Ecclestone Prozess
Gribkowsky sagt gegen Ecclestone aus.
 

Ecclestone-Prozess: Erster Höhepunkt

Der ehemaliger Banker Gerhard Gribkowsky sagt im Prozess gegen Ecclestone aus.

09.05.2014 APA

Ein erster Höhepunkt wurde heute im Prozess gegen Bernie Ecclestone erreicht. Seit Freitag sagt Ex-BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky in dem spektakulären Verfahren vor dem Landgericht München aus. Es war ein Wiedersehen in vertauschten Rollen. Ex-Banker Gribkowsky saß diesmal im Zeugenstand. Er ist der Hauptbelastungszeuge im Prozess gegen den 83-jährigen Briten.

Gribkowsky wegen Bestechung und Steuerhinterziehung verurteilt

Gribkowsky hatte 2006 beim Verkauf der von der Landesbank gehaltenen Mehrheit an der Rennserie von Ecclestone 44 Millionen Euro bekommen und war dafür wegen Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Nun ist Ecclestone wegen der Bestechung angeklagt. Der Engländer bestreitet allerdings, Gribkowsky bestochen zu haben. Vielmehr habe er sich von dem Manager damals erpresst gefühlt.

Vertauschte Rollen

Im November 2011 waren beide Männer schon einmal im Saal A 101 aufeinandergetroffen – damals aber noch unter anderen Vorzeichen. Gribkowsky saß auf der Anklagebank und Ecclestone war Zeuge. Der Vorsitzende Richter ist heute wie damals Peter Noll. Zu Beginn seiner Aussage berichtete Gribkowsky ausführlich über die Vorgeschichte des Anteilsverkaufs 2006. Der BayernLB war die Mehrheit an der Rennserie 2002 nach der Pleite des Medienkonzerns von Leo Kirch im Gegenzug für ausgefallene Kredite zugefallen. Gribkowsky sollte für die Bank diese Anteile wieder gewinnbringend verkaufen.

Wichtigster Zeuge der Anklage

Für die Anklage ist Gribkowsky der wichtigste Belastungszeuge. Für seine Aussage hat das Gericht zunächst vier Verhandlungstage angesetzt. Vor Beginn der Aussage wies die Staatsanwaltschaft ein Kernargument der Verteidigung zurück. Diese bezweifelt, dass der Landesbanker Gribkowsky beim Verkauf der Anteile Amtsträger war. Ecclestone könne Gribkowsky deshalb gar nicht als Amtsträger bestochen haben – genau darauf zielt aber die Anklage. Die führte dagegen zwei Urteile des Bundesgerichtshofs ins Feld, wonach Vorstände von Landesbanken immer öffentliche Aufgaben wahrnehmen.

Ecclestone-Verteidiger mit Anschuldigungen

Ecclestones Strafverteidiger Sven Thomas sieht das anders, bedankte sich aber – augenzwinkernd – für den ausführlichen Vortrag seiner Kontrahenten. „Ich freue mich immer, wenn wir auf diesem Niveau diskutieren. Das hat Zukunft“, sagte Thomas. Um Gribkowskys Glaubwürdigkeit zu erschüttern, beantragte die Verteidigung darauf, dessen Rolle bei milliardenschweren Fehlspekulationen mit US-Immobilien zu beleuchten, die Gribkowsky auch seinen Job im Vorstand der Bank gekostet hatten. Gribkowsky habe nie gezögert, Kollegen auch falsch zu beschuldigen, um sich selbst aus der Schusslinie zu bringen.

Ecclestones Verteidigungslinie

Ecclestone selbst hatte zu Prozessbeginn gesagt, er habe sich wegen Steuerproblemen von Gribkowsky erpresst gefühlt und sein „Lebenswerk in Gefahr“ gesehen. Deshalb habe er die Millionen an den damaligen BayernLB-Vorstand gezahlt. Am Freitag hörte der Brite dem Ex-Banker aufmerksam zu. Zwei Dolmetscherinnen übersetzten dem Formel-1-Chef alle Ausführungen.

„Als Risikovorstand einer Bank sind Sie nicht Everybody’s Darling“

Gribkowsky schildete am Vormittag zunächst seinen Machtkampf mit Ecclestone ab 2003. Als Bankvorstand habe er damals mit den Autoherstellern darüber verhandelt, Ecclestones Einfluss in der Formel 1 zu reduzieren und den Rennteams mehr Geld zu lassen. Zugleich habe die BayernLB Ecclestones Familienstiftung in London verklagt. „Als Risikovorstand einer Bank sind Sie nicht Everybody’s Darling“, betonte der 56-jährige Deutsche in diesem Zusammenhang. Trotz dieser erbitterten Auseinandersetzungen hätten beide Seiten „versucht, eine gewisse Normalität aufrechtzuerhalten“. Die Vorgänge beim Verkauf der Anteile an einen von Ecclestone vorgeschlagenen Investor 2006 war zunächst noch kein Thema.

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