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Nach dem Schmiergeld-Prozess steht Ecclestone vor weiteren Problemen.
 

Ecclestone vor Problemberg in der Formel 1

Bernie Ecclestone bleibt nach Einstellung des Prozesses Boss der Formel 1. Die Frage ist nur: Kann er die aktuellen Probleme lösen?

06.08.2014 APA

Bernie Ecclestone kämpft auch nach der Einstellung des Bestechungsprozesses in München um sein Vermächtnis in der Formel 1. Ein wahrer Problemberg will bewältigt werden. Und es stellt sich mehr denn je die Frage: Hat der 83-Jährige noch genug Kraft und die richtigen Antworten, um die Rennserie in eine krisenfeste Zukunft zu führen? Zumindest Ecclestone ist davon überzeugt. „Jetzt kann ich wieder tun, was ich am besten kann: die Formel 1 lenken“, betonte der Brite.

Ecclestone hat einiges aufzuarbeiten

Schon ein paar Stunden nach seinem Abschied aus dem Münchner Landgericht saß Ecclestone wieder in seinem Büro am Londoner Hyde Park. Er muss nacharbeiten, denn die wöchentlichen Reisen nach Bayern während des Schmiergeld-Prozesses haben ihn belastet. „Ich habe an den Wochenenden arbeiten müssen, um das aufzuholen, was ich während der Woche nicht geschafft habe“, sagte er der britischen Nachrichtenagentur PA. „Drei weitere Monate, das wäre schlecht gewesen.“ Also zahlt Ecclestone die Rekordsumme von 100 Millionen Dollar, umgerechnet 75 Millionen Euro, um sich nach Darstellung seines Anwalts Sven Thomas endlich wieder voll und ganz seinem Kerngeschäft widmen zu können.

Schwindende Zuschauerzahlen nur Spitze des Eisbergs

Nach mehr als 40 Jahren als Steuermann der Formel 1 weiß „Mr. E“, dass die Zweifel der vergangenen Monate seine Position ins Wanken gebracht haben. „Im Fall der Debatte über seine künftige Rolle in der Formel 1 sind die Akten keinesfalls geschlossen“, urteilte der „Guardian“. Ecclestone muss beweisen, dass er die akuten Brandherde löschen kann. Da ist die Sorge um schwindende Zuschauerzahlen an einigen Strecken und vor dem Fernseher. Hinzu kommen die quälenden Debatten über die leiseren Turbo-Motoren und das sich ständig ändernde Regelwerk, die vom oft spektakulären Renn-Geschehen ablenken. Weil Ecclestone zudem bisher kein Interesse an einem tragfähigen Konzept für den Umgang mit den sozialen Netzwerken zeigte, fürchten die Teams um ihre Attraktivität für Fans und Sponsoren. Für Kopfschütteln sorgte die Idee des Formel-1-Bosses, den überführten Renn-Betrüger (Manipulationsskandal im Singapur-Grand-Prix 2008/Anm.) Flavio Briatore in eine Kommission zur Verbesserung der Grand-Prix-Show zu berufen. Auf der Jagd nach frischen Einnahmen führt Ecclestone seinen Vollgas-Zirkus nun auch nach Russland und Aserbaidschan und riskiert damit weitere Schäden für das Image der Rennserie.

Börsengang der Formel 1 als letzter Kraftakt

Für den einstigen Gebrauchtwagenhändler zählt nur eines: Profitmaximierung für den Rechte-Inhaber CVC. Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo und Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche haben erkennen lassen, dass sie diese Linie langfristig für gefährlich halten. Zetsche drängte in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ bei der Vermarktung der Formel 1 auf „Veränderungen und Entwicklungen“ und brachte die Berufung weiterer Entscheidungsträger neben Ecclestone ins Gespräch. Montezemolo forderte in einem Brief an CVC-Vorstand Donald Mackenzie einen Strategie-Gipfel. Nur: Wie weit reicht Ecclestones Horizont noch? Wie groß ist sein Wille, die Macht zu teilen und geordnet zu übergeben? Im Alter von bald 84 Jahren sind seine Tage gezählt. Sein letzter großer Kraftakt könnte der seit längerem angedachte Börsengang der Formel 1 werden, der wohl auch wegen der Anklage gegen ihn auf Eis gelegt wurde. Mit einem weiteren Milliardenregen könnte Ecclestone seinen Arbeitgeber CVC und die internen Kritiker wieder ruhig stellen. Geld – das ist für Bernard Charles Ecclestone seit jeher die passende Antwort auf die zentralen Fragen.

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