Formel 1: Heimtriumph von Hamilton in schwierigem Silverstone-Rennen

In der WM nun 17 Punkte vor Mercedes-Teamkollege Rosberg – Vettel dank Regen noch Dritter – Williams nach toller Anfangsphase unbelohnt

05.07.2015 APA
Formel-1-Champion Lewis Hamilton hat am Sonntag seinen Heim-Grand-Prix in Silverstone gewonnen. Der 30-jährige Engländer entschied das turbulente Rennen vor ausverkaufter Kulisse von 140.000 Fans vor seinem Mercedes-Teamkollegen Nico Rosberg für sich, dessen Rückstand auf WM-Spitzenreiter Hamilton damit auf 17 Punkte anwuchs. Ferrari-Star Sebastian Vettel komplettierte das Podium als Dritter.

Ein harter Kampf für Hamilton vor heimischem Publikum

Für Hamilton war es der 38. Sieg seiner Karriere, der fünfte in dieser Saison. Nach 2008 und 2014 – also in seinen Weltmeisterjahren – triumphierte er außerdem zum insgesamt dritten Mal in Silverstone, womit er mit seinen britischen Landsleuten und F1-Idolen Jim Clark (1963, 1965 und 1967) und Nigel Mansell (1987, 1991 und 1992) gleichzog.

„Ich bin überglücklich. Danke fürs Kommen, ihr habt dieses Wochenende zu einem ganz besonderen für mich gemacht. Ich habe euch in jeder Runde in den Kurven gesehen, ihr habt mich zur Höchstleistung angetrieben“, sagte Hamilton bei der Siegerehrung zu den Fans. Rosberg gratulierte seinem Teamkollegen zu einem „perfekten Job“ und sprach von einem „wirklich guten, aber auch anstrengenden Rennen“.

Der spannendste Grand Prix der Saison

In der Tat war der bereits sechste Mercedes-Doppelsieg im neunten Saisonrennen ein hartes Stück Arbeit, denn der Großbritannien-GP bot alles, was sich Formel-1-Fans wünschen. Zunächst raste Felipe Massa mit einem Raketenstart an die Spitze, auch sein Williams Teamkollege Valtteri Bottas lag unmittelbar nach dem Beginn kurzzeitig vor Pole-Setter Hamilton. Und eine Kollision, in die beide McLaren- und Lotus-Boliden verwickelt waren, ließ auch noch sogleich das Safety-Car ausrücken.

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Harter Kampf mit Williams

Nach dem Restart in Runde vier agierte Hamilton dann zu ungestüm und musste auch Bottas passieren lassen. Erst nach dem ersten optimal geplanten und abgewickelten Boxenstopp ging der Mercedes-Star in Führung, während Rosberg vorerst weiter nur Vierter blieb. Mit der Führung im 18. Grand Prix en suite übertraf Hamilton auch die Bestmarke des Schotten Jackie Stewart.

Regen spielte Rosberg und Vettel in die Karten

Nach dem Ausfall von Toro-Rosso-Fahrer Carlos Sainz jr. gab es dann von Runde 32 bis 35 eine virtuelle Safety-Car-Phase, an deren Ende erstmals Regen einsetzte. Dieser spielte Rosberg in die Karten, der die beiden zu vorsichtig fahrenden Williams überholte und sich bis auf zwei Sekunden an Hamilton heranarbeitete. Neun Runden vor Schluss, als es stärker regnete, mussten dann Intermediates aufgezogen werden, wodurch Vettel aufgrund eines ähnlich frühen Stopps wie Hamilton noch auf Platz drei vorgespült wurde und das Williams-Team das Podest verpasste.

Mehr geht bei Red Bull derzeit nicht: Kwjat auf Rang 6

„Ohne Regen wären wir nie aufs Podium gekommen, wir haben den Boxenstopp genau richtig getimt“, betonte Vettel. Für Massa und Bottas blieben deshalb am Ende nur die Ränge vier und fünf. Unmittelbar dahinter landete der Russe Daniil Kwjat im Red Bull auf Platz sechs. „Das ist derzeit das Maximum für uns“, hatte Red-Bull-Motorsporchef Helmut Marko bereits vor dem Rennen erklärt. „Aerodynamisch geht es bei uns in die richtige Richtung, nun hoffen wir noch auf zusätzliche PS“, nahm der 72-jährige Steirer wieder einmal Motorenpartner Renault in die Pflicht.

Wolff: „Makellose Teamleistung“

Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff war dagegen rundum glücklich. „Das waren heute Mega-Emotionen vor so einer Kulisse. Unsere Fahrer haben perfekt funktioniert und sind in einem schwierigen Rennen fehlerlos geblieben. Das war eine makellose Teamleistung“, schwärmte der Wiener. Nur den Start müsse man genau analysieren. „Die Williams sind wie die Raketen weggezogen, obwohl auch sie wie wir wenig Grip hatten“, sagte Wolff und vermutete, dass die ebenfalls von Mercedes-Motoren angetriebenen Williams wohl aufgrund einer besseren Einstellung am Start weniger durchdrehende Räder hatten.

McLaren-Star Fernando Alonso durfte sich als Zehnter über seinen ersten Punkt in dieser Saison freuen, allerdings auch weil es im Rennen sechs Ausfälle – darunter Red-Bull-Mann Daniel Ricciardo und beide Toro-Rosso-Boliden – gab. Dazu musste Sauber-Pilot Felipe Nasr aufgrund eines Getriebeproblems auf eine GP-Teilnahme verzichten. Der Brasilianer war auf dem Weg zur Startaufstellung in der Stowe-Kurve liegen geblieben.

Wieder Rückschlag für Räikkönen im Kampf um Ferrari-Zukunft

Für den früheren Formel-1-Weltmeister Kimi Räikkönen nehmen die Tiefschläge im Rennen um seinen Arbeitsplatz bei Ferrari kein Ende. Nach wochenlanger Kritik musste sich der 35-jährige Finne am Sonntag in Silverstone erneut mit einem enttäuschenden achten Platz begnügen. Bei der Regen-Lotterie verlor der Routinier den Durchblick, holte sich zu früh Intermediate-Reifen und stand am Ende begossen da.

„Wahrscheinlich war ich vier Runden zu früh an der Box“, meinte Räikkönen. Dass Teamkollege Sebastian Vettel mit einer passgenauen Strategie noch auf Platz drei fuhr, machte das Taktik-Debakel für den „Iceman“ nur offensichtlicher. Die Zweifel der Scuderia am Weltmeister von 2007 dürften damit nicht weniger werden.

Die Teamführung hatte zuletzt auch öffentlich den Druck auf Räikkönen erhöht und gute Resultate gefordert. Nur dann darf der Finne auf eine Verlängerung seines mit Saisonende auslaufenden Vertrags hoffen. Räikkönen bemüht sich, die Debatten um seine Zukunft cool zu nehmen. Längst kursieren die Namen möglicher Nachfolger wie Daniel Ricciardo, Max Verstappen, Valtteri Bottas oder Nico Hülkenberg.

F1 Grand Prix of Great Britain

Zitat des Tages – Sebastian Vettel

„Das ist kein Weihnachtsgeschenk. Santa Claus hat mich nicht in die Box gewunken.“ Der deutsche Ferrari-Pilot Sebastian Vettel über seinen etwas glücklichen dritten Platz im verregneten Formel-1-Grand-Prix von Großbritannien, den ihm am Sonntag in Silverstone erst ein rechtzeitiger Boxenstopp beschert hat.

Endstand Großbritannien-GP mit WM-Wertungen

 

1. Lewis Hamilton (GBR) Mercedes 1:31:27,729
Schnitt:

200,868 km/h

2. Nico Rosberg (GER) Mercedes +10,956
3. Sebastian Vettel (GER) Ferrari +25,443
4. Felipe Massa (BRA) Williams +36,839
5. Valtteri Bottas (FIN) Williams +1:03,194
6. Daniil Kwjat (RUS) Red Bull +1:03,955
7. Nico Hülkenberg (GER) Force India +1:18,744
8. Kimi Räikkönen (FIN) Ferrari +1 Runde
9. Sergio Perez (MEX) Force India +1 Runde
10. Fernando Alonso (ESP) McLaren +1 Runde
11. Marcus Ericsson (SWE) Sauber +1 Runde
12. Roberto Merhi (ESP) Manor +3 Runden
13. Will Stevens (GBR) Manor +3 Runden

Ausgeschieden: Jenson Button (GBR) McLaren, Romain Grosjean (FRA) Lotus, Pastor Maldonado (VEN) Lotus, Daniel Ricciardo (AUS) Red Bull, Carlos Sainz jr. (ESP) Toro Rosso, Max Verstappen (NED) Toro Rosso

Nicht am Start: Felipe Nasr (BRA) Sauber (Getriebeschaden)

Schnellste Runde: Lewis Hamilton (GBR) Mercedes 1:37,093 Min. (29. Runde/Schnitt: 218,430 km/h)

WM-Stände nach 9 von 19 Rennen – Fahrerwertung:

 

1. Lewis Hamilton (GBR) Mercedes 194
2. Nico Rosberg (GER) Mercedes 177
3. Sebastian Vettel (GER) Ferrari 135
4. Valtteri Bottas (FIN) Williams 77
5. Kimi Räikkönen (FIN) Ferrari 76
6. Felipe Massa (BRA) Williams 74
7. Daniel Ricciardo (AUS) Red Bull 36
8. Daniil Kwjat (RUS) Red Bull 27
9. Nico Hülkenberg (GER) Force India 24
10. Romain Grosjean (FRA) Lotus 17
11. Felipe Nasr (BRA) Sauber 16
12. Sergio Perez (MEX) Force India 15
13. Pastor Maldonado (VEN) Lotus 12
14. Max Verstappen (NED) Toro Rosso 10
15. Carlos Sainz jr. (ESP) Toro Rosso 9
16. Marcus Ericsson (SWE) Sauber 5
17. Jenson Button (GBR) McLaren 4
18. Fernando Alonso (ESP) McLaren 1

Konstrukteurs-Wertung:

 

1. Mercedes 371
2. Ferrari 211
3. Williams 151
4. Red Bull 63
5. Force India 39
6. Lotus 29
7. Sauber 21
8. Toro Rosso 19
9. McLaren 5

Nächstes Rennen: Grand Prix von Ungarn am 26. Juli in Mogyorod/Budapest.

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