F1 Grand Prix of Malaysia
 

Vettel siegt in Sepang

Dieser Sieg wird Vettel bis zum Lebensende im Gedächtnis bleiben. Mercedes zum ersten Mal seit 24. August geschlagen.

29.03.2015 APA

Sebastian Vettel hat seinem neuen Team Ferrari einen Traumstart in die Formel-1-Saison beschert. Der 27-jährige Deutsche, vor zwei Wochen in Melbourne bei seinem Debüt für die Scuderia aus Maranello bereits Dritter, gewann am Sonntag in Sepang den zweiten WM-Lauf klar vor den Mercedes-Piloten Lewis Hamilton und Nico Rosberg und sorgte für den ersten Ferrari-Triumph seit dem 12. Mai 2013.

Damals hatte noch der nunmehrige McLaren-Fahrer Fernando Alonso in seinem Heimrennen in Montmelo/Barcelona für die „Roten“ gesiegt. Dem Spanier war es aber in fünf Jahren nicht gelungen, den ersten Ferrari-Titel seit Kimi Räikkönen (2007) zu erobern. Deswegen wurde am Ende der Vorsaison Vettel anstelle von Alonso engagiert. Und der jüngste Vierfach-Champion der F1-Geschichte scheint der goldrichtige Mann für diese Aufgabe sein.

Mission ist den Titel zu holen

„Die Mission ist, den Titel nach Maranello zurückzubringen. Aber wir müssen jetzt in kleineren Schritten denken, auch wenn wir heute einen großartigen Job gemacht haben. Schauen wir, wo das alles enden wird“, lautete der trotz aller Freude doch zurückhaltende Kommentar von Vettel, der nach seinem insgesamt 40. Grand-Prix-Erfolg in der WM nur noch drei Zähler hinter Titelverteidiger und Australien-Sieger Hamilton liegt.

„Das ist ein bewegender Moment für mich. Ich bin sehr stolz, was wir in so kurzer Zeit erreicht haben, wir haben ein großartiges Auto“, betonte Vettel nach seinem ersten Sieg seit dem WM-Finale am 24. November 2013 in Brasilien. „Ich habe als Kind davon geträumt, einmal für Ferrari zu fahren. Und jetzt stehe ich schon nach meinem zweiten Rennen für Ferrari als Grand-Prix-Sieger da. Das wird mir bis zum Lebensende im Gedächtnis bleiben.“

Lauda: „Ferrari war schneller und besser“

Dank perfekter Reifenstrategie und einem fehlerlosen Rennen durfte der ehemalige Red-Bull-Pilot, der im Vorjahr in seiner sechsten und letzten Saison für das österreichisch-britische Team erstmals sieglos geblieben war, nach 16 Monaten Pause wieder jubeln. Während der führende Pole-Setter Hamilton und Rosberg in der frühen Safety-Car-Phase in Runde vier nach dem Ausfall von Sauber-Pilot Marcus Ericsson an die Box zum Reifenwechsel fuhren, blieb Vettel auf der Strecke und kam so im Gegensatz zu den Mercedes-Fahrern mit nur zwei Stopps aus und raste einem ungefährdeten Sieg entgegen.

Im Finish zog er auch noch am Ex-Teamkollegen Daniel Ricciardo vorbei, der unmittelbar hinter seinem ebenfalls überrundeten Red-Bull-Stallgefährten Daniil Kwjat aus Russland nur Zehnter wurde. „Unsere Strategie war perfekt, wir haben alles richtig gemacht“, lobte Vettel sein Team, das Mercedes die erste Niederlage seit dem 24. August des Vorjahres, als der Australier Ricciardo in Belgien gewann, zufügte und den 222. GP-Sieg feierte.

Laut Niki Lauda hätte für Mercedes auch eine andere Taktik nicht zum Erfolg geführt. „Ich denke nicht, dass wir das Rennen mit der Ferrari-Strategie hätten gewinnen können. Ich denke, dass das Auto und der Motor von Ferrari und Sebastian schneller und besser waren. Wir müssen vor ihnen unseren Hut ziehen und hart arbeiten“, sagte Lauda.

Mercedes: “ absolut verdienter Sieg für Ferrari“

„Man musste heute die richtigen Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt treffen, dann geht es so gut aus“, erklärte Maurizio Arrivabene, der erst seit November als Ferrari-Teamchef fungiert. Der 58-Jährige gratulierte aber auch Räikkönen, dem kurz nach dem Start von Sauber-Pilot Felipe Nasr bei einer Berührung ein Hinterreifen aufgeschlitzt worden war. Trotzdem schaffte es der Finne im zweiten Ferrari noch auf Platz vier. „Das war eine fantastische Leistung von Kimi mit so viel Pech im Rennen. Wir haben 1.000 Mitarbeiter in Maranello, ich bin froh und dankbar für alle“, betonte Arrivabene.

Der neue Ferrari-Chef Sergio Marchionne war ebenfalls voll des Lobes: „Kompliment an Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen für ein sensationelles Rennen. Ich freue mich für alle Fans, die seit zu langer Zeit auf so einen Tag gewartet haben. Forza Ferrari!“

Mercedes zeigte sich in der Stunde der Niederlage als fairer Verlierer. „Das war ein absolut verdienter Sieg für Ferrari, so bitter das ist für uns. Es war aber auch ein guter Weckruf, dass man nicht nachlassen darf. Wir waren heute einfach nicht schnell genug“, analysierte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff nüchtern. Bereits vor dem Team-Meeting mit seinen Piloten gab der Wiener folgende Parole aus: „Wir müssen den Kopf tief halten, weiter arbeiten und Gas geben.“

Weltmeister Hamilton kam zu einem ähnlichen Schluss: „Ich muss Ferrari und Sebastian gratulieren, sie haben einen großartigen Job gemacht. Wir müssen uns jetzt zusammensetzen und besprechen, was wir falsch gemacht haben, damit uns das im nächsten Rennen in zwei Wochen in Shanghai nicht mehr passiert“, forderte der 30-jährige Engländer.

Vizeweltmeister Rosberg, der als WM-Dritter zehn Punkte Rückstand auf seinen Teamkollegen hat, glaubte, den Grund für die Niederlage bereits zu kennen. „Ferrari hat das mit den Reifen besser gelöst als wir“, meinte der 29-jährige Deutsche. Gleichzeitig kündigte Rosberg an: „Wir werden zurückschlagen. Das werden wir uns nicht gefallen lassen.“

Fragen an Vettel nach seinem Debütsieg für Ferrari unmittelbar nach dem Rennen:

Frage: Was bedeutet dieser erste Sieg mit Ferrari für Sie?

Vettel: „Das ist ein phänomenaler Tag, das ist etwas ganz Besonderes. Ich bin unglaublich stolz. Da wird nicht nur ein Traum wahr, da werden mehrere Kindheitsträume wahr. Als ich in Maranello (Ferrari-Firmensitz, Anm.) erstmals durch die Türen gegangen bin, war das ein besonderes Gefühl. Da wurde ein Kindheitstraum wahr. Wenn man hier in die Augen der Mechaniker gesehen hat, war das bewegend. Ich grüße Heppenheim, ich grüße meine Familie, besonders die Kleine. Heute ist ein ganz besonderer Tag. Grazie a Italia.“

Frage: Welchen Stellenwert hat dieser Erfolg beim Großen Preis von Malaysia im Vergleich mit ihren anderen Triumphen?

Vettel: „2008 mein erster Grand-Prix-Sieg mit Toro Rosso in Monza war einzigartig. 2009 der erste Sieg mit Red Bull in China war ebenfalls einzigartig. Der erste Titel-Gewinn 2010 natürlich auch. Aber dieser Sieg hier ist etwas ganz Besonderes. Michael (Schumacher) war mein Idol. Ich habe miterlebt, wie Michael und Fernando (Alonso) mit Ferrari gefeiert haben. Ich verstehe wahrscheinlich noch nicht ganz, wie emotional das ist. Letztes Jahr war nicht gut für mich. Ich bin stolz, die Mercedes-Jungs geschlagen zu haben. Sie waren sehr stark.“

Frage: Sind Sie überrascht, dass es mit Ihrem ersten Ferrari-Sieg schon im zweiten Saisonlauf geklappt hat?

Vettel: „Ich habe nicht erwartet, so früh zu gewinnen. Aber Kimi (Räikkönen) und ich hatten ein gutes Gefühl vom ersten Tag an. Ein Schlüssel war, auf die Reifen zu achten. Wir hatten eine tolle Strategie und eine tolle Pace. Mercedes hat mehr mit der Hitze gekämpft als wir. Der Sieg kam etwas überraschend. Wir müssen das in den nächsten Rennen bestätigen.“

Frage: Ist Ferrari nun schon auf einem Niveau wie Mercedes oder wie groß ist der Abstand noch?

Vettel: „Die nächsten Rennen werden komplett anders. Mercedes setzt nach wie vor die Pace. Ich hoffe natürlich, dass ich die WM gewinnen kann. Das ist unser Ziel. Aber heute muss man den Tag genießen.“

Max Verstappen holte als jüngster Pilot WM-Punkte

Max Verstappen ist seit Sonntag der jüngste Pilot der Formel-1-Geschichte, der WM-Punkte erobert hat. Der Niederländer beendete den Grand Prix von Malaysia in Sepang im Alter von 17 Jahren und 180 Tagen auf Platz sieben und holte damit sechs Zähler. Bisheriger Rekordhalter war der Russe Daniil Kwjat, der im Vorjahr als Noch-19-Jähriger in Australien ebenfalls im Toro Rosso Achter geworden war.

„Ich habe das genossen. Ich bin sehr glücklich über meine ersten Punkte. Das ist ein großer Schub für das Team“, betonte Verstappen und dankte seinem Rennstall für die „großartige Arbeit, die man nicht besser erledigen hätte können“. Als er im Vorjahr als Noch-16-Jähriger von Torro Rosso verpflichtet worden war, war noch eine heiße Diskussion über „Kinder“ in der Motorsport-Königsklasse entbrannt.

Inzwischen hat der Sohn von Jos Verstappen, dem ehemaligen Teamkollegen des deutschen Rekordweltmeister Michael Schumacher, aber allen gezeigt, dass er zurecht in der Formel 1 fahren darf, auch wenn er noch keinen Führerschein besitzt. Beim Auftakt in Australien bremste ihn noch ein technischer Defekt. In Malaysia behielt Verstappen trotz 34 Grad Celsius einen kühlen Kopf und lieferte eine perfekte Vorstellung ab.

Unmittelbar hinter ihm landete sein Teamkollege Carlos Sainz jr. auf Platz acht und sprach sogar von einem „Mega-Tag“. „Eine Zwei-Stop-Strategie auf einem Kurs wie Sepang ist nie einfach, aber sie hat sich bezahlt gemacht“, erklärte der nur von Platz 15 ins Rennen gestartete Spanier.

Teamchef Franz Tost war ebenfalls überglücklich. „Hier in Malaysia Siebenter und Achter zu werden, das ist ein großer Erfolg für das Team und die Fahrer, wenn man bedenkt, dass beide Ferrari, Mercedes und Williams ohne Probleme durchgekommen sind. Das ist das beste Ergebnis, dass wir in so einem Fall erreichen können“, sagte der 59-jährige Tiroler, dessen Rennstall nun in der Konstrukteurs-Wertung mit zwölf Zählern sogar einen Punkt vor dem großen Schwestern-Team liegt.

Dementsprechend enttäuscht war man beim ehemaligen Serien-Weltmeister Red Bull Racing, für den mit einer Runde Rückstand auf Sieger Sebastian Vettel nur die Ränge neun und zehn in Malaysia herausschauten. „Das war heute das Maximum für uns. Es fehlt uns einiges an Geschwindigkeit“, gestand Kwjat, der unmittelbar vor seinem australischen Teamkollegen Daniel Ricciardo ins Ziel gefahren war, mit Verweis auf die schwachen Renault-Motoren. „Um die Ränge neun und zehn zu kämpfen, das ist nicht, was wir wollen.“ Und Ricciardo sprach nach Platz zehn von einem „wirklich frustrierenden Rennen“.

Noch schlimmer erging es McLaren, das seit heuer wieder mit Honda als Motoren-Partner kooperiert. Sowohl Fernando Alonso, der den WM-Auftakt vor zwei Wochen in Australien wegen den Folgen einer Gehirnerschütterung verpasst hatte, als auch Jenson Button fielen aus, womit erstmals seit dem USA-Grand-Prix 2006 kein McLaren in die Wertung kam.

Endstand Malaysia-Grand Prix mit WM-Wertungen

1. Sebastian Vettel (GER) Ferrari 1:41:05,793 Schnitt: 184,224 km/h
2. Lewis Hamilton (GBR) Mercedes +8,569
3. Nico Rosberg (GER) Mercedes +12,310
4. Kimi Räikkönen (FIN) Ferrari +53,822
5. Valtteri Bottas (FIN) Williams +1:10,409
6. Felipe Massa (BRA) Williams +1:13,586
7. Max Verstappen (NED) Toro Rosso +1:39,065
8. Carlos Sainz jr. (ESP) Toro Rosso +1 Runde
9. Daniil Kwjat (RUS) Red Bull +1 Runde
10. Daniel Ricciardo (AUS) Red Bull +1 Runde
11. Romain Grosjean (FRA) Lotus +1 Runde
12. Felipe Nasr (BRA) Sauber +1 Runde
13. Sergio Perez (MEX) Force India +1 Runde
14. Nico Hülkenberg (GER) Force India +1 Runde
15. Roberto Merhi (ESP) Manor +3 Runden

Ausgeschieden: Fernando Alonso (ESP) McLaren, Jenson Button (GBR) McLaren, Marcus Ericsson (SWE) Sauber, Pastor Maldonado (VEN) Lotus

Nicht am Start: Will Stevens (GBR) Manor (Probleme mit Benzindruck)

Schnellste Runde: Nico Rosberg (GER) Mercedes 1:42,062 Min. (43. Runde/Schnitt: 195,516 km/h)

WM-Stände nach nach 2 von 19 Rennen – Fahrerwertung:

1. Lewis Hamilton (GBR) Mercedes 43
2. Sebastian Vettel (GER) Ferrari 40
3. Nico Rosberg (GER) Mercedes 33
4. Felipe Massa (BRA) Williams 20
5. Kimi Räikkönen (FIN) Ferrari 12
6. Felipe Nasr (BRA) Sauber 10
7. Valtteri Bottas (FIN) Williams 10
8. Daniel Ricciardo (AUS) Red Bull 9
9. Nico Hülkenberg (GER) Force India 6
10. Max Verstappen (NED) Toro Rosso 6
11. Carlos Sainz jr. (ESP) Toro Rosso 6
12. Marcus Ericsson (SWE) Sauber 4
13. Daniil Kwjat (RUS) Red Bull 2
14. Sergio Perez (MEX) Force India 1

Konstrukteurs-WM:

1. Mercedes 76
2. Ferrari 52
3. Williams 30
4. Sauber 14
5. Toro Rosso 12
6. Red Bull 11
7. Force India 7

Nächstes Rennen: Grand Prix von China am 12. April in Shanghai.

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