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Durch den Kampf zwischen Rosberg und Hamilton bleibt die Formel 1 diese Saison wenigstens spannend.
 

Formel 1: „Krieg der Sterne“ bei Mercedes

Die Mercedes-Piloten Lewis Hamilton und Nico Rosberg werden – zumindest diese Saison – keine Freunde mehr – der Rennstall betont aber, das Team stehe nach wie vor an erster Stelle.

26.05.2014 APA

Nico Rosberg ist seit Sonntag der Erste nach Ayrton Senna, der Monaco mit dem gleichen Formel-1-Team zwei Mal in Folge gewonnen hat. Der Deutsche feierte den erhofften Sieg in seiner Wahlheimat mit Champagner in der Fürstenloge, danach Party am Boot sowie Dinner mit Fürst Albert. Rosbergs unverhohlene Freude war aber auch eine Art Kriegserklärung an seinen zweitplatzierten Teamkollegen Lewis Hamilton. Zwischen den beiden Mercedes-Piloten ist jetzt nämlich endgültig Schluss mit lustig.

Mercedes-interner Titelkampf hält Spannung am Leben

Der neuen Hybrid-Formel-1 tut die offensichtlich Eiszeit zwischen den Teamkollegen durchaus gut. Denn die Überlegenheit der Mercedes, die nun alle bisherigen sechs Rennen gewonnen und dabei fünf Doppelsiege in Serie gefeiert haben, beginnt für nachlassendes Interesse zu sorgen. Dazu kam, dass das Rennen auf dem engen Straßenkurs trotz des ganzen Glamours und der pittoresken Szenerie an der Mittelmeerküste diesmal eher kein Straßenfeger war. Der Kampf der beiden überlegenen Silberpfeil-Fahrer um die WM-Führung und wohl auch den Titel 2014 wird hingegen härter und untergriffiger. Rosberg (28) hatte den Auftakt in Australien gewonnen, Hamilton (29) die nächsten vier Rennen in Folge. In Monaco brach der Deutsche den Lauf seines englischen Teamkollegen. „Das“, so der jetzt wieder vier Punkte voran liegende Rosberg, „war auch mein Ziel.“

Bruch zwischen Hamilton uns Rosberg hat Vorgeschichte

Zuletzt hatte Hamilton das Momentum ganz eindeutig auf seiner Seite gehabt. Der offensichtlich gewordene Bruch zwischen den beiden Monaco-Wohnungsnachbarn, die einander seit ihrem 13. Lebensjahr kennen, hat aber bereits eine Vorgeschichte: Mercedes-Aufsichtsratschef Niki Lauda legte in Monaco offen, dass Hamilton beim Sieg in Barcelona sein Motorsetting selbsttätig nach oben gedreht hatte, um Rosberg hinter sich zu halten. Rosberg habe das gleiche bereits in Bahrain getan, konterte Hamilton. Dass der Deutsche im Kampf um die vorentscheidende Monaco-Pole für eine umstrittene Aktion gesorgt hatte, passte ins Bild. „Ich jedenfalls habe in Monaco nur faire Mittel eingesetzt“, meinte Hamilton spitz und lehnte die Entschuldigung Rosbergs ab.

Hamilton macht dicht

Der emotionale Rap-Fan Hamilton und der im Monaco-Luxus groß gewordene Rosberg könnten unterschiedlicher nicht sein. Während Rosberg auch in Monaco betonte, gesprächsbereit bleiben zu wollen, igelte sich der aus einfacheren Verhältnissen kommende Ohrring-Träger Hamilton ein. Kaum Blicke, kein Handshake, bei der Siegerehrung stand er weit abseits. Seine Aussage, dass er sich nun gegenüber Rosberg wie seinerzeit Ayrton Senna gegenüber Alain Prost verhalten wolle, sei ein Scherz gewesen, meinte Hamilton später. Seine Feststellung, der unter Millionären aufgewachsene Rosberg sei nicht so erfolgshungrig wie er selbst, sei aus dem Zusammenhang gerissen worden.

Debriefing ohne Hamilton

Dass Rosberg das Debriefing am Samstag gemacht habe während er selbst am Klo gewesen sei, kommentierte Hamilton aber spitz. „Gut, dass meine Leute aufgeschrieben haben, was er gesagt hat.“ Rosberg wiederum wurde unterstellt, gesagt zu haben, Hamilton würde unter Druck brechen. „So etwas würde ich nie tun“, beteuerte der Deutsche.

Rosberg ist kein „braver Soldat“ mehr

Freundschaft hört sich jedenfalls anders an, aber das sei ohnehin etwas übertrieben dargestellt worden, hieß es nun von beiden Seiten. Rosberg, der in der Mercedes-Anfangszeit einen Michael Schumacher vorgesetzt bekommen und nun den von McLaren gekommenen, schnellen und hyper-ehrgeizigen Hamilton zu bekämpfen hat, will die Chance auf den ersten WM-Titel ergreifen. Die Zeiten, als man ihn als „braven Soldaten“ bezeichnete, dürften wohl vorbei sein.

Mercedes versucht, Emotionen in Schach zu halten

Bei Mercedes haben Motorsportchef Toto Wolff und Lauda nun genug zu tun, die Emotionen herunter zu fahren. Der stets gelassen wirkende Wolff versuchte zu kalmieren. „Die beiden sind wie konkurrierende Teenager. So etwas ist aber irgendwie normal, wenn man um die WM kämpft“, sagte der Wiener. Die erste Aussprache hatte noch in Monaco stattgefunden. Die Fahrer seien keine Schulbuben, er kein Oberlehrer, machte Wolff das Gesprächsklima klar.

Mercedes sieht das Team an erster Stelle

Die Grenzen seien aber klar gesteckt. Eigenhändiges Ändern der Motoreneinstellung werde es nicht mehr geben, betonte Wolff. „Wir werden dafür sorgen, dass das nicht mehr vorkommt.“ Denn bei Mercedes kommt das Team an erster Stelle. Das wurde auch in Monaco klar. Die Zentrale entscheidet, wann die Piloten zum Reifenwechseln kommt. Und dabei hat derzeit das Vorrecht immer der führende Pilot. Sehr zum Ärger von Hamilton, der sich dadurch um die Chance geprellt sah, Rosberg in Monaco zu überholen. „Bei McLaren wäre mir das nicht passiert.“

Rosberg und Hamilton: „nicht glatt schleifen, aber vermitteln“

Man wolle die beiden Fahrer nicht glatt schleifen, aber vermitteln, hieß es bei Mercedes. Lauda hat auch schon einen Plan. Vor dem nächsten Rennen in Kanada will er sich mit den beiden Fahrern zusammensetzen und die Probleme aussortieren. Wahrscheinlicher ist freilich, dass der „Krieg der Sterne“ auch in vier Wochen beim Österreich-Comeback in Spielberg dass Hauptthema ist.

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