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Mateschitz: „Im Moment geht es nur um die Plätze zwei und drei.“

Red-Bull-Boss zur Dominanz der vergangenen Jahre: „Dass es nicht immer so weitergeht, war klar“. Ricciardo überzeugend.

11.05.2014 APA

Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz hat die Formel-1-WM trotz der aktuellen Überlegenheit von Mercedes noch lange nicht abgeschrieben. Sein Team positionierte sich beim Europa-Auftakt am Sonntag in Spanien als zweite Kraft. Neuzugang Daniel Ricciardo und Weltmeister Sebastian Vettel fuhren auf die Plätze drei und vier.

Mateschitz im Interview

Mateschitz verfolgte das Rennen vom Dach des Red-Bull-Motorhomes im Fahrerlager, für Ricciardo gab es dort eine herzliche Umarmung. Danach sprach der 69-jährige Milliardär mit der APA – Austria Presse Agentur über die WM-Chancen, die Dominanz der vergangenen Jahre und den Grand Prix von Österreich als möglichen Wendepunkt.

Beide Piloten sind ein starkes Rennen gefahren. Haben sie das Maximum herausgeholt?

Mateschitz: „Im Moment geht es nur um die Plätze zwei und drei. Sebastian ist ein sensationelles Rennen gefahren, er hat alles richtig gemacht. Es war in dieser Saison sein erstes normales Rennen ohne Probleme.“

Ist Ihnen mit Ricciardo ein weiterer Goldgriff gelungen?

Mateschitz: „Wir waren uns sicher, dass er es kann, sonst hätten wir ihn gar nicht geholt. Wie schnell er auf diesem Niveau fahren kann, das war aber für alle überraschend, diese Selbstverständlichkeit, diese Souveränität. Toro Rosso war eine gute Schule. Auch psychologisch ist es ein Unterschied. Daniel sitzt jetzt in einem besseren Auto als im Vorjahr, Sebastian in einem schlechteren. Da tut er sich leichter.“

Die Nummer zwei zu sein, das ist sicher nicht der Anspruch von Red Bull.

Mateschitz: „In den vergangenen viereinhalb Jahren sind wir die Nummer eins gewesen, ohne den Doppeldiffusor 2009 wären es sogar fünf Jahre. Wir waren viermal hintereinander Weltmeister. Dass es nicht immer so weitergeht, war klar.“

Wie gedenken Sie Mercedes einzuholen?

Mateschitz: „Wir haben wieder ein gutes Auto, aber mit dem Antriebsstrang gibt es noch Probleme. Bei den Tests im Winter sind wir noch gar nicht gefahren. Angefangen haben wir mit zwei Sekunden Rückstand, jetzt sind wir bei einer. Es ist alles schon viel besser geworden. Wir versuchen, dass wir diese Entwicklung fortsetzen – mit allen unseren Möglichkeiten.“

Kann man angesichts des Rückstandes noch vom WM-Titel sprechen, oder muss man die Ziele überdenken?

Mateschitz: „Unser erstes Ziel ist es, dass wir wettbewerbsfähig werden, siegfähig. Wenn wir heuer noch wettbewerbsfähig werden, ist es noch aufzuholen. Solange es mathematisch möglich ist, werden wir um die WM kämpfen, auf jeden Fall. Vieles ist aber außerhalb unseres Einflussbereiches. Zum Beispiel, wieviel Nissan in die Motorenentwicklung investiert.“

Was sind die entscheidenden Faktoren für eine mögliche Aufholjagd?

Mateschitz: „Wir hoffen, dass Renault von der Motorenleistung gleichzieht. Das kann schnell gehen. Auch ein neuer Sprit bringt bis zu 20 oder 30 PS. Wir hatten noch nie den stärksten Motor, aber ein gutes Gesamtpaket. Man muss sehen, wie groß der Rückstand in der WM ist, bis wir wettbewerbsfähig sind. Vielleicht kann der Grand Prix von Österreich ein Wendepunkt werden.“

Das Gespräch führte Florian Haselmayer/APA in Montmelo

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  • hellipirelli

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass Renault mit der konventionellen Turbo-Anordnung mit Mercedes gleichziehen kann. Das erfordert eine völlig neue Motorkonstruktion. Dann kann man erst ein Auto um diesen Antrieb bauen, das ein anderes, besseres, weil schlankeres Design haben wird. Dazu fehlt wohl während der Saison die Manpower. Also heißt es wohl auf das nächste Jahr warten. Und da wird mit McLaren Honda ein zusätzlicher Gegner an der Spitze auftauchen. Den Japanern traue ich einiges zu…

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