Nico Rosberg in Spanien 2014
Nach 4 Rennen führt Rosberg die WM an.
 

F1: Rosberg im Gespräch

Nach vier Rennen in dieser Saison führt Nico Rosberg das Fahrerfeld in der Gesamtwertung an. Sein derzeit größter Gegner ist ausgerechnet Teamkollege Hamilton.

09.05.2014 APA

Nico Rosberg im Gespräch, über seinen Teamkollegen und Weltmeister Lewis Hamilton, die österreichische Führungsetage bei Mercedes und seine Winterurlaube in Zell am See.

Sie gehen als WM-Führender in das erste Europa-Rennen. Was macht Sie zuversichtlich, dass das bis Saisonende so bleibt?

Rosberg: „Erstens das Auto, das ich habe. Unser Silberpfeil ist megaschnell momentan. Zuversichtlich macht mich auch, dass ich mich sehr wohlfühle im Auto, dass ich attackieren kann. Und dann glaube ich natürlich daran.“

Ihr Teamkollege hat die jüngsten drei Rennen gewonnen. Viele sehen ihn jetzt als Favoriten. Stört Sie das?

Rosberg: „Das Momentum liegt auf seiner Seite. Ich muss schauen, dass ich das breche, ganz klar. Ich muss einen Stopp setzen und hier gewinnen. Solche Phasen wird es immer geben. Letztes Jahr ist es mir genauso gegangen. Da hatte er mal eine starke Phase, dann habe ich es wieder umgedreht. Dann hatte ich mal eine starke Phase, dann hat er es wieder gedreht. Das ist ein Hin und Her. Ich erwarte, dass es dieses Jahr ähnlich ist.“

Hat sich die Beziehung zu Lewis seit Jahresbeginn, seit klar ist, dass Sie gegeneinander um die WM fahren, verändert?

Rosberg: „Man merkt schon, dass noch mehr Gewürz drinnen ist. Das Duell ist vorhanden. Ansonsten ist es wie immer. Wir haben das ja alles schon durchlebt, da waren wir 14 Jahre alt. Da hatten wir genau die gleiche Situation.“

Wie gelingt es Teamchef Toto Wolff, den Laden zusammenzuhalten? Wie würden Sie seinen Führungsstil beschreiben?

Rosberg: „Wir haben eine starke österreichische Connection im Team. Toto macht einen tollen Job. Er hat dieses Team sehr stark umstrukturiert und dem Ganzen nochmal einen Schub gegeben. Es war ja auch Neuland für ihn. Er gibt dem Team eine langfristige Perspektive, das ist wichtig. Dazu kommt noch Niki (Lauda) mit seinem ganzen Wissen, der das Team aus seiner Position unterstützt.“

Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Herrn Lauda beschreiben? In Österreich ist er ja eine echte Ikone.

Rosberg: „Seine Unterstützung schätze ich sehr, auch seine Kompetenz. Es ist ein sehr guter Austausch zwischen uns. Die Führungskräfte im Team wissen nicht immer alles. Ich habe manchmal Einblicke, die sie gar nicht bekommen können. Manchmal erzählen mir die Leute im Team intern etwas, das würden die dem Chef nicht erzählen. So kann ich noch ein paar Infos übergeben, die sie sonst nicht haben.“

Niki Lauda hat 1984 als einziger Österreicher – da ist er mächtig stolz darauf – sein Heimrennen gewonnen.

Rosberg: „Ich habe mein Heimrennen auch schon gewonnen. (Im Vorjahr in Monaco/Anm.)“

Gratulation, er hat das erst in der Endphase seiner Karriere geschafft. Aber die Formel 1 kommt nach Österreich zurück. Was halten Sie davon?

Rosberg: „Ich freue mich sehr auf das Rennen. Der Red Bull Ring, bei mir hieß er noch A1-Ring, ist eine super Strecke. Es war immer eine tolle Atmosphäre, die Österreicher sind super Fans. Es macht Spaß, dort zu fahren. Ich kenne die Strecke gut. Sie ist schön, auch gut zum Überholen. Da wird es gute Duelle geben.“

Sie sind jedes Jahr über Weihnachten und Silvester einige Tage in Zell am See auf Urlaub. Was verbindet Sie mit der Gegend?

Rosberg: „Solange ich denken kann, haben wir immer Weihnachten dort verbracht. Ich habe sehr viele Kindheitserinnerungen. Es ist ein sehr schöner Fleck, wo ich mich immer wohlfühle. Es geht um die ganze Atmosphäre – Holzhütte, Kamin, dann gehe ich gerne mit den Schneeschuhen wandern. Das ist meine Lieblingssportart im Winter. Ich gehe auf den Gipfel und treffe dort meine Familie. Zu Weihnachten kocht mein Vater immer eine große Schinkenkeule. Das ist unser finnisches Weihnachtsessen. Ein Truthahn liegt aber auch bereit, weil der Schinken jedes zweite Jahr verkohlt. Dann haben wir immer Plan B parat.“

Beim Schneeschuhwandern hat man viel Zeit, um nachzudenken. Haben Sie in den österreichischen Alpen auch einmal an den WM-Titel gedacht?

Rosberg: „Ich habe öfter Hörbücher gehört, aber natürlich auch nachgedacht. Ich habe gehofft, dass ich einen Silberpfeil habe, mit dem ich jedes Rennen gewinnen kann. Und so ist es gekommen.“

Der Titel hat noch keine Rolle gespielt?

Rosberg: „Mit Sicherheit sind meine Gedanken irgendwann auch in diese Richtung gegangen. Hauptsächlich aber, dass ich mir wünsche, dass wir als Team diesen Schritt schaffen und endlich diesen Sport dominieren. Auch momentan denke ich nicht so sehr an den Titel. Ich genieße die Situation. Ich bin voll motiviert, mit dem Team jetzt hier richtig Erfolg zu haben – Rennen für Rennen.“

Alexander Wurz hat schon vor Jahren bei Williams gesagt, dass Sie das Zeug dazu haben. Wie war er als Teamkollege?

Rosberg: „Wir haben uns gut verstanden. Er hatte einen guten Rennspeed, im Qualifying habe ich ihn meistens geschlagen. Auch seine Einstellung war sehr gut, menschlich, seine Zusammenarbeit mit dem Team und den Ingenieuren. Er war technisch sehr, sehr interessiert. Da habe ich mit Sicherheit einiges lernen können.“

Ein anderer, aktuellerer Ex-Teamkollege von Ihnen hat eine viel tragischere Geschichte. Der Unfall von Michael Schumacher ist etwas mehr als vier Monate her. Wie ist Ihr aktuelles Gefühl, wenn Sie daran denken?

Rosberg: „Die News damals waren erschreckend. Immer wieder hoffe ich, dass da noch positivere Nachrichten kommen. Mein aktuelles Gefühl ist: Ich hoffe. Genauso wie andere hoffe ich, dass da noch irgendwie eine Verbesserung kommt.“

Interview: Florian Haselmayer / APA

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