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Der neue Formel-1-Vorstandschef Chase Carey mit Geschäftsführer Bernie Ecclestone in Singapur
 

Formel 1: Was will der neue Besitzer?

Teams äußerten in Singapur Wünsche an Liberty Media: „Höchste Zeit, dass sich etwas am System ändert“

18.09.2016 APA

Erstmals nach dem Mega-Deal ist die Formel 1 in Singapur wieder zusammengekommen. Wohin steuert sie nach der Übernahme durch Liberty Media? Konkrete Pläne der US-Amerikaner liegen noch nicht vor. TV-Rechte, Digital-Strategie, US-Markt, Investoren-Modell – all diese Geschäftsfelder werden von Liberty Media genauestens geprüft werden. Die Teamchefs formulierten schon mal Wünsche.

Erste Gespräche mit Teamchefs

Im Fahrerlager gab es immerhin die erste Annäherung zwischen dem neuen Besitzer und den Teams. An der Seite von Geschäftsführer Bernie Ecclestone und Mitgründer Donald Mackenzie vom bisherigen Hauptanteilseigners CVC machte der neue Formel-1-Vorstandschef Chase Carey seine Aufwartung und begann erste Gespräche mit den Rennstall-Verantwortlichen. Nur wann wird der Reformprozess eingeleitet?

Wünsche der Teams: „Höchste Zeit für Veränderung“

Wünsche äußerten die Teamchefs schon mal, was eine Reform der Formel 1 bringen solle. „Mehr Geld für die Rennställe, niedrigere Preise und eine bessere Verteilung des Geldes an alle. Das wird aber so bald wohl nicht passieren“, sagte Vettels ehemaliger Red-Bull-Teamchef Christian Horner. Gerade eine gleichmäßige Gewinnausschüttung ist für Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn unabdingbar. „Es ist höchste Zeit, dass sich etwas am System ändert“, insistierte sie.

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© Bild: Mark Thompson/Getty Image

Fokus auf digitale Medien

Das Unternehmen von TV-Tycoon John Malone wird sicher stärker auf digitale Medien setzen, einen Bereich, den der 85-jährige Ecclestone stets links liegen ließ und damit das Potenzial junger Fans ignorierte. Zudem dürfte der neue Besitzer versuchen, die Erlöse mit den Formel-1-Bewegtbildern zu steigern. Vonseiten der Rennveranstalter, die unter Ecclestones Preisschraube immer stärker ächzen, sind keine Steigerungsraten mehr drin. „Es ist wichtig, dass man diesen medialen Aspekt auch in den Vordergrund stellt. Denn das ist nun mal die Haupteinnahmequelle“, betonte die Österreicherin Kaltenborn. „Die Sponsoren, die in den Sport kommen, machen das ja zu medialen Zwecken, um sich schlussendlich zu vermarkten.“

Teams sollen Formel 1-Anteile kaufen können

Einer möglichen Teilhabe der Rennställe an der Serie stehen die Teams aufgeschlossen gegenüber. „Ohne die Teams gibt es keine Formel 1. Deshalb würde eine Minderheitsbeteiligung Sinn ergeben“, sagte Horner. Liberty Media hat zwar auch hier noch keine Details bekanntgegeben, doch die Rennställe sollen künftig eben Anteile kaufen können.

„Frischer Wind“ erwünscht

Das ramponierte Hochglanzprodukt Formel 1 ist zumindest aus Sicht der Teamchefs bereit für einen Zeitenwandel. „Die Welt verändert sich und manchmal ist es gut, wenn man frischen Wind reinbringt“, erklärte Mercedes-Pilot Nico Rosberg, der sich wie so viele Fahrer wünscht, dass der neue Besitzer stärker auf eine junge Fan-Basis setzt.

Neue Einnahmequellen in Sicht

„Man muss wahrscheinlich nicht das Rad neu erfinden, weil der Sport zu den ganz wenigen weltweit erfolgreichen gehört“, sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff, „vielleicht kann uns Liberty Media aber dabei helfen, neue Einnahmequellen anzuzapfen.“

Kurzfristig keine gravierenden Veränderungen – Ecclestone bleibt

Tiefgreifende Veränderungen werden kurzfristig nicht möglich sein. Ecclestone soll noch drei Jahre im Amt bleiben – sofern er selbst und Liberty Media das letztlich wollen. Zudem gibt es bestehende Verträge, wobei in erster Linie das „Concorde Agreement“ zu nennen ist. Dieser Grundlagenvertrag regelt die Verteilung der Vermarktungseinnahmen, die Anzahl der teilnehmenden Teams und die Zuständigkeiten für das Regelwerk. Das Abkommen zwischen den Rennställen, dem Weltverband FIA und dem Vermarkter FOM gilt noch bis 2020. Richtungweisende Reformen lassen sich also erst mittelfristig umsetzen.

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© Bild: APA Rainer Waxmann

Übernahme für 4,4 Milliarden Dollar

Am 7. September hatte Liberty bekanntgegeben, dass es den bisherigen Formel-1-Hauptgesellschafter CVC ablöst. Nach Angaben der Unternehmen zahlt Liberty Media 4,4 Milliarden Dollar (etwa 3,93 Milliarden Euro). Zudem sollen Schulden in ähnlicher Höhe übernommen werden. Liberty erwirbt zunächst ein Paket von 18,7 Prozent von CVC. Die restlichen Anteile sollen im ersten Quartal 2017 folgen. Die Holdinggesellschaft Delta Topco, in der sämtliche Teilhaber der Formel 1 vereint sind, wird dann komplett übernommen. Die bisherigen Anteilseigner bekommen 1,1 Milliarden Dollar in bar sowie Aktien an der Liberty Media Group, die im kommenden Jahr in Formula One Group umbenannt wird. Die Zustimmung zum Deal geben müssen noch die Europäische Union und der Internationale Automobilverband FIA, unter dessen Dach die Formel 1 antritt.

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