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Formel-1-Helme: Schutzengel am Ohr

Bevor der Rennwagen auch nur einen Meter aus der Boxengasse fährt, vertrauen die Piloten ihm ihr Leben an: dem Rennhelm – einer Mischung aus Kampfansage, Werbefläche und Lebensversicherung.

21.05.2015 Press Inform

Die Chance, einen Rennsport-Unfall zu überleben, ist in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen. Der Grund liegt neben dem hochfesten Kohlefasermonocoque moderner Rennwagen insbesondere in den Rennhelmen. Vor allem bei hohen und damit gefährlichen Geschwindigkeiten wie in der Formel 1 spielt die Qualität des Kopfschutzes eine übergeordnete Rolle.

„Ihr habt mir das Leben gerettet, ich danke euch“

Wie dankbar Rennfahrer den Menschen sind, die solch Rennhelme in mühevoller Handarbeit entwickeln und produzieren, ist etwa am medienwirksamen Besuch des Formel-1-Stars Felipe Massa bei seinem Helmhersteller Schuberth in Magdeburg zu erkennen. Sein Helm hielt im Jahr 2009 einem Einschlag einer auf 270 Kilometer pro Stunde beschleunigten Sprungfeder stand, die sich während der Qualifikation für den ungarischen Grand Prix von Rubens Barrichellos Brawn-Mercedes löste. Zum Unfall – an den er sich nicht erinnert – sagte Massa: „Ihr habt mir das Leben gerettet, ich danke euch.“

Felipe Massa auf Besuch bei Schuberth

Wie ist ein Formel-1-Helm aufgebaut?

Neben dem nun für Williams fahrenden Massa vertrauen in dieser Saison noch die Piloten Nico Rosberg, Fernando Alonso, Nico Hülkenberg und Susie Wolff auf das Handwerk aus Magdeburg. Grundsätzlich ist jeder Helm von außen nach innen ähnlich aufgebaut: Außenschale, Innenschale, Komfortpolster, Haltesystem, Visier und auf Wunsch Seitendeckel. Der aktuelle F1-Helm mit dem Namen SF 1 besteht aus bis zu 19 Lagen Kohlefaser und einem Karbon-Aramid-Hybridgewebe, das im Autoklav-Verfahren gepresst wird. Gerade einmal 1,35 Kilo wiegt das neueste Mitglied der Schuberth-Familie, zehn Liter Frischluft pro Sekunde strömen bei einem Tempo von 100 Kilometer pro Stunde in den Helm hinein. Damit das auch klappt, stehen sechs Lufteinlässe am Kopf, zwei am Kinn und zwei am Visier zur Verfügung. Den insgesamt zehn Einlässen stehen sechs Luftauslässe gegenüber. Da die Hersteller von Helmen nicht ständig auf der Rennstrecke ihre Versuche fahren können, verfügen sie heutzutage über hauseigene Windkanalanlagen, in denen im Bereich der Hochleistungsaerodynamik rund um die Uhr geforscht werden kann.

Zusammenarbeit mit Rennsportlern

Neben den eigenen Forschungsergebnissen sind Hersteller wie Schuberth oder Sebastian Vettels Helm-Hersteller Arai auf Rückmeldungen und Vorschläge von Rennsportlern angewiesen. Michael Schumacher gehörte zu den wichtigsten Vorantreibern der Sicherheitsaspekte bei der Helmentwicklung. Marcel Lejeune, Geschäftsführer der Schuberth GmbH, denkt an die erfolgreiche Zusammenarbeit zurück: „Michael Schumacher hat mit seinem großen technischen Sachverständnis und seinen herausragenden analytischen Fähigkeiten wesentlich zur steten Verbesserung unserer Formel 1-Helme beigetragen. Für seine unermüdliche Akribie sind wir ihm sehr dankbar.“

Kimi Räikkönen und sein Helm

Piloten und ihre eigenwilligen Riten

Dass sich durch die enge Beziehung zum Hersteller teilweise skurrile Riten entwickelten, verwundert nicht. Viele Rennfahrer, wie auch Sebastian Vettel oder Lewis Hamilton, haben es sich in den vergangenen Jahren nicht nehmen lassen, nahezu bei jedem Rennen mit einem anderen Helmdesign anzutreten – die alle per Hand aufgetragen wurden. Diesen Spaß hat ihnen die FIA nun wieder ausgetrieben – seit dieser Saison müssen die Formel 1-Piloten das ganze Jahr mit einem einheitlichen Helmdesign fahren. Der simple Grund: Die Fahrer sollen dadurch wieder leichter von außen zu erkennen sein. Ob man das nun als Bevormundung oder Flohzirkus sehen will, sei jedem freigestellt – spätestens bei Tempo 330 wird die Farbgebung des Helms ohnehin zur Nebensache.

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