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Ricciardo fährt dem vierfachen Weltmeister Vettel heuer davon. In Kanada feierte er seinen ersten GP-Sieg. © Mark Thompson/Getty Images
 

Formel 1: Berger hält Ricciardo für einen kommenden Weltmeister

Australier bei Red Bull im Moment trotz Vettel „das Maß der Dinge“. Mercedes in Spielberg aber kaum zu gefährden.

17.06.2014 APA

Er ist die Entdeckung der Formel-1-Saison. Selbst den vierfachen Weltmeister Sebastian Vettel hat Red-Bull-Neuzugang Daniel Ricciardo bisher im Griff. Ex-Pilot Gerhard Berger traut dem 24-jährigen Australier über kurz oder lang auch den WM-Titel zu. „Er hat in dieser Saison noch keinen Fehler gemacht“, betonte der Tiroler vor dem Grand Prix von Österreich kommende Woche in Spielberg.

Ohne technische Probleme ist Mercedes nicht zu stoppen

In Kanada wurde Ricciardo zuletzt mit dem ersten GP-Sieg seiner Karriere belohnt. Die Generalprobe für das Red-Bull-Heimrennen könnte aber eine Ausnahme gewesen sein. Die Vollgas-Strecke in der Steiermark komme den bisher dominanten Mercedes besonders entgegen – wegen deren PS-Vorteil und gutem Spritverbrauch. Berger: „Ich glaube nicht, dass ohne technische Probleme jemand Mercedes ernsthaft gefährden kann.“

Ricciardo ist Maß der Dinge bei Red Bull

Technische Probleme der Silberpfeile haben Ricciardo aber auch in Montreal den Premierentriumph ermöglicht. „Das ist ein neuer Star. Wenn das Auto irgendwann passt, kann er auch Weltmeister werden“, meinte Berger. „Wir wissen, wie schnell und gut Vettel ist, vierfacher Weltmeister. Ricciardo ist in dem Team aber im Moment das Maß der Dinge – und das auf sehr sympathische Art und Weise.“

Ohne Disqualifikation in Melbourne wäre Ricciardo nur knapp hinter Hamilton

Im Qualifying-Duell steht es 5:2 für den Australier, zudem hat er Berger mit seiner Nervenstärke überzeugt. „Wenn Ricciardo am Anfang der Saison keine Strafen kassiert hätte, wäre er in der WM nur knapp hinter Lewis Hamilton“, erinnerte der Österreicher. Für seine Disqualifikation nach Rang zwei im Heimrennen in Melbourne konnte der Youngster ebenso wenig wie für sein Aus nach Zwischenrang vier in Malaysia.

„Sebastian hat Haare auf den Zähnen“

39 Punkte fehlen Ricciardo als WM-Drittem auf Hamilton, 61 auf dessen Mercedes-Teamkollegen und Spitzenreiter Nico Rosberg. Vettel liegt weitere 19 Zähler zurück auf Rang fünf. „Sebastian kann sich über einen dritten Platz nicht groß freuen, Ricciardo freut sich über alles – das ist einfach eine andere Ausgangsposition“, sagte Berger. „Aber Sebastian hat Haare auf den Zähnen, er bekommt das schon wieder hin.“

Derzeit kann man noch nicht von einem WM-Favoriten sprechen

Auch der im Mercedes-Stallduell durch seinen zweiten Ausfall leicht in Bedrängnis geratene Hamilton werde zurückschlagen. „Lewis ist im Moment wahrscheinlich der Schnellste in der Formel 1“, meinte Berger. „Aber ich traue Nico mehr Ausdauer und mehr Detailarbeit zu. Das Durchhaltevermögen und die Cleverness von Nico sprechen für ihn.“ Einen WM-Favoriten gebe es daher noch nicht.

Lauda hat Stallkrieg im Griff

Die Rivalität der beiden langjährigen Freunde werde immer wieder „hochkochen“. Dass sie bisher nicht ausgeartet sei, sei laut Berger auch Mercedes-Teamaufsichtsrat Niki Lauda zu verdanken. „Mit ihm haben sie das ideale Management für solche Krisenherde“, meinte der zehnfache GP-Sieger. „Niki ist ein sehr geradliniger Typ. Er kennt alle Psychospielchen, alle Mätzchen und alle Tricks aus eigener Erfahrung. Da macht ihm niemand etwas vor.“

GP Österreich: Red Bull Ring spielt Mercedes in die Hände

Die Mercedes-Konkurrenz hat zuletzt aufgeholt, auch Ferrari. „Es wird enger, aber der Vorsprung ist immer noch sehr groß“, versicherte Berger. Das PS-Handicap von Red Bull wiege auf dem eigenen Ring besonders schwer. „Die Formel 1 dreht sich aber sehr schnell. Wenn (Motorenpartner) Renault halbwegs die Füße auf den Boden kommt, werden sie schnell wieder dabei sein.“

Ein Traum, wieder einen Grand Prix zu haben

Für das Heimrennen könnte das zwar zu spät sein, Berger freut sich dennoch auf ein Spektakel. „Nach einer gewissen Durststrecke ist es ein Traum, wieder einen Grand Prix zu haben“, erklärte der 54-Jährige. „Red Bull ist ein Segen für den Motorsport in Österreich. Ohne sie hätten wir schon viel mehr Abstand zur Formel-1-Szene.“

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