Vettel freut sich über den ersten Heimsieg seiner Karriere.
Vettel freut sich über den ersten Heimsieg seiner Karriere.
 

Vettel gewinnt Grand Prix von Deutschland

Vettel vor Lotus-Duo Erster, Alonso landet auf Platz vier. Für eine Schrecksekunde sorgte ein Unfall in der Boxengasse. Die befürchteten Reifenprobleme blieben aber aus.

07.07.2013 APA

Red Bull-Star Sebastian Vettel hat heute zum ersten Mal seinen Heim-Grand Prix am Nürnburgring gewonnen. Der 26-jährige fuhr knapp vor dem Lotus-Duo Kimi Räikkönen und Romain Grosjean den 30. Grand Prix-Sieg seiner Karriere, den vierten in diesem Jahr, ein.

Vettels erster WM-Verfolger Fernando Alonso landete auf Platz vier. Der Weltmeister baute seinen Vorsprung auf den Ferrari-Star im neunten Saisonrennen damit auf 34 Punkte aus.

Um den Sieg musste Vettel aber bis zur letzten Runde zittern. Lotus-Pilot Kimi Räikkönen kam in der Schlussphase herangeflogen, der dreifache Weltmeister rettete eine Sekunde Vorsprung über die Ziellinie – und jubelte am Boxenfunk ausgelassen. „Es ist unglaublich, jetzt auch zu Hause gewonnen zu haben“, gestand Vettel. „Ich habe die Unterstützung des Publikums gespürt.“

Die Lotus liefen bei Temperaturen von über 25 Grad wie erwartet sehr gut. Räikkönen riskierte im Finish mit weichen Reifen, Teamkollege Romain Grosjean ließ ihn passieren. Der Franzose musste sich zum vierten Mal in seiner Karriere mit Platz drei begnügen – unmittelbar vor Vettels erstem WM-Verfolger Fernando Alonso. Der Ferrari-Star liegt nach neun von 19 Rennen nun 34 Punkte hinter dem Deutschen.

Dieser war aber nicht nur ob des Endes des Heimfluches erleichtert. „Ich bin froh, dass das Rennen nur 60 Runden gedauert hat“, versicherte Vettel. „Wäre es noch ein bisschen länger gegangen, hätte ich ihn vielleicht erwischen können“, meinte Räikkönen, der sich mit kahl geschorenem Kopf präsentierte. Der Finne, mit 41 Zählern Rückstand WM-Dritter, könnte in der kommenden Saison bei Red Bull Vettels Teamkollege werden, will sich mit seiner Zukunftsentscheidung aber noch Zeit lassen.

Schrecksekunde: Schwerer Unfall in der Boxengasse

Vettels bisheriger Stallrivale Mark Webber verabschiedet sich mit Saisonende aus der Königsklasse. Der Australier war an einer von zwei großen Schrecksekunden des Grand Prix von Deutschland beteiligt. Ein englischer Kameramann wurde in der Box von einem Rad getroffen, das sich nach dem ersten Stopp von Webbers Boliden gelöst hatte. Die Red-Bull-Crew hatte das rechte Hinterrad noch nicht ordnungsgemäß montiert.

Webber konnte das Rennen fortsetzen, fuhr dank einer Safety-Car-Phase zumindest noch auf Platz sieben. Der Kameramann wurde mit Schmerzen im Schulter- und Rippenbereich in ein Spital nach Koblenz geflogen. Es bestand der Verdacht auf Knochenbrüche und eine Gehirnerschütterung. „Dieses Rad kann dich auch umbringen“, erinnerte Österreichs dreifacher Weltmeister Niki Lauda.

Doch damit nicht genug: Wenige Runden später verselbstständigte sich der Marussia von Jules Bianchi, den der Franzose nach einem Motorschaden neben der Strecke abgestellt hatte. Der Bolide rollte in einem Bergaufstück, auf dem die Autos fast 300 km/h erreichen, im Leerlauf rückwärts quer über die Piste. Zu einer Kollision kam es nicht, die folgende Safety-Car-Phase schob das Feld aber zusammen.

Mercedes enttäuscht

Pole-Position-Mann Lewis Hamilton kam nach einem schwachen Start im Mercedes nicht über Platz fünf hinaus, sein Teamkollege Nico Rosberg wurde Neunter. „Die hohen Temperaturen tun uns nicht gut“, erklärte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. „Die Pace von Sebastian und den beiden Lotus haben wir heute einfach nicht gehabt, vor allem in der ersten Rennhälfte nicht.“

Schon in dieser schied Alonsos Ferrari-Domestik Felipe Massa nach einem Dreher aus. Ein kleines Lebenszeichen gab es von McLaren durch die Ränge sechs und acht für Jenson Button und Sergio Perez.

Keine weiteren Reifenprobleme

Die zuletzt in Silverstone so gefährlichen Reifenplatzer blieben aus, ein von den Fahrern angedrohter Boykott der Formel 1 dadurch nach Adaptierungen des Herstellers Pirelli erspart.

„Die Reifen haben gehalten, das ist das Wichtigste“, betonte Red-Bull-Teamchef Christian Horner. „Es war ein richtig hartes Rennen.“ Und selbst für Vettels Maßstäbe ein außergewöhnlich gutes. „Es war kein Rennen wie jedes andere, er war unglaublich“, lobte Red Bulls Motorsportchef Helmut Marko seinen Vorzugsschüler. „Er war am absoluten Limit – von Runde 1 bis zum Schluss.“

Ergebnis Grand Prix Nürburgring

1. Sebastian Vettel (GER) Red Bull 1:41.14,711 Std.

2. Kimi Räikkönen (FIN) Lotus + 0:01.008 Min.

3. Romain Grosjean (FRA) Lotus + 0:05.830

4. Fernando Alonso (ESP) Ferrari + 0:07.721

5. Lewis Hamilton (GBR) Mercedes + 0:26.927

6. Jenson Button (GBR) McLaren + 0:27.996

7. Mark Webber (AUS) Red Bull + 0:37.562

8. Sergio Perez (MES) McLaren + 0:38.306

9. Nico Rosberg (GER) Mercedes + 0:46.821

10. Nico Hülkenberg (GER) Sauber + 0:49.821

11. Paul di Resta (GBR) Force India + 0:53.771

12. Daniel Ricciardo (AUS) Toro Rosso + 0:56.975

13. Adrian Sutil (GER) Force India + 0:57.738

14. Esteban Gutierrez (MEX) Sauber + 1:00.160

15. Pastor Maldonado (VEN) Williams + 1:01.929

16. Valtteri Bottas (FIN) Williams + 1 Runde

17. Charles Pic (FRA) Caterham + 1 Runde

18. Giedo van der Garde (NED) Caterham + 1 Runde

19. Max Chilton (GBR) Marussia + 1 Runde

 

Ausgefallen: Jean-Eric Vergne, Jules Bianchi, Felipe Massa

Das nächste Rennen findet am 28. Juli in Mogyorod/Budapest statt.

Mehr zum Thema
  • Karl Freund

    …toll recherchierter Tatsachenbericht!
    Es war wirklich kein Grand Prix wie jeder andere…

    Hoffentlich bleibt uns dieser einzigartige Nürburgring für die nächsten Jahre erhalten! Tolles Ambiente, einzigartige Stimmung, einfach Weltklasse! ;-)

pixel