toto wolff
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Formel 1: Für Wolff ist Spielberg Heimkehr

In Spielberg träumte der Wiener einst von Rennfahrer-Karriere. Heute ist er „Chefdirigent“ des aktuell besten Formel-1-Orchesters.

16.06.2014 APA

Immer wenn Torger Christian „Toto“ Wolff zum neuen Red Bull Ring abbiegt, wird er emotional. Auf dieser Rennstrecke hat der Wiener einst als Fahr-Instruktor gearbeitet und an seiner eigenen Rennfahrerkarriere gebastelt. Mit 42 Jahren ist Wolff ein erfolgreicher Investor sowie Motorsportchef bei Mercedes, das im Jahr der Formel-1-Rückkehr nach Österreich die dominierende Marke ist.

„Kapellmeistergefühle“

„Kapellmeistergefühle“ hat der Österreicher, der zusammen mit Niki Lada quasi Chefdirigent des derzeit erfolgreichsten Formel-1-Orchesters ist, aber ebenso keine wie Gefühle der Genugtuung, weil man am 22. Juni als Leader ausgerechnet auf der vom Erzrivalen Red Bull übernommenen Strecke fährt. Vielmehr will Wolff 80 Jahre nach der Geburt der legendären Silberpfeile zeigen, dass die erste Saisonniederlage zuletzt in Kanada nach sechs Siegen in Folge ein einmaliger Ausrutscher war.

Mit Lauda und Wolff ist bei Mercedes zweifelsohne der Erfolg eingekehrt.

Auf die Formel-1-Rückkehr im Jahr 2010 folgten für die Traditions-Marke „schmerzvolle“ Jahre, in denen man trotz Rekordweltmeister Michael Schumacher als Pilot vergeblich den Siegen nachjagte. Auf die Regel- und Technikänderungen im Jahr 2014 hat man sich in Brackley (Auto) und Brixworth (Antrieb) aber perfekt vorbereitet. Sieben Poles, sechs Siege und fünf Doppelerfolge in sieben Rennen sprechen für sich.

Wolff, der Rennfahrer

Es sind die Ergebnisse einer akribischen Vorbereitung, in der Stehenbleiben verboten ist. „In der Formel 1 darf man nichts als selbstverständlich nehmen“, sagt Wolff, der einst selbst in der Rallye-Szene als österreichischer Vizemeister sowie auf der Rundstrecke eine Rennfahrerkarriere anstrebte und vor allem mit seinen Nürburgring-Abenteuern für Aufsehen sorgte.

Wolff, der Investor

Deutlich erfolgreicher war Wolff aber als Investor. Heute ist er bei Mercedes ebenso Anteilshaber wie beim Williams-Team, bei dem seine Ehefrau Susie als Entwicklungsfahrerin engagiert ist. Nach Spielberg kehrt der Österreicher immer wieder gerne zurück. „Hier bin ich mein erstes Rennen gefahren und habe als Fahrlehrer in der Lechner-Racing-School gearbeitet. Ich habe am Bauernhof an der Strecke gelebt und von einer großen Rennfahrerkarriere geträumt“, erinnert sich Wolff.

„Begeisterung für Formel 1 in traditionellen Länder nach wie vor da“

Wolff ist überzeugt, dass Österreich trotz gleichzeitiger Fußball-WM in der Grand-Prix-Woche der Nabel der Welt sein wird. „Das Haus ist ausverkauft. Das zeigt, dass in den traditionellen Ländern die Begeisterung für die Formel 1 nach wie vor da ist“, freut er sich. „Vor allem darauf, dass wir ein paar Tage dort verbringen können und den österreichischen Fans zeigen können, was die Formel 1 heute kann und macht.“ Insgesamt, so Wolff, „wird das aber ein Wochenende eher auf der stressigeren Seite“.

Österreicher mit Führungsrollen im Motorsport

Wolff ist nur einer von bemerkenswert vielen Österreichern, die in den ganz großen Motorsportligen dieser Welt Führungsrollen spielen. Neben Wolff und dem dreifachen Weltmeister Lauda bei Mercedes ist dies vor allem der eklatant hohe Österreich-Faktor des Weltmeisterteams Red Bull Racing, das Dietrich Mateschitz ebenso gehört wie Toro Rosso.

Bei RBR hat mit dem ehemaligen Le-Mans-Sieger Helmut Marko als einem von drei Direktoren das Heft in der Hand, bei Toro Rosso der Salzburger Franz Tost als Teamchef. Diese Rolle übt beim schweizerischen Sauber-F1-Team die ebenfalls aus Wien stammende Monisha Kaltenborn aus. In der Langstrecken-Szene und damit dieses Wochenende in Le Mans sind Wolfgang Ulrich (Audi) und Fritz Enzinger (Porsche) für die beiden Marken des VW-Konzerns an vorderster Motorsportfront tätig.

Weitere Links zur Formel 1 in Österreich:

Das Programm zum Formel-1-Wochenende in Spielberg.

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