Daniel Ricciardo und Christian Horner in Melbourne 2014
Red Bull Teamchef Horner im Interview
 

F1 Melbourne: Red Bull Teamchef Horner im Interview

Christian Horner über Veränderungen im Team, den Schlüssel zur WM und den Zuspruch der österreichischen Fans.

14.03.2014 APA

Vier WM-Titel in Serie können sich im Lebenslauf sehen lassen. Christian Horner zählt zu einer der erfolgreichsten Protagonisten in der Königsklasse, selbst als möglicher Nachfolger von Langzeit-F1-Boss Ecclestone war er im Gespräch.

Der Schlüssel zur WM

Christian Horner ist in der Formel 1 mittlerweile ein gefragter Mann. Mit der APA – Austria Presse Agentur sprach der 40-jährige Engländer zu Saisonstart über Veränderungen im Team, den Schlüssel zur WM und den Zuspruch der österreichischen Fans.

Dem Auto wird großes Potenzial bescheinigt. Wenn die Probleme mit dem Renault-Motor behoben sind, ist es ein Siegauto? Vielleicht sogar so dominant wie sein Vorgänger?

Horner: „Wir wissen, dass wir ein schnelles Auto haben. Das Chassis schaut sehr vielversprechend aus, wir müssen aber den Antriebsstrang optimieren. Im Moment sind wir da im Hintertreffen. Mercedes hat beim Motorenpaket einen exzellenten Job gemacht. Es liegt an uns, das so schnell wie möglich aufzuholen.“

Sebastian Vettel ist vierfacher Weltmeister. Welche Rolle kann er in diesem Prozess spielen?

Horner: „Sein Feedback ist entscheidend, das von beiden Fahrern ist es. Momentan sind sie aber sehr limitiert. Sie können nicht viel tun. Es spielt sich mehr hinter den Kulissen ab, auf den Werkbänken und Zeichenbrettern. Dort müssen wir den Fortschritt erzielen.“

Um bei Sebastian zu bleiben: Ist es die größte Herausforderung seiner bisherigen Karriere, sich in diesem Auto zu beweisen?

Horner: „2012 hatten wir zu Beginn der Saison auch Probleme. Da hatte Sebastian nach der Europa-Serie erst ein einziges Rennen gewonnen. Trotzdem haben wir uns zurück in die WM gekämpft.“

Gibt es irgendeinen Fehler, den sich das Team in der Vorbereitung vorwerfen muss?

Horner: „Man kann immer besser sein. Man lernt in diesem Geschäft immer dazu. Zu glauben, dass man schon alles weiß, wäre ein sehr gefährlicher Zugang. Unser Fokus liegt darauf, so schnell wie möglich konkurrenzfähig zu sein und unseren Motorenpartner zu unterstützen.“

Ist jemals über eine Alternative zu Renault nachgedacht worden?

Horner: „Wir haben 47 Grand Prix gewonnen, alle davon mit Renault-Motoren. Es gibt keinen Grund, irgendetwas daran zu ändern. Renault war sogar eine der treibenden Kräfte hinter dem neuen Motorenreglement. Wir haben Vertrauen in sie.“

Über den besten Motor verfügt dennoch Mercedes. Ist das Werksteam für Sie der WM-Favorit?

Horner: „Sie müssen es sein. Sie haben die beste Vorbereitung gehabt. Sie haben ein zuverlässiges, schnelles Auto mit gutem Antriebsstrang. Auch wenn man sich die Kundenteams Williams, McLaren und Force India anschaut, das Werksteam muss das Beste sein. Sonst haben sie ein Problem.“

Sie haben mit Mark Ellis und Giles Wood im Winter zwei wichtige Ingenieure an Mercedes verloren. Ein Zeichen für Spannungen im Team?

Horner: „Nein, überhaupt nicht. Keiner von ihnen hat die Firma bisher verlassen, das passiert erst. Mark Ellis hat das Ende seines Vertrages erreicht. Er hat sich für einen anderen Weg entschieden. Das erlaubt anderen in der Gruppe, sich zu entwickeln. Das ist ein natürlicher Prozess.“

Sie selbst haben im Vorjahr einen neuen Langzeitvertrag unterschrieben. So motiviert wie immer, ihn zu erfüllen?

Horner: „Absolut, manchmal braucht es auch eine Herausforderung. Sie ist gesund für das Team. Es erinnert dich daran, das Siegen niemals für selbstverständlich zu halten. Es ist extrem schwierig, einen Grand Prix zu gewinnen. Das Ausmaß, das wir in den vergangenen fünf Jahren gewonnen haben, ist abnormal.“

Was hat sich an der Ausgangsposition geändert?

Horner: „Der Motor ist spielentscheidend. Es gibt drei fundamentale Aspekte in der Formel 1: das Chassis, den Fahrer und den Motor. Wir haben ein sehr gutes Chassis, wir haben unglaublich gute Fahrer und wir haben einen starken Motorenpartner. Im Moment sind wir aber beim Antriebsstrang im Hintertreffen. Wir müssen dieses dritte Element hinbekommen, das ist der Schlüssel in diesem Jahr.“

Wenn das gelöst ist, dann wird alles gut?

Horner: „Wenn man es nicht verkomplizieren will, dann ja, das ist fundamental.“

Die Formel 1 kehrt in diesem Jahr nach Österreich zurück. Was fühlt sich mehr als Heimrennen an – Spielberg oder Silverstone?

Horner: „Silverstone ist unser lokales Rennen, Österreich ist unser Heimrennen. Es ist fantastisch für Red Bull, auf dem Red Bull Ring zu fahren. Ich habe sehr gute Erinnerungen an die Strecke. Ich habe dort 2002 mein erstes Formel-3000-Rennen als Teamchef gewonnen. Es ist großartig für die Formel 1. Die Leidenschaft der österreichischen Fans ist mit der der Tifosi vergleichbar.“

Haben Sie das Gefühl, dass die Fangemeinde für Ihr Team in Österreich in den vergangenen Jahren gewachsen ist?

Horner: „Wir spielen jedes Mal die österreichische Hymne, wenn wir einen Grand Prix gewinnen. Es ist viel Nationalstolz dabei für das, was das Team erreicht hat. Wir haben eine österreichische Lizenz, gehören zu 100 Prozent Red Bull, wir operieren nur von Großbritannien aus. Es ist fantastisch, vor Heimpublikum zu fahren.“

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