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Mini ALL4 Racing: Spuren im Sand

Ein kleiner Ausflug mit Nasser Al-Attiyahs Dakar-Gewinnerauto in die Dünen.

29.04.2015 Autorevue Magazin

Mit einem lauten „Klonk“ nimmt das störrische sequenzielle Sechsganggetriebe den ersten Gang zur Kenntnis. Scheint robust gebaut zu sein, das Teil. Auskuppeln mit dem verkümmerten Kupplungs­pedal – man braucht es ohnehin erst wieder beim Anhalten. Nur träge kommt der Mini in die Gänge. Was nicht am mangelnden Drehmoment des Dreiliter-Sechs­zylinder-Tur­bodiesels, sondern am Untergrund liegt. Den Motor gibt’s in keinem Mini der Welt, der Auskenner weiß: Mini gehört BMW, die Dakar-Autos sind ohnehin allesamt nur Silhouette-Autos, die nichts mit der Serie zu tun haben. Immerhin: Scheinwerfer, Türgriffe und Windschutzscheibe kommen hier vom echten Countryman.

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© Bild: Mini

Im Heck eines der drei Reserveräder, die anderen liegen im doppelten Unterboden – wo auch Ersatzteile zu finden sind. Davor: der Tank mit 420 Liter ­Fassungsvermögen, die man auch braucht. Weil nämlich: 11 Liter auf der Verbindungs­etappe, jenseits der 50 beim Buddeln im Sand.

Bei der Dakar fällt das Gewicht nicht ins Gewicht

Von den rund 800 Newtonmetern, die bereits bei 2100 Umdrehungen anliegen, merkt man jedenfalls wenig. Logisch, das Gewicht: leer wiegt der Mini 1950 Kilo. Addiert man Fahrer und Beifahrer, bis zu 420 Liter Diesel, drei Reservereifen (etwa 30 kg pro Stück) und diverse Ersatzteile, die man auf ­einer Marathonrallye durchaus braucht, dazu, wird der Name Mini irgendwie zur Farce. Es fühlt sich an, als ­würde man mit einem Klein-LKW Rallyefahren.

Innen ist der Mini ganz Rennauto. Ein Trumm von Überrollkäfig, gefüllt mit dem Notwendigsten. Nur, dass ­beifahrerseitig deutlich mehr Navigationsutensilien als anderswo sitzen. Vor dem Fahrer nur die Ganganzeige und ein Schaltlicht. Obwohl der 320-PS-Diesel etwas über 5000 Touren macht, geht einem die Drehzahl recht rasch aus.

Die Sprünge spürst du am nächsten Tag noch in den Beinen

Das Zurückschalten, ein ­resolutes Hebel-Zucken nach vorne, der Diesel setzt kurz und unmerklich mit der Treibstoffzufuhr aus, schon ist die gewünschte Stufe drinnen. Bremsen: Da tut sich herzlich wenig am Pedal – kein Wunder bei dem griparmen Untergrund. Der Bremsdruck ist ganz hinten, um das Heck des Dicken agiler zu ­machen. Es ist wie Surfen auf Schnee. Die Lenkung ist erstaunlich leichtgängig, was wohl auch so sein muss, sind doch Dakar-Tage bis zu 1000 Kilometer lang – passend dazu sind die Recaroschalen ebenfalls gut gepolstert. Was aber im Umkehrschluss nicht heißt, dass das Auto eine komfor­table Sänfte wäre. Das Fahrwerk hat doppelte Reiger-­Racing Feder-Dämpfer-Kombinationen rundum, ist jedoch reglementbedingt auf 25 Zentimeter Federweg limitiert. Die zweiradgetriebenen Buggies dürfen deutlich mehr. Waschbrett­pisten verschwinden in den Dämpfern, größere Sätze jedoch nimmer. Große Sprünge fühlst du am nächsten Tag noch recht gut in den ­Beinen.

Nichts außer Sand und Hitze

Bei regulären Rallyes hat man eine vorgegebene Straße, einen Feldweg, irgendeine Form einer Strecke. Dazu ­Anhaltspunkte wie Bäume, Lichtmasten oder Gebäude. Hier, in der Wüste, ist absolut nichts. Die Sonne steht hoch, was die Sicht nicht verbessert. Der Geländekontrast verschwimmt bis zur Unkenntlichkeit. Nichts außer Sand und Hitze – atemberaubend, was die Navigatoren da zu ­leisten haben.

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© Bild: Christoph Joradn

Wohin? Musterseite aus einem ­„echten“ Dakar-Roadbook, schön ­bemalt vom vierfachen Sieger Michel Périn, Stamm-Copilot von Nani Roma.

Ein Runde mit Nani Roma

Zum Schluss eine Runde mit Nani Roma am Fahrersitz. Einer der drei, die die Dakar mit Motorrad und Auto gewonnen haben. Nach Vollgas auf eine 20 Meter hohe Düne surft er auf deren Kamm, dass zunächst unklar ist, ob wir uns jetzt rechts oder links davon runterkugeln werden. Zum Schluss ein Sprung, bei der Landung sehe ich Sternderl – der Mini nimmt es duldsam. „Seid ihr nicht alle ein bissl ­masochistisch?“ Nani, trocken, ins Intercom: „Das ist Grundvoraussetzung!“

Mini All4 Racing Wallpaper:

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© Bild: Mini
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© Bild: Mini
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© Bild: Mini
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© Bild: Mini

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