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Trento Bondone!

Bergrennen all’italiana: Am Wochenende des 7. Juli 2013 traf man sich in Trento um den Monte Bondone zu bezwingen. Rennbericht.

16.07.2013 Online Redaktion

Nicht weniger als 17,3km schönsten Asphaltes, auf den Berg gemalt in Form von Kurven und Kehren und kurzen Geraden. Man hätte ob der pittoresken Landschaft, der schönen Stadt und der Italianitá ins Schwärmen geraten können, wäre da nicht die Geräuschkulisse gewesen, die Bergrennen geschrien und somit klar gemacht hat, worauf es an jenem Wochenende angekommen ist. Es war die 63. Auflage des Rennens von Trento in das 1350m höher gelegene Dörfchen Vason. Die Straße dorthin steigt mit durchschnittlich 8,88% und ist eine unglaubliche Abfolge von Kurvenkombinationen und Haarnadeln.

 

Die Kehre 24

Freitagabend war die Stecke schon gut besucht, zumindest in unserer Kehre of choice, der tornante ventiquattro. Die von der Rennatmosphäre offenbar angefixten Einheimischen haben in M3 & Co ihr Driftgeschick präsentiert. Bald hat sich außerdem herausgestellt, dass die Gäste an der Strecke die Lärmproduktion zur absoluten Priorität erklärt haben. Neben echt männlichen Krachern in Mülltonnen hat man die Fehlzündung als probates Mittel erkannt. Zu deren Erzeugung gedient haben, unter anderem, mehr oder weniger funktionierende Motoren auf Paletten und eine Kettensäge ohne Kette, aber dafür mit gewaltigem Auspuff. Die jeweiligen Lärmbeauftragten waren bemerkenswert geübt im Provozieren lauter Knalle: Kurzer Riss am Gasseil – TUSCH – Riss – TUSCH – Riss – TUSCH und so weiter. Eh lustig eigentlich. Das gleiche gilt für die selbsternannten Kommentatoren, die die Geschehnisse mit Bier und Megafon in den Händen süffisant begleitet haben. Ehrlicherweise muss man hier anmerken, dass die Süffisanz wegen des schwer zugänglichen italienischen Dialektes nicht mit letzter Sicherheit bestätigt werden konnte.

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Auch der Exekutive scheint es zu gefallen

Die Einsatzkräfte sind dem Ganzen jedenfalls sehr gelassen begegnet, so wie sie der ganzen Veranstaltung trotz unübersehbarer Präsenz generell nicht im Weg gestanden sind. Am Samstag vor dem ersten Training haben es sich die Carabinieri auch nicht nehmen lassen, die letzten Kontrollfahrten auf der frisch gesperrten Strecke im Konvoi und durchaus beherzt anzugehen. Die am Boden kratzenden Fußrasten der schweren Polizei-BMW waren ein deutliches Hinweis auf die Unfähigkeit – oder den Unwillen – der Poliziotti, sich den Reizen dieser gegenverkehrsfreien Kurvenorgie zu verschließen.

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Das Starterfeld ist ein buntes

Das Training am Samstag eröffnet haben die historischen Geräte, genauer drei Puch 650TR aus Österreich als Vertreter der kleinsten Klasse. Es ist dann – mehr oder weniger geordnet – in Leistungs- und Hubrauminkrementen hochgegangen bis zu den in Würde gealterten Sportprototypen von Lola oder Osella. Dazwischen hat sich ein ziemlich mannigfaltiges Feld aus Tourenwagen und Rallye-Autos eingefunden. Zum Beispiel Lancia Beta Montecarlo, Hundeknochen-Escort (Christian Kornherr!) und Porsche 911, aber auch einige Škoda, eine Fulvia und sogar ein VW Passat Gruppe 2. Ein Alfa GTA hat neben seiner eigenen Großartigkeit noch den besten Teamnamen überhaupt mitgebracht: Gruppo Piloti Forlivesi. Got it?

Bei den Modernen waren die Einsteigerklassen mit den grantigen, meist französischen, Kleinen gut gefüllt. Die wirklich schnellen Gruppe N-Evos haben dann zu den GTs übergeleitet, also 911 GT3, M3 und diversen Ferrari. Am oberen Ende haben sich die Formel- und Sportwagen vorbereitet, den Sieg unter sich auszumachen. Absoluter Favorit war natürlich Simone Faggioli. Der Florenzer gibt das europäische Bergrenn-Zepter schon seit Jahren nicht aus der Hand.

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Nachgewürzt mit Exoten (Mazda 3 mit Formel-Technik und Wankelmotor oder wilder tschechischer Lotusumbau) ergab sich ein an sich tolles Starterfeld, allerdings haben ein paar spektakuläre Gäste der letzten Jahre durchaus gefehlt. Die sauschnellen und klangstarken ITC-Alfa 155 beispielsweise, einige WRC- und Gruppe B-Autos oder die unglaublichen Spezialgeräte mit PKW-Karosserien, aber Formel 3-Motoren. Ob das mit der, den Italienern doch merklich in den Köpfen herumgeisternden, Krise zusammenhängt ist unwahrscheinlich, aber es ist doch  bezeichnend, dass das Editorial des Programmheftes mit „Wenn die Faszination stärker ist als die Krise“ betitelt war.

Am Abend vor dem Rennen war von Krise jedenfalls nichts zu spüren. Die Campingwiese war voll und schon hart an der Grenze zum Festival. Die Leute waren entsprechend ausgerüstet und haben der Zeltstadt mindestens fünf temporäre, aber echt brauchbare, Diskos geschenkt, die die nächtliche Bergwelt mit – meist wirklich guter – Technomusik beschallt haben.

 

Simone Faggioli gewinnt zum vierten Mal in Folge

Vor dem Start am Sonntag hat es wieder die üblichen Polizeikonvois gegeben, dazu durften die lokalen Motorsportklubs ihren Preziosen die Sporen geben. Das Rennen selbst ist zu einer überraschend knappen Geschichte zwischen dem Trentiner Christian Merli und dem dominanten Faggioli geworden. Merli ist in einer kleineren Klasse an den Start gegangen, war aber trotzdem im eher engen Geläuf am Anfang der Strecke voran. Erst im oberen, weitläufigeren Teil hat er dann seinen zum Schluss acht Sekunden starken Rückstand ausgefasst.

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Am Ende ist Simone Faggioli seiner Favoritenrolle also gerecht geworden. Ein verdienter und sympatischer Sieger, der trotz seines furiosen Fahrstiles mitunter Zeit findet, seinen Fans zuzuwinken –  zum Beispiel wenn er eine Haarnadel anbremst. Besonders viel gewunken hat er auch bei der Abfahrt nach dem Rennen, als das ganze Feld aufgefädelt wieder ins Tal gerollt ist. An den Schlüsselstellen wird der  Konvoi üblicherweise von den Leuten an der Strecke gestoppt und von jedem Fahrer eine milde Gabe in Form von Kavalierstarts oder „Gummi“ eingefordert. Die Fans werden nur sehr selten enttäuscht, auch dieses Mal haben sich die Fahrer gnädig gezeigt.

Bester Österreicher war übrigens Christian Schweiger auf Mitsubishi Evo VII. Er war einer der absolut Schnellsten ohne Formel- oder Sportwagematerial und hat sich in seiner Klasse nur dem Tschechen Lukas Vojacek – denkbar knapp – geschlagen geben müssen. Herr Schweiger hat den Aufwand, bei diesem von seiner Hartberger Heimat doch ziemlich weit entfernten Rennen anzutreten, folgendermaßen gerechtfertigt: „Nur wer den Monte Bondone bezwungen hat, darf sich als Bergrennfahrer bezeichnen“. Dem ist wohl nichts hinzuzufügen. Obwohl… eine Sache schon, nämlich die offizielle Ergebnisliste.

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  • Fritz BAUMGARTNER

    Ich war einmal ein begeisterter „Bergrennen“ Fahrer auf einem Mini Cooper S ! Für mich ist eine Bergrennen die schönste Art mit einem Motorfahrzeug um die Wette zu fahren.

    Mit besten Grüssen aus Baden

    Fritz Baumgartner

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