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Formel 1: Felipe Massa verabschiedet sich

Nach 250 Grand Prix, 11 Siegen und mindestens 41 Podiumsplätzen verabschiedet sich Felipe Massa aus der Formel 1: „Bin so stolz auf das, was ich erreicht habe“

10.11.2016 Online Redaktion

Es wird Tränen geben. Wie damals. An jenem 2. November 2008. Rund 100.000 heimische Fans feierten ihren Felipe Massa als Sieger des Grand Prix von Brasilien. Und für einige Sekunden war er auch der gefühlte neue Weltmeister der Formel 1. Aber nur für Sekunden. Dem unbändigen Jubel auch der Familie in der Ferrari-Box folgten die Tränen der Enttäuschung. Ein Überholmanöver von Lewis Hamilton gegen den damaligen Toyota-Piloten Timo Glock zerstörte wenige hundert Meter vor der Ziellinie die Erfüllung des sportlichen Lebenstraumes von Massa.

Kein Weltmeister für Brasilien

Er wäre der erste Brasilianer auf dem Weltmeister-Thron nach Ayrton Senna gewesen. Seit 1991 wartet Brasilien auf seinen nächsten „Campeao do mundo“. Massa wird es nicht mehr, denn er tritt nach dieser Saison als Formel-1-Pilot ab. 250 Grand Prix wird er dann bestritten haben. Der am 2. November 2008 dürfte als der emotional heftigste in der Erinnerung des immer eher etwas sensibel anmutenden Piloten aus Sao Paulo bleiben. Ein Punkt entschied vor acht Jahren zu Massas Ungunsten.

„So stolz auf das, was ich erreicht habe“

„Meine Karriere war mehr, als ich jemals erwartet hätte, und ich bin so stolz auf das, was ich erreicht habe“, sagte der mittlerweile 35-Jährige bei seiner Rücktrittsankündigung. Mit Bedacht hatte er den Ort gewählt: Monza, Italien. Acht Jahre, von 2006 bis Ende 2013, fuhr Massa für Ferrari, die erste Saison an der Seite Michael Schumacher. Der deutsche Rekordweltmeister wurde für Massa zum Lehrmeister, er nannte ihn „Professor“. Aber auch zum Freund. Als Schumacher beim Skifahren vor knapp drei Jahren schwer verunglückte, betete Massa für den siebenfachen Champion.

Vettel wird Massa vermissen

Und er wird seine Emotionen auch kaum zurückhalten können, wenn es nun in seinem 249. Formel-1-Rennen zum Abschied von seinen Fans kommt. Nur dass es diesmal Wehmut sein wird, aber auch Stolz, keine Bitterkeit. „Interlagos ist mein zu Hause. Es ist der Ort, an dem ich aufgewachsen bin“, sagte er vor dem Rennen auf der Rennstrecke in Sao Paulo. „Ich freue mich darauf, jede einzelne Runde zu genießen.“ Es sei schade, dass Massa gehe, hatte der deutsche Ex-Vierfach-Weltmeister Sebastian Vettel in Monza betont. „Wir werden ihn vermissen.“ Massa sei immer ein großartiger Fahrer gewesen, sagte auch Weltmeister Lewis Hamilton. „Diese harten Duelle mit ihm, auch über 2008 hinaus, waren ein Privileg für mich. Die Formel 1 wird ihn vermissen, keine Frage.“

„Spezielles Rennwochenende“

„Das wird ein spezielles Wochenende für mich“, sagte Felipe Massa am Donnerstag bei der Pressekonferenz vor dem Rennwochenende in Sao Paulo. „Das ist der Ort, an dem ich auf der Tribüne stand und Ayrton Senna und Nelson Piquet angefeuert habe. Ich werde dieses Rennen definitiv vermissen, wenn ich die Burschen nächstes Jahr hier fahren sehe“, betonte der Brasilianer.

Podiumsplatz zum Abschied?

Ein Podiumsplatz wäre noch einmal eine kleine Krönung des stets verlässlichen und loyalen Sekundanten – ob damals für Schumacher oder auch danach für Fernando Alonso. Beim Deutschland-Rennen 2010 bekam er per Ferrari-Funk die Nachricht: „Fernando ist schneller als du. Kannst du bestätigen, dass du die Nachricht verstanden hast?“ Massa gehorchte, ließ den Spanier vorbei. Denn dieser kämpfte damals mit Vettel im Red Bull um die WM, nicht Massa. Erst später räumte Massa ein, dass dieses Rennen wohl einer seiner schwersten Momente gewesen sei.

Schwerer Unfall in Ungarn 2009

Seine schlimmsten Stunden und Tage erlebte er aber im Sommer 2009. Im Ungarn-Qualifying krachte eine Stahlfeder an seinen Helm. Sie hatte sich vom Wagen seines Landsmanns Rubens Barrichello gelöst. Massa wurde schwer am Kopf verletzt, nach einer Operation wurde er ins künstliche Koma versetzt. Das linke Auge war besonders schwer verletzt worden. 2010 kam Massa zurück. Seit drei Jahren fährt er nun für das britische Traditionsteam Williams. Nach Brasilien steigt er in Abu Dhabi am 27. November endgültig aus.

11 Siege und mindestens 41 Podiumsplätze

Er fuhr seit seinem Einstieg 2002 immer wieder an der Seite von Weltmeistern: Jacques Villeneuve, Schumacher, Alonso, Kimi Räikkönen. Massa werden elf Siege und vermutlich 41 Podiumsplätze bleiben. Und die Erinnerung, sich doch nur für Sekunden wie ein Weltmeister gefühlt haben zu können.

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