Gribkowsky und Ecclestone
Ex-Bayern-Banker Gribkowsky ist schon Verurteilt, Ecclestone könnte ab Mitte September vor Gericht stehen
 

Formel 1: Ecclestone wegen Bestechung angeklagt

Das langjährige Oberhaupt der Formel 1 hat von der Staatsanwaltschaft München Post erhalten – die Anklage im Bestechungsfall um Ex-Banker Gribkowsky.

17.07.2013 APA

 

Bernie Ecclestone ist wegen Bestechung und der Beihilfe zur Untreue von der Staatsanwaltscahft München angeklagt worden. Damit ist die Causa um die Formel-1-Schmiergeld-Affäre, Ex-Banker Gerhard Gribkowsky wurde zu einer Haftstrafe von achteinhalb Jahren Verurteilt, noch nicht abgeschlossen. Wie heute bekannt wurde ist Bernie Ecclestone die übersetzte Anklageschrift der Staatsanwaltschaft München zugegangen worden. Dem Formel-1-Oberhaupt droht im Falle einer Verurteilung eine langjährige Haftstrafe.

Ecclestone: Kein Rücktritt

Einen Rücktritt als Formel-1-Chef schloss er zunächst aus. „Ich wüsste nicht, warum ich das tun sollte. Ich werde das tun, was ich immer gemacht habe: Weiter arbeiten und meinen Job tun. Für mich ändert sich durch diese Sache nichts“, sagte er der „Bild“ (Donnerstag).

„Habe nichts illegales gemacht“

Der mächtige Funktionär räumte ein, dass seine Anwälte in dem hochbrisanten Fall eine Anklage der Münchner Staatsanwaltschaft akzeptiert haben. „Das bedeutet, dass sie auf die Anklage antworten müssen, was sie energisch tun“, sagte er. Die Staatsanwaltschaft werfe ihm vor, er habe „jemand angeblich bestochen“. Ecclestone versicherte jedoch, er habe „nichts Illegales“ getan.

Anklage übersetzt und zugestellt

Die Münchner Gerichtssprecherin Margarete Nötzel sagte der Nachrichtenagentur dpa, die Anklage sei ins Englische übersetzt und Ecclestone bereits zugestellt worden. Die Verteidigung teilte wenig später mit, sie werde „in Kürze bei der zuständigen Strafkammer eine umfassende Stellungnahme zu den Vorwürfen einreichen“.

Verhandlung nicht vor Mitte September

Sollte es tatsächlich zur Verhandlung kommen, fände diese nach Gerichtsangaben nicht vor Mitte September statt. Nach Zustellung der Anklage haben Ecclestones Anwälte bis Mitte August Zeit für ihre Stellungnahme. Der Engländer müsste vor Gericht persönlich erscheinen. „Wenn es sein muss, sicher, dann bin ich da. Warum nicht?“, sagte er der „Bild“. Das Strafgesetzbuch sieht für Bestechung eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren vor. Für den besonders schweren Fall der Bestechung sind laut Gesetz ein bis zehn Jahre Haft möglich.

Aufstieg in den 1970er Jahren

Ecclestone hat die Formel 1 wie kein anderer geprägt, geformt und vor allem finanziell gesteuert. Der Aufstieg zum mächtigsten Mann der Königsklasse des Motorsports begann Ende der 1970er Jahre, als der einstige Gebrauchtwagen-Händler die TV- und Vermarktungsrechte erstand. Er machte aus der Formel 1 ein weltumspannendes milliardenschweres Ereignis und einer der finanziell lukrativsten Sportarten weltweit. Ob Abu Dhabi, China, Malaysia, Indien oder im kommenden Jahr Russland: Ecclestone erobert mit der Formel 1 den Markt. Von den Veranstaltern kassiert er Antrittsgelder in Millionenhöhe. Ein geplanter Börsengang wurde im vergangenen Jahr allerdings verschoben.

Ehemaliger Geschäftspartner wurde verurteilt

Seit 2011 ermittelten die Münchner Behörden. Im vergangenen Sommer war bereits Ecclestones einstiger Geschäftspartner Gribkowsky zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden. In der Urteilsverkündung betonte der Richter damals schon, dass der ehemalige Risiko-Vorstand der BayernLB von Ecclestone „ins Verbrechen geführt“ worden sei. Dem beschuldigten Briten wird vorgeworfen, Gribkowsky beim Verkauf der Formel-1-Anteile der Bank rund 44 Millionen Dollar (33,54 Mio. Euro) Schmiergeld gezahlt zu haben.

Schmiergeld, Erpressung und Steuerhinterziehung

Ecclestone hat die Schmiergeld-Vorwürfe stets bestritten und sprach seinerseits von Erpressung. So soll Gribkowsky Anspielungen gemacht haben, Ecclestones undurchsichtiges Geschäftsmodell den britischen Steuerbehörden zu melden.

CVC schon auf der Suche nach einem Nachfolger?

Ecclestone persönlich scheint auf Konsequenzen eingestellt zu sein, zumindest wenn es zu einer Verurteilung käme. Die Besitzergesellschaft CVC „wird wahrscheinlich gezwungen sein, mich loszuwerden, wenn die Deutschen mich holen. Es ist ziemlich klar, würde ich eingesperrt werden“, hatte er Ende vergangenen Jahres dem „Sunday Telegraph“ gesagt. CVC soll bereits einen Headhunter für die Nachfolge Ecclestones engagiert haben.

Fahrerlager: Schon bei Anklage ist Ecclestone nicht mehr tragbar

Im Fahrerlager kursieren schon lange Meinungen, dass „Bernie“ im Fall einer Anklage auf dem wichtigsten Posten in der Formel 1 nicht mehr tragbar sei. Weltweit operierende Unternehmen wären zu Konsequenzen durch ihre sogenannten Compliance-Richtlinien zum Handeln gezwungen. Der durch das Mercedes-Werksteam in der Königsklasse vertretene Daimler-Konzern hatte in der Vergangenheit mehrfach angedeutet, dass er sich im Fall einer Verurteilung Ecclestones aus dem Grand-Prix-Sport zurückziehen könnte.

Im Interesse der Formel 1

Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo hatte Ecclestone in der Vergangenheit im Fall einer Anklage den Rücktritt nahegelegt. Weil er die Formel 1 liebe, werde Ecclestone der Erste sein, der einen Schritt zurücktrete, „im Interesse der Formel 1“. Der ganze Vorgang könne „die Formel 1 beschädigen“, hatte der Italiener gesagt.

Ecclestone wieder im großen Saal des Münchner Landgerichts

So wie es aussieht, wird Ecclestone erneut im großen Saal des Münchner Landgerichts erscheinen müssen. Dieses Mal allerdings nicht als Zeuge, sondern als Angeklagter: Zwei Tage lang wurde der nun stark unter Beschuss geratene Formel 1-Boss dort von Richtern und Staatsanwälten ausgefragt im Prozess gegen Gribkowsky. Nach seiner launigen Aussage im November 2011 durfte Ecclestone wieder in seinen Privatjet steigen und zum nächsten Rennen fliegen. Diesmal könnte seine Reise nach Deutschland weitreichende Konsequenzen haben.

 

Hier finden Sie die Chronologie der Verflechtungen Ecclestones mit Firmen und Banken.

 

 

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