© Bild: VALDRIN XHEMAJ / EPA / picturedesk.com
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Formel 1: Interview mit Daniel Ricciardo

Vor den Grand Prix in Spielberg spricht der Red Bull-Shootingstar über seine Karriere, Österreich und die Beziehung zu Teamkollegen Vettel.

18.06.2014 APA

Mit seiner gewinnenden Art hat Daniel Ricciardo die Formel 1 im Sturm erobert. Der Red-Bull-Pilot ist der Shooting-Star der Saison: Nach einem zweiten Platz bei seinem ersten Rennen für Red Bull beim Grand Prix von Australien (und anschließender Disqualifikation) bewies der Australier vor zwei Wochen mit seinem Premierensieg in Kanada, wie viel in ihm steckt. Vor dem Comeback des Grand Prix von Österreich sprach der 24-jährige mit der APA – Austria Presse Agentur über sein teaminternes Duell mit Weltmeister Sebastian Vettel, sein Streben nach einem WM-Titel und darüber, was selbst ihn aus der Ruhe bringt.

APA: Nach allem, was in den vergangenen Wochen passiert ist: Haben Sie Angst, dass Sie jemand zwickt und Sie plötzlich aufwachen?

Ricciardo (lacht): „Hoffentlich nicht. Es fühlt sich jetzt real an. Es war ein verrückter Sonntag in Montreal. Das war der beste Tag meines Lebens. Ich bin noch immer ein bisschen aufgezuckert davon. Trotzdem bin ich gut vorbereitet auf dieses Wochenende in Österreich.“

APA: Sie kommen mit viel Rückenwind nach Spielberg. Fühlen Sie sich bereits ein bisschen wie ein Liebling der Heimfans? Es ist ja nicht der Grand Prix von Australien.

Ricciardo: „Seb (Vettel, Anm.) und ich werden hier sehr, sehr viel Unterstützung bekommen. Wir müssen diesen Druck für uns nutzen und in einen Vorteil umwandeln. Es wird aufregend. Weil die Rundenzeit kurz ist, vielleicht 1:11 Minuten, wird es im Qualifying sehr eng werden. Da gibt es keinen Raum für Fehler.“

APA: Die Formel 1 schätzt Sie für Ihre positive, offene Art. Gibt es irgendetwas, das Daniel Ricciardo das Lachen verderben kann?

Ricciardo (lacht): „Ja, ich, wenn ich nicht die Leistung bringe, die ich mir vorgenommen habe. 24 Stunden vor meinem Sieg war ich ziemlich enttäuscht. Ich habe im Qualifying nicht alles zusammengebracht, das hat mich frustriert. Ich war verärgert. Ja, es gibt Dinge, die mir auf die Nerven gehen. Das hat aber eher mit meiner Leistung zu tun.“

APA: Sie können sich als nur selbst aus der Ruhe bringen?

Ricciardo: „Was geht mir sonst noch auf die Nerven? Leute im Straßenverkehr, die auf der Überholspur fahren und dann nicht überholen, weil sie zu langsam sind. Ich will niemanden ermutigen, schnell zu fahren. Aber Leute, wenn ihr nicht überholt, dann fahrt zur Seite!“

APA: Wie lange schätzen Sie, dass Sie mit dem Auto von Wien nach Spielberg benötigen?

Ricciardo: „36 Minuten. (lacht)“

APA: Gut gemacht, das wäre dann Rekord. Wie ist Ihr grundsätzliches Verhältnis zu Österreich? Was gefällt Ihnen?

Ricciardo: „Ich liebe Schnitzel, das ist eines meiner Lieblingsgerichte, mit der Zitrone und den Preiselbeeren. Ich werde heute noch eines essen. Ich bin öfter in Fuschl und Salzburg. An einem Sommertag ist es unglaublich schön, mit den Bergen und den Seen. Es ist ein schönes Land. Ich freue mich immer, wenn ich die Leute bei Red Bull sehe. Sie sind seit 2008 Teil meiner Familie. Daher gibt es auch eine enge Beziehung zu Österreich.“

APA: Wie Dietrich Mateschitz kommt auch Helmut Marko aus der Steiermark, in der der Grand Prix gefahren wird. Welchen Einfluss hat er auf Ihre Karriere gehabt?

Ricciardo: „Einen sehr großen. Er ist derjenige, der mich Ende 2007 ausgewählt hat für die Nachwuchstests. Er hat mich bis in die Formel 1 hochgebracht. Es ist schön für Helmut und Dietrich. Dieses Wochenende in ihrer Heimat, in Österreich, das wird ein stolzer Moment. Ich hoffe, Seb und ich können es mit einem guten Ergebnis noch besser machen.“

APA: Haben Sie sich mit ihren bisherigen Leistungen in dieser Saison sogar selbst überrascht?

Ricciardo: „Ein bisschen. Ich habe immer geglaubt, dass ich ganz vorne mitfahren kann. Aber bis du es dir selbst beweist, weißt du es nicht. Dass ich nach sieben Rennen schon eines gewonnen habe, speziell nach den verpatzten Wintertests, hat mich schon überrascht.“

APA: Wie gut tut es, so regelmäßig einen vierfachen Weltmeister zu schlagen?

Ricciardo: „Es macht Spaß, ich lerne die ganze Zeit. Wenn nicht von Seb, dann von mir selbst. Es ist eine große Herausforderung, wenn dein Teamkollege vierfacher Weltmeister ist, das genieße ich. Wenn ich mich gut schlage, sagt das viel über mich aus. Das kann meiner Karriere nur gut tun. Ich denke, auch Seb genießt es. Er hat viele Jahre Mark (Webber) als Teamkollegen gehabt, jetzt ist es eine neue Herausforderung. Wir treiben uns gegenseitig an, aber mit sehr viel Respekt.“

APA: Sie im Red Bull, das scheint perfekt zu passen. Was bedarf es aus Ihrer Sicht, dass das eine langfristige Partnerschaft wird?

Ricciardo: „Ich muss weiter das tun, was ich tue. Um das Podest zu fahren ist ein großartiges Gefühl. Wenn mir Red Bull das weiterhin bieten kann, bin ich mehr als glücklich, bei ihnen zu bleiben. Sie haben sehr viel für meine Karriere getan. Hoffentlich kann ich einen WM-Titel holen. Das mit ihnen zu schaffen, so wie Seb es gemacht hat, der auch als Junior begonnen und sich hochgearbeitet hat, das wäre die größte Leistung.“

APA: Wie ist der Zeitrahmen, den Sie sich dafür gesetzt haben?

Ricciardo: „Sechs Monate (lacht). Nein, im Ernst, lieber früher als später. Natürlich weiß ich, dass das nicht einfach daherkommt. Es erfordert viel Arbeit. Ich habe gerade erst mein erstes Rennen gewonnen. Man muss weit mehr als ein Rennen pro Saison gewinnen, um Weltmeister zu werden. Ich verstehe, dass es noch weit weg ist, aber es ist mein Ziel.“

APA: Die WM betreffend, wie ist Ihr Gefühl für diese Saison?

Ricciardo: „Mercedes in Kanada Punkte abzunehmen, war schön. Realistischerweise sind sie aber weiterhin die Stärksten. Im Moment sind wir ein bisschen auf ihr Pech angewiesen, um die Lücke zu schließen. Vielleicht können wir Ende der Saison aus eigener Kraft schneller sein, womöglich ist die WM dann aber schon lange entschieden. Dieses Jahr wird es schwierig. Hoffentlich bringen wir uns nächstes Jahr in eine bessere Position, dann sehen wir, wie es läuft. Ich werde bereit sein.“

(Das Gespräch führte Florian Haselmayer/APA)

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