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Gerhard Gribkowsky prahlte mit seiner guten Beziehung zu Bernie Ecclestone.
 

Formel 1: Gribkowsky sah sich als Ecclestones Ziehsohn

Einem Ex-Mitarbeiter zufolge wollte der ehemalige BayernLB-Vorstand Formel 1-Boss werden – Ecclestone amüsiert über Schilderungen

27.05.2014 APA

Schilderungen eines Ex-Mitarbeiters zufolge habe Gerhard Gribkowsky beim Verkauf der Formel-1-Mehrheit von einer Karriere als Chef der Rennserie geträumt. Als Zeuge im Bestechungsprozess gegen Formel-1-Chef Bernie Ecclestone erzählte der BayernLB-Mitarbeiter von einem peinlichen Abendessen, bei dem Gribkowsky mit seinem engen Verhältnis zu Ecclestone angegeben habe.

Zeuge: Gribkowsky wollte Nachfolger Ecclestones werden

„Er hat schwadroniert, dass er sich mit Bernie wahnsinnig gut verstünde“, sagte der Zeuge am Dienstag in München vor Gericht. Wörtlich soll der frühere Bankvorstand Gribkowsky bei dem Dinner in London gesagt haben: „Ich habe fast das Gefühl, er sieht mich als Ziehsohn und will mich als Nachfolger aufbauen für die Formel 1.“ Daraus ist aber bekanntlich nichts geworden: Gribkowsky sitzt seit Jahren im Gefängnis, weil der Deutsche beim Verkauf der Formel-1-Mehrheit 44 Millionen Dollar von Ecclestone angenommen und nicht versteuert hat.

Ecclestone amüsiert über Gribkowskys Prahlereien

Ob es sich bei dem Geld um Bestechungsgeld handelte, wollen die Richter im seit einem Monat laufenden Prozess gegen Ecclestone klären. Laut Anklage soll der Formel-1-Macher das Geld gezahlt haben, um Einfluss auf die Auswahl des Käufers der Rennserie zu nehmen und damit seine Macht zu sichern. Ecclestone hat den Vorwurf der Bestechung zurückgewiesen und von einer Bedrohung durch Gribkowsky gesprochen. Er verfolgte die Schilderungen des Zeugen über Gribkowskys Träume von einer Karriere als Mr. Formel 1 sichtlich amüsiert.

Mitarbeiter: Gribkowsky habe häufig Märchen erzählt

Der Landesbank-Mitarbeiter hat Gribkowsky aber nicht immer ganz ernst genommen. Schließlich habe der Vorstand damals auch erzählt, dass ihm Ecclestone einmal einen Koffer mit 20 Millionen Dollar hingestellt habe, den er aber nicht angenommen habe. Der BayernLB-Mitarbeiter tat dies als Märchen ab: „Herr Dr. Gribkowsky hatte manchmal so Tage, wo er solche Dinge erzählt hat. Das waren dann so Tage, wo ich abgeschaltet habe.“ Nach der Ziehsohn-Geschichte habe er sich sogar für seinen Chef geschämt. „Es gibt ja den Begriff des Fremdschämens“, sagte er dem Richter Peter Noll, der das Wort gleich lächelnd wiederholte. Nach einer früheren Aussage des Zeugen über den Koffer mit 20 Millionen hatte Noll ohnehin bereits ausrechnen lassen, ob so viele Dollar-Scheine überhaupt in einen kleinen Koffer passten – und das Ergebnis war negativ.

Terminkalender von Gribkowskys Sekretärin untersucht

Um die Treffen zwischen Ecclestone und Gribkowsky nachzuvollziehen, nahm der Richter auch alte Terminkalender von Gribkowskys ehemaliger Sekretärin unter die Lupe. Darin war unter anderem eine Reise in Ecclestones Privatjet von München nach Ungarn eingetragen. Aber auch bei der BayernLB musste der Vorstand nicht darben: Für seine Dienstfahrten stand ihm nach Angaben der Sekretärin ein Chauffeur mit Waffenschein zur Verfügung.

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