Der Stachel im Nacken

Jorden Dolischka ist die Tochter der ehemaligen Ski- und Rennfahrerin Osmunde Dolischka. In ihrem Schatten zu stehen, hat sie jedoch nicht vor. Und die Ergebnisse sprechen für sie.

28.04.2016 Online Redaktion

Mit einem Opa, der Rallye und Rundstrecke fuhr und einer Mutter, die nach ihrer Ski-Karriere das Gaspedal für sich entdeckte und unter anderem in der Formel Ford und der Formel Renault je ein Rennen gewann, könnten die familiären Fußstapfen für eine Rennkarriere durchaus kleiner sein. Jorden Dolischka ist aber kein Mädchen, dem Ehrfurcht liegt.

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Vor drei Jahren noch in der Micro-Klasse und letztes Jahr in der Mini-Klasse unterwegs, mischt sie mit elf Jahren heuer die Konkurrenz in der Junior-Kartklasse auf, die eigentlich aus Dreizehn- bis Sechzehnjährigen und hauptsächlich aus Burschen besteht. Ein sechster Platz in der Central and Eastern European Championship und ein dritter Platz in der ungarischen Meisterschaft ermöglichten diese Ausnahmeregel für sie.

Angst macht das Jorden nicht. Warum auch, wenn man den Nervenkitzel doch viel lieber genießen kann? Die größte Freude hat sie nämlich, wenn sie ältere Burschen paniert. Dafür hätte sie sich auch einen anderen Sport suchen können, aber: „Da kommt man nicht in die Formel 1.“ Jorden ist keine Freundin kleiner Ziele, aber mit kleinen Zielen erreicht man auch nichts Großes. Träumerin ist sie trotzdem keine, die Chance auf den Sieg in der Junior-Klasse hat sie für heuer komplett abgeschrieben. Der wird nächstes Jahr anvisiert, heuer geht es ums Erfahrung Sammeln.
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Das Training absolviert Jorden in Bruck, zusätzlich hat sie in der Sportschule täglich zwei Stunden Sport. Der hilft ihr auch für die Fitness, denn Kart Fahren ist anstrengend. Aber das ist es wert: Bereits in noch jüngeren Jahren, als von Rennen noch keine Rede war, fuhr sie mit ihrer Mutter gemeinsam in Pisek über den Kurs. Auf der Geraden fing Jordens Kart immer zu taumeln an, komplett übermüdet nickte sie immer wieder ein. Aufhören war keine Option für Jorden.

Als ihr Kommunikationsagent Pisek als Piss-Zeck ausspricht, muss Jorden lachen. Hin und wieder kommt zwischen abgeklärten Rennberichten doch das ganz normale, elfjährige Mädchen durch. Dementsprechend sieht auch die Freizeitgestaltung aus: „Fernseh schaun und Handy spieln“. Auf die Schule angesprochen, erzählt Jorden sofort von ihren Leistungen. Der Kampfgeist ist irgendwie allgegenwärtig. Schwächen wie ihr „Katastrophalfach“ Deutsch sind ihr aber nicht peinlich.

Eine Schwäche ist derzeit auch noch das Führen. Wenn Jorden alle hinter sich hat, wird sie nervös und schaut oft nach hinten, was sie sich noch abgewöhnen möchte. Lieber ist es ihr, von hinten das Feld aufzuräumen und die vor ihr Fahrenden unruhig zu machen, ehe sie sie in einem Moment der Schwäche überholt. Dann ist sie in ihrem Element. Der Druck, das Hadern mit sich, das Ärgern über Fehler, die Freude am Überholen, das ist für sie mindestens genauso wie Geschwindigkeit die Essenz am Rennfahren.

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Bei der Formel 1 sieht sie eher analytisch zu, die eigene Mutter kommt einem Idol noch am nächsten. Ihre Leistungen möchte Jorden aber auch bald übertrumpfen. Das könnte gelingen, letztes Jahr konnte sie sich für das Euro-Finale der Mini-Klasse qualifizieren und wurde 25. von 56. Die Konkurrenz sind oft keine Unbekannten, wie etwa der Sohn von Pablo Montoya. Heuer hat sie den 27. Platz im ersten Rennen der Junior-Klasse eingefahren, ihr Ziel für heuer sind aber die Top 10.

Und wenn sie sich weiter so steigert, stehen ihre Chancen auf eine erfolgreiche Rennkarriere nicht schlecht. In den größeren Kart-Klassen fangen die Talentscouts zu suchen an, und auch Fahrer wie Sebastian Vettel haben in der Rotax-Serie begonnen, in der ein junges Mädchen gerade so manchen Pubertierenden auf die Plätze verweist.

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