Das Rennen wurde nach der Kollision zwischen Massa und Räikkönen eine Stunde unterbrochen und hinter dem Safety Car neu gestartet.
 

Formel 1: Hamilton gewinnt in Silverstone, Rosberg Out

WM-Führender Rosberg beim GP von Großbritannien nach Getriebeproblemen ausgeschieden – Bottas vor Ricciardo Dritter, Vettel auf Platz 5

07.07.2014 APA

Lewis Hamilton gewann am Sonntag trotz misslungenem Qualifying nach 2008 zum zweiten Mal den Formel-1-Grand-Prix von Großbritannien in Silverstone. Sein Teamkollege, der WM-Führende Nico Rosberg, ist nach Getriebeproblemen ausgeschieden. Für den Mercedes-Piloten aus Deutschland war es der erste Ausfall der laufenden WM. Rosberg rollte mit einem neuerlichen Top-Zwei-Ergebnis vor Augen knapp nach Halbzeit des Rennens wegen technischer Probleme mit seinem Boliden aus. Neben Hamilton, der von Startplatz sechs aus zum Sieg raste, legten auch der zweitplatzierte Finne Valtteri Bottas (Williams/Startplatz 14) und der Dritte Daniel Ricciardo aus Australien (Red Bull/Startplatz acht) tolle Aufholjagden hin.

Rosbergs Vorsprung geschrumpft

Der Vorsprung von Rosberg in der Gesamtwertung auf Hamilton schrumpfte damit auf vier Punkte zusammen. Das nächste Rennen steht in zwei Wochen am 20. Juli auf dem Hockenheimring in Deutschland auf dem Programm. Nach Hamiltons Heimspiel wartet also nun das Heimrennen für Rosberg.

Hamilton glücklich

„Ich habe heute gezeigt, dass man alles schaffen kann, wenn man nicht aufgibt“, freute sich Hamilton, der nach dem Qualifying schwer enttäuscht war und im Rennen eigentlich nur noch Schadensbegrenzung betreiben wollte. „Jetzt sind es nur noch vier Punkte, jetzt ist wieder alles möglich“, meinte der 29-jährige Weltmeister des Jahres 2008.

Rosbergs Probleme begannen in Runde 21

Ein Getriebeschaden stoppte die stolze Serie von Rosberg, der in den ersten acht Rennen des Jahres stets in die Top zwei gefahren war. In Runde 30 rollte der verzweifelte Rosberg mit einem Getriebeschaden aus. „Die Probleme haben sich ab Runde 21 angekündigt. Ich habe alles versucht, um etwas zu retten und mit wenig Risiko als Zweiter ins Ziel zu kommen. Aber es war unmöglich“, sagte Rosberg. „Die Devise heißt nun, weiterhin volle Attacke. Es wird eng in der WM.“

Bottas auf Erfolgskurs

Für Bottas zeigt die Formkurve derzeit steil nach oben. Nach seinem ersten Stockerlplatz als Dritter in Österreich vor zwei Wochen wurde der 24-Jährige nun in England sogar Zweiter. „Jetzt fehlt mir nur noch der Sieg. Aber man muss schon sagen, dass die Mercedes eben ein bisschen schneller als alle anderen sind“, meinte der 24-Jährige.

Beflegelungen zwischen Vettel und Alonso

Ein heißes Match um Platz fünf lieferten einander Vierfachweltmeister Sebastian Vettel und Zweifachchampion Fernando Alonso. Nach mehreren gescheiterten Überholversuchen lagen vor allem bei Vettel die Nerven blank, via Boxenfunk beschwerte sich der deutsche Red-Bull-Pilot lautstark über den Spanier im Ferrari.

Wogen nach Rennende wieder geglättet

Am Ende holte sich Vettel Rang fünf und kurz nach dem Rennen hatte sich das Duo auch bereits wieder beruhigt. „Es war hart an der Grenze, aber auch sehr spannend“, meinte Vettel. „Es hat Spaß gemacht“, sagte auch Alonso, der sich aber gerne noch intensiver zur Wehr gesetzt hätte: „Leider musste ich zum falschen Zeitpunkt Sprit sparen und die Reifen schonen.“

Rennen mit einstündiger Unterbrechung

Der Sieg Hamiltons stand erst zweieinhalb Stunden nach dem Start fest, denn das Rennen war aufgrund eines schweren Unfalls des Ferrari-Piloten Kimi Räikkönen in der ersten Runde für mehr als 60 Minuten unterbrochen. Erstmals seit dem Monaco-Grand-Prix 2000 wurde bereits in Runde eins die „Rote Flagge“ (Rennunterbrechung) gezeigt.

Räikkönen verlor Kontrolle über seinen Ferrari

Der Ferrari kam von der Strecke ab, bei der Rückkehr auf den Asphalt verlor er dann die Kontrolle über sein Auto. Schlimmeres verhinderte der nachkommende Felipe Massa, der mit einer Notbremsung einen schweren Crash mit Räikkönen mit viel Mühe verhinderte. „Das war ganz klar sein eigener Fehler, das war unnötig. Hoffentlich ist ihm nichts passiert“, lautete der Kommentar von Mercedes-Teamaufsichtsratschef Niki Lauda über Räikkönens Abflug.

Räikkönen „im wesentlichen ok“

Räikkönen kam recht glimpflich davon. „Kimi ist im wesentlichen okay“, schrieb Ferrari via Twitter. „Die Prellungen sind auf seinen Knien und seinem Knöchel, und er wird bald wieder zurück sein“, erklärte ein Teamsprecher.

Hamilton schließt mit 27. Sieg zu Jackie Stewart auf

Mit seinem Erfolg beim Grand Prix von Großbritannien hat Lewis Hamilton am Sonntag nach Formel-1-Siegen mit Jackie Stewart gleichgezogen. Der Mercedes-Pilot und der frühere Rennfahrer haben nun jeweils 27 Mal triumphiert.

Internationale Pressestimmen zum Formel-1-Grand-Prix von Großbritannien in Silverstone:

Deutschland:

„Bild“: „Der Kimi-Crash. (…) Eines hat Kimi Räikkönen nach dem Grand Prix von England in Silverstone geschafft. Die Ferraris sorgen mal wieder für Schlagzeilen – wegen eines spektakulären Unfalls nach dem Start.“
„Stuttgarter Nachrichten“: „Lewis Hamilton schlägt zurück.“
„Stuttgarter Zeitung“: „Hamilton rückt Rosberg auf die Pelle.“

Großbritannien:

„Daily Mirror“: „Hamilton rettet uns den Sommer.“
„Daily Mail“: „Heldenhafter Hamilton kämpft, um es nach Hause zu bringen.“
„The Guardian“: „Hamiltons Heimsieg belebt die Weltmeisterschaft neu, nachdem Rosberg zur Aufgabe gezwungen wird.“
„Daily Telegraph“: „Hamilton eilt von Null zum Helden.“

Frankreich:

„Le Parisien“: „Der Sieg des Briten, kombiniert mit dem Ausscheiden des in der Fahrerwertung führenden Nico Rosberg nach Hälfte des Rennens, krempelt den zweiten Teil der Formel-1-WM völlig um.“
„Liberation“: „Lewis Hamilton ändert die Gesamtlage. Am Abend des Großen Preises von Großbritannien hat der Brite Lewis Hamilton das Rennen um den Titel wiederbelebt.“

Spanien:

„El Pais“: „Die überwältigende technische Überlegenheit der Mercedes-Rennwagen hat die meisten Rennställe dazu bewogen, sich bereits auf die WM im nächsten Jahr zu konzentrieren. Hamilton und Rosberg dürften die Einzigen sein, die das noch nicht tun.“
„El Mundo“: „Fernando Alonso und Sebastian Vettel liefern sich ein spannendes Duell aus lauter Lust und Laune. Beide Rennfahrer, die die Formel 1 ein Jahrzehnt lang dominiert hatten, haben die Saison abgehakt. Für sie ging es in Silverstone um nichts mehr, allenfalls um den fünften Platz.“
„Marca“: „Hamilton macht die WM wieder spannend. Der Brite nutzt die erste Panne seines Teamgefährten Rosberg.“

Italien:

„La Gazzetta dello Sport“: „Die WM ist wieder offen. Rosberg zerbricht, Hamilton triumphiert und rückt bis auf vier Punkte heran. Der perfekte Sonntag, von dem Lewis Hamilton und mit ihm ganz England geträumt hatten. Große Angst um Kimi: Für einen Moment ist allen der Atem gestockt.“
„Tuttosport“: „Nico vom Elfmeter zum Eigentor. Alles wieder von vorne. Die Mercedes-WM ist wieder offen.“
„Corriere della Sera“: „Rosberg gestrandet, Hamilton triumphiert. Dieses Mal hält der Mercedes von Nico nicht stand, der bisher unzerstörbar schien.“
„La Repubblica“: „Rosberg mit einer Panne, Hamilton bedankt sich und macht die WM wieder spannend.“
„Corriere dello Sport“: „Rosberg dominiert 28 Runden lang, dann scheidet er aus. Hamilton holt 25 Punkte auf und das Duell bei Mercedes hält die WM am Leben.“

Erfolgreichste Grand Prix-Gewinner aller Zeiten:

1. Michael Schumacher (GER) 91
2. Alain Prost (FRA) 51
3. Ayrton Senna (BRA) 41
4. Sebastian Vettel (GER) 39*
5. Fernando Alonso (ESP) 32*
6. Nigel Mansell (GBR) 31
7. Jackie Stewart (GBR) 27
Lewis Hamilton (GBR) 27*
9. Jim Clark (GBR) 25
Niki Lauda (AUT) 25

* = aktiv

Endstand des Formel-1-Grand-Prix von Großbritannien am Sonntag in Silverstone sowie die WM-Wertungen nach dem neunten von 19 Saisonrennen – 52 Runden zu je 5,891 km, Gesamt 306,198 km:

 1. Lewis Hamilton (GBR)   Mercedes     02:26:52,094
    Durchschnittsgeschw.:  125,835 km/h
 2. Valtteri Bottas (FIN)  Williams          +30,135
 3. Daniel Ricciardo (AUS) Red Bull          +46,495
 4. Jenson Button (GBR)    McLaren           +47,390
 5. Sebastian Vettel (GER) Red Bull          +53,864
 6. Fernando Alonso (ESP)  Ferrari           +59,946
 7. Kevin Magnussen (DEN)  McLaren        +01:02,563
 8. Nico Hülkenberg (GER)  Force India    +01:28,692
 9. Daniil Kwjat (RUS)     Toro Rosso     +01:29,340
10. Jean-Eric Vergne (FRA) Toro Rosso       +1 Runde
11. Sergio Perez (MEX)     Force India      +1 Runde
12. Romain Grosjean (FRA)  Lotus            +1 Runde
13. Adrian Sutil (GER)     Sauber           +1 Runde
14. Jules Bianchi (FRA)    Marussia         +1 Runde
15. Kamui Kobayashi (JPN)  Caterham        +2 Runden
16. Max Chilton (GBR)      Marussia        +2 Runden
17. Pastor Maldonado (VEN) Lotus           +3 Runden

Ausgeschieden: Marcus Ericsson (SWE) Caterham, Esteban Gutierrez (MEX) Sauber, Felipe Massa (BRA) Williams, Nico Rosberg (GER) Mercedes, Kimi Räikkönen (FIN) Ferrari

Schnellste Runde: Lewis Hamilton (GBR) Mercedes, 26. Runde, 1:37,176 Min., Durchschnittsgeschwindigkeit: 218,240 km/h

Pole Position: Nico Rosberg (GER) Mercedes 1:35,766 Min.

WM-Stand (nach 9 von 19 Rennen):

 1. Nico Rosberg (GER)     Mercedes    165
 2. Lewis Hamilton (GBR)   Mercedes    161
 3. Daniel Ricciardo (AUS) Red Bull     98
 4. Fernando Alonso (ESP)  Ferrari      87
 5. Valtteri Bottas (FIN)  Williams     73
 6. Sebastian Vettel (GER) Red Bull     70
 7. Nico Hülkenberg (GER)  Force India  63
 8. Jenson Button (GBR)    McLaren      55
 9. Kevin Magnussen (DEN)  McLaren      35
10. Felipe Massa (BRA)     Williams     30
11. Sergio Perez (MEX)     Force India  28
12. Kimi Räikkönen (FIN)   Ferrari      19
13. Jean-Eric Vergne (FRA) Toro Rosso    9
14. Romain Grosjean (FRA)  Lotus         8
15. Daniil Kwjat (RUS)     Toro Rosso    6
16. Jules Bianchi (FRA)    Marussia      2

Konstrukteurs-WM (nach 9 von 19 Rennen):

1. Mercedes    326
2. Red Bull    168
3. Ferrari     106
4. Williams    103
5. Force India  91
6. McLaren      90
7. Toro Rosso   15
8. Lotus         8
9. Marussia      2

Nächstes Rennen: Grand Prix von Deutschland am 20. Juli auf dem Hockenheimring

  • ernst schmid

    bei vettel fehlt es an menschlicher intelligenz
    ein scheinbar netter kerl im erfolg – aber wehe es läuft nicht wie er es gern hätte – knallharte manöver ,aber wenn die anderen sich wehren jammern ! der mann hat null selbstkritik und kann nicht einstecken . von anderen hat er das
    immer als selbstverständlich verlangt (webber)

  • ernst schmid

    bei vettel fehlt es an menschlicher intelligenz
    ein scheinbar netter kerl im erfolg – aber wehe es läuft nicht wie er es gern hätte – knallhart manöver ,aber wenn die anderen sich wehren jammern ! der mann hat null selbstkritik und kann nicht einstecken . von anderen hat das
    immer als selbstverständlich verlangt (webber)

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