Hamilton und Rosberg beim GP von Bahrain 2014
Mercedes hat ein Luxusproblem.
 

Formel 1: Mercedes und das Luxusproblem

Bei Mercedes könnte es derzeit nicht besser laufen. Die Dominanz in den bisherigen Rennen ist beachtlich. Der Teaminterne Kampf um die Stallorder ist offiziell noch nicht entfacht.

07.04.2014 APA

Die Dominanz von Mercedes ist beachtlich. Bisher konnten die Silberpfeile alle Poles und GPs für sich entscheiden, hatten immer die schnellste Rennrunde und führen die WM-Wertung mit Nico Rosberg vor Lewis Hamilton an. Kurz: Mercedes ist in der Formel 1 das Team der Stunde. Ob und wann man eine Stallorder zwischen den beiden Piloten einziehen soll, ist für Motorsportchef Toto Wolff aktuell ein Luxusproblem. „Wir sind das Maß aller Dinge und das soll möglichst lange so bleiben“, hofft Wolff.

Stallorder offiziell kein Thema

Derzeit ist eine Stallorder bei den „Silbernen“ zumindest offiziell noch kein Thema. „Viel zu früh“, winkten die beiden Österreicher Wolff und Aufsichtsratschef Niki Lauda in Bahrain auch nach dem zweiten Doppelsieg in Folge sofort ab. Rosberg führt nach drei Läufen mit 61 Punkten, Hamilton ist trotz seiner zwei Saisonsiege mit 50 Punkten Zweiter. Trotzdem soll weiter eine „offene Politik zwischen den beiden Garagen“ herrschen.

Rosberg und Hamilton schenken sich nichts

Im Rennen würde es derzeit Anordnungen nur geben, wenn einer der beiden Piloten Problem habe, heißt es bei Mercedes. Die Funk-Erinnerung von Paddy Lowe an Rosberg, in Bahrain beide Autos sicher „nach Hause“ zu bringen, quittierte Rosberg freilich mit heftigen Attacken gegen den führenden Hamilton.

„Der beste Sieg ist immer der über den Teamkollegen“

Dass bereits jetzt hinter den Kulissen zwischen den beiden Fahrern um Vorteile gekämpft wird, liegt auf der Hand. Nach außen geben sich der emotionale Hamilton und der eher analytische Rosberg, die sich aus gemeinsamen Kart-Tagen kennen, betont kumpelhaft. „Der beste Sieg ist immer der über den Teamkollegen“, hatte Rosberg gemeint, nachdem er Hamilton am Samstag die Pole weggeschnappt hatte. Am Sonntag schlug Hamilton zurück.

Ansage vor GP von China

Rosberg nahm zähneknirschend zur Kenntnis, dass er wie schon in Malaysia etwas „gebremst“ wurde: „Ich bin nicht gerne Zweiter hinter Lewis“, gestand der Deutsche und versprach vor dem kommenden China-Rennen: „In zwei Wochen bin ich wieder da, um zu gewinnen.“

Hamilton mit Erfahrungen aus McLaren-Zeiten

Hamilton weiß aus seiner McLaren-Zeit neben Fernando Alonso, wie erbittert der teaminterne Kampf verlaufen kann. Der 29-jährige Engländer mit dem riesigen Tattoo und der Rapperkappe kann aber zum schon zweiten Mal Weltmeister werden, der rund fünf Monate jüngere Weltmeister-Sohn Rosberg kämpft um den ersten.

„Das Team kommt immer zuerst“

Wolff glaubt aber nicht, dass sich seine Piloten über kurz oder lang das Leben gegenseitig zur Hölle machen wie etwa einst Ayrton Senna und Alain Prost. „Lewis und Nico sind beide intelligent und respektieren sich gegenseitig genug, um die richtigen Entscheidungen zu treffen“, hofft der Wiener, stellte aber eines klar in den Raum: „Der Teamkollege ist zwar stets der erste Gegner. Aber das Team kommt immer zuerst.“

Die Vorteile von Mercedes

Den aktuellen „Luxus“ kann man sich bei Mercedes leisten, weil man dank des kompakten Eigenbau-Antriebsstranges und des deutlichen PS-Vorteils klar überlegen ist. Aber: Mit teaminternen „Straßenkämpfen“ sammelt man zwar Sympathiepunkte bei den Fans, gewinnt aber mit Pech am Ende keine WM. Bei den meisten Weltmeister-Teams gab es deshalb trotz gegenteiliger Beteuerungen meist klare Hierarchien.

Rosberg hat nur einen Gegner

„Ich genieße den Augenblick unserer Überlegenheit“, ist Rosberg bewusst, dass er vor der Chance seines Lebens steht. Er kämpfe derzeit eigentlich nur gegen einen Gegner und der sei ausgerechnet der Teamkollege.

Typische Vertreter der neuen Fahrergeneration

Obwohl beide Mercedes-Fahrer auf den 30er zugehen, sind sie auch typische Vertreter der neuen Fahrergeneration. „Multitaskingfähig. Hirn statt nur Muskelmasse“, beschrieb Wolff den gefragten Typ für die modernen Formel-1-Cockpits.

Konkurrenz könnte rasch aufholen

Für Mercedes heißt es vor allem, den aktuellen Schwung möglichst lange mitzunehmen. „Aufgrund der aktuellen Situation gibt es in der Entwicklung der Autos keine kleinen, sondern riesige Schritte“, meinte Wolff, fürchtend, dass die Konkurrenz rasch aufholt.

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