Felipe Massa 2014 in Melbourne
Massa mit leichtem Vorteil.
 

F1 Melbourne: Fahrer und der Magerwahn

Das Gesamtgewicht der neuen Boliden darf inklusive Fahrer und Reifen 691 kg nicht unterschreiten. Jedes Kilo mehr kostet aber Rundenzeit – angeblich bis zu drei Hundertstelsekunden.

14.03.2014 APA

Die Regelreformen der Formel 1 haben nicht nur Auswirkungen auf die neuen Boliden gehabt, auch die Piloten kommen verändert aus dem Winterschlaf. Beinahe jeder Fahrer hat abgenommen und beschert dadurch den Ingenieuren mehr Spielraum. Das Gesamtgewicht der neuen Boliden darf inklusive Fahrer und Reifen 691 kg nicht unterschreiten. Jedes Kilo mehr kostet aber Rundenzeit – angeblich bis zu drei Hundertstelsekunden.

Kritik an Magerwahn

Der Magerwahn stößt auf Kritik. „Es ist schade, dass sich der Sport in diese Richtung entwickelt. Das ist schon fast wie bei einem Skispringer oder Radfahrer“, meinte Mercedes-Pilot Nico Rosberg. Während dem Schlankheitswahn im Skispringen mit der an den Body-Mass-Index (BMI) gekoppelten Skilänge Einhalt geboten wurde, sind dem Gewicht in der Formel 1 nach unten keine Grenzen gesetzt.

Button kritisiert neues Reglement

„Das war der härteste Winter meines Lebens“, versicherte Lewis Hamilton. Der ohnehin nicht sehr groß gewachsene WM-Favorit hat gleich vier Kilo abgenommen. „Er ist abgemagerter als ich ihn jemals gesehen habe“, sagte Landsmann Jenson Button. Der McLaren-Pilot gilt als passionierter Triathlet als einer der fittesten Piloten der Formel 1 – und scharfer Kritiker des neuen Reglements.

Piloten sollen nicht zu Jockeys werden

Mit 1,82 m Körpergröße hat Button gegenüber kleinen, leichten Fahrern einen klaren Nachteil. „Ich hoffe nicht, dass Piloten nur noch wie Jockeys herangezüchtet werden“, betonte Josef Leberer. Der Salzburger, einst Fitnesscoach von Ayrton Senna, sorgt sich als Physiotherapeut bei Sauber auch um die Gesundheit der Fahrer. Leberer: „Es ist ohnehin schon jeder relativ am Limit.“

Körperfettanteil von 8 bis 10 Prozent nicht unterschreiten

Weitere Gewichtsreduktion hätte beim Großteil der Piloten einen Substanzverlust zur Folge. „Irgendwann kann der Ingenieur sagen, was er will“, betonte Leberer. Ein Körperfettanteil von acht bis zehn Prozent solle nicht unterschritten werden, sind die Fahrer im Auto doch großen Belastungen ausgesetzt. Dafür benötigen sie ein Mindestmaß an Muskelmasse.

Diät notwendig

„Heutzutage kann sich ein Fahrer sowieso nicht erlauben, drei oder vier Kilo zu viel zu haben. Dafür ist das Feld viel zu eng beisammen“, meinte Leberer. Die Zeiten eines Nigel Mansell, der 1995 zu dick war, um in seinen McLaren zu passen, sind längst vorbei. Dabei wurde das minimale Gesamtgewicht heuer sogar von 642 auf 691 kg erhöht. Das ist allerdings den neuen, deutlich schwereren Antriebssträngen geschuldet.

Massa als leichter Außenseiter

Samt Energierückgewinnungssystemen und Batterien bringen die neuen Turbomotoren rund 150 kg auf die Waage. Die Gewichtsverteilung im Auto ist entscheidend. „Ich war noch nie so froh, so klein zu sein“, sagte Williams-Neuzugang Felipe Massa. Der Brasilianer wiegt bei 1,66 Metern gerade einmal 58 kg – und gilt zum Saisonstart am Wochenende in Melbourne als gefährlicher Außenseiter.

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