Ford Fiesta ST dynamisch vorne links
Von den Hot Hatches ist der Ford Fiesta ST einer der echten Racer.
 

Testbericht: Ford Fiesta ST

Knurrt, beißt, kratzt, ist unglaublich verspielt – und in kundigen Händen ein echtes Tier.

01.06.2013 Autorevue Magazin

Der Reihe nach: Das Knurren des Fiesta ST ist echt. Es kommt aus dem Ansaugtrakt und wird von ­einem Schlauch hinter den ­Armaturenträger in den Innenraum transportiert. Das heißt im Fordsprech Sound-Symposer und ist natürlich nur für die Show: Klingt gut, lässt die Lautstärke mit dem rechten Fuß regulieren, verströmt gute Laune und tut den Passanten nichts. Außen ist am Ford Fiesta ST nur das Auftreten laut.

Ford Fiesta ST Sitz

Ford Fiesta ST: Ein Kleinwagen mit Saft ohne Ende

Den Biss liefert ein 1,6-Liter-Turbo mit Direkteinspritzung. Wenn 182 PS und 240 Nm auf 1163 Kilo treffen, kann man sich den Unterhaltungswert in etwa vorstellen. Und selbst das ist nur die halbe Wahrheit: Per Overboost wird das Drehmoment temporär gar
auf 290 Nm angehoben. Derart ­geladen braucht man eigentlich nur die untere Reihe der Schaltkulisse: den Zweiten zum Anfahren, den Vierten über Land, den Sechsten auf der Autobahn. Was auch wieder irgendwie schade ist, denn das Getriebe saugt die Gänge regelrecht ein, ist beispielhaft in Sachen Schaltbarkeit.

_Ford Fiesta ST_2 AR

Bleibt das Kratzen (von Kurven): Wer mit dem Fiesta im engen Geläuf kein Lächeln im Gesicht bekommt, muss ein schlechter Mensch sein. Bei kaum einem anderen in dieser Liga steht die Fahr­dynamik so im Vordergrund. Das Fahrwerk ist extratrocken abgestimmt, sehr straff, verzichtet aber beispielsweise auf die Prügeleien eines Cup-Clio. Knipst man das zweistufig abschaltbare ESP ins Off, lässt sich das Heck durch Hineinbremsen in die Kurve ent­sichern und herumwirbeln – und zwar auf kontrollierbare, freudvolle Weise. Die Bremse ist dem Leistungsvermögen angepasst und gut dosierbar. Die Lenkung wurde ganz dem Sportsgeist entsprechend direkter übersetzt – und dann wäre da noch der Trick mit der Elektronik: eVTC steht für „enhanced Torque Vectoring Control“ und verbessert das Einlenkverhalten, indem es drohenden Haftungsverlust des kurveninneren Rades mit aktiven Bremseingriffen unterbindet. Natürlich könnte man jetzt behaupten, dass Ford sich ein mechanisches Sperrdifferenzial ersparen wollte – wir nehmen lieber wohlwollend den Gesamteindruck der Abstimmung zur Kenntnis. Alles, was den Fiesta zum ST adelt, ergibt in Summe ein stimmiges Paket, das mit einer beinahe unverschämten Selbstverständlichkeit Kurven durcheilt.

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