die FIA behält sich auch noch vor, die Testfahrten um einen Tag zu verlängern.

Tests unter Beobachtung

Der Weltverband wird nach Angaben des Fachmagazins „Autosport“ sogar eigene Beobachter zu den Probefahrten Mitte Juli schicken. Damit soll sichergestellt werden, dass die Formel-1-Piloten nicht heimlich an der Weiterentwicklung ihrer aktuellen Autos arbeiten.

Mercedes-AMG darf nicht an Tests teilnehmen

Der deutsche Mercedes-AMG-Rennstall wird an kommenden Tests nicht teilnehmen. Das Team um den Silverstone-Sieger Nico Rosberg war wegen eines Privattests für Exklusiv-Ausrüster Pirelli Mitte Mai von den sogenannten „Young-Driver-Tests“ ausgeschlossen worden. Die Silberpfeile hätten nun im „Interesse des Sports“ akzeptiert, weiterhin nicht bei den Zusatzfahrten auf die Strecke zu gehen.

 

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