Vettel und Ricciardo erklären uns die Regeländerungen in einem animierten Video. (Punkt 4)© Red Bull Content Pool
Vettel und Ricciardo erklären uns die Regeländerungen in einem animierten Video. (Punkt 4)© Red Bull Content Pool
 

9 Fragen zum Formel 1 Saisonstart

Die Königsklasse des Motorsports startete am Wochenende in Australien in die neue Saison. Was ist neu? Was erwartet uns?

16.03.2014 Online Redaktion

Am Wochenende startete die Formel 1 Saison 2014. Es ist die mittlerweile 65. Auflage der Königsklasse des Motorsports. Zum Auftakt bieten wir Ihnen einen Überblick zu den wichtigsten Fragen der neuen Saison.

1. Welche Fahrer gehen an den Start?

Insgesamt nehmen elf Teams, also 22 Fahrer, an der Weltmeisterschaft teil. Während die Teams bis auf kleine Änderungen im Namen ident mit jenen des Vorjahres sind, sind bei den Piloten vier neue Gesichter dabei. Der russische GP3-Champion Daniil Kwjat debütiert bei Toro Rosso, Kevin Magnussen, dänischer Meister der Formel Renault 3.5, startet für McLaren und der Schwede Marcus Ericsson, Sechster der vergangenen GP2-Saison, konnte ein Cockpit bei Caterham ergattern. Dazu gibt Kamui Kobayashi an der Seite von Ericsson sein Comeback. Nicht mehr zu sehen gibt es Mark Webber (jetzt WEC) und Paul di Resta (jetzt DTM) sowie nur noch bedingt Charles Pic und Giedo van der Garde (beide Testfahrer). Lediglich bei Marussia und Mercedes blieb die Fahrerpaarung unverändert.

© APA/Lisa Partaj

Die Formel 1 Autos der Saison 2014.

2. Wie viele Rennen gibt es?

Nachdem lange Zeit von bis zu 22 Rennen die Rede gewesen war, kommt der aktuelle Kalender ebenso “schlank” daher wie der letztjährige. 19 Grand Prix stehen auf dem Programm, das erstmals seit 2003 auch wieder einen Österreich-GP enthält. Dazu feiert die Königsklasse des Motorsports ihre Premiere in Russland, wo ein Rennen im Olympia-Austragungsort Sotschi über die Bühne geht. Gestrichen wurden dafür mit Korea und Indien zwei asiatische Strecken. Gemäß des Rotationsprinzips wird der Große Preis von Deutschland wieder am Hockenheimring statt am eben verkauften Nürburgring ausgetragen. Der Grand Prix vor der Haustüre New Yorks befindet sich ebenso noch in der Warteschleife wie das Rennen in Mexiko.

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3. Wann kommt die Formel 1 nach Österreich?

Das Highlight für alle heimischen Motorsport-Fans, das Comeback des Großen Preis von Österreich, findet am Wochenende von 19. bis 22. Juni statt. Und die Veranstalter zählen bereits die Tage, um alle Arbeiten rechtzeitig fertigstellen zu können. “Der Umbau ist im Plan, auch wenn es knapp werden wird”, hatte Didi Mateschitz Mitte Februar nach den letzten erteilten Genehmigungen verkündet. “Es ist alles bereit”, versicherte Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko. Dem persönlichen und finanziellen Einsatz von Konzern-Boss Mateschitz ist es zu verdanken, dass im steirischen Spielberg wieder die imposantesten aller Motorsportwägen ihre Runden ziehen. Alle, die dabei sein wollen, und noch keine Tickets besitzen, sollten dies schnell nachholen, sind doch nur noch wenige Plätze – insgesamt werden an den Veranstaltungstagen 225.000 Zuseher erwartet – zu haben.

Luftaufnahme vom Spielbergring in Österreich

© Bild: APA / Erwin Scheriau

4. Was ist alles neu?

Neue Fahrer und neue Strecken. Doch das große Thema in der Vorbereitung waren die Neuerungen im Reglement. Gravierendste Veränderung im technischen Bereich: Statt eines V8-Motors werden die Autos nun von V6-Aggregaten mit Turbolader betrieben. Die fehlende Leistung soll durch ein ausgetüfteltes Energierückgewinnungs-System (ERS; ähnlich dem bereits bekannten KERS) kompensiert werden. Dazu gibt es einen gesenkten Benzinverbrauch (nur noch 100 Kilogramm Treibstoff pro Rennen), nur noch ein Auspuff-Endrohr, Änderungen im Chassis (u.a. tiefe Nase) und ein gesteigertes Mindestgewicht von 690 Kilogramm.


Auch im sportlichen Bereich erwartet den Zuschauer einiges an Novitäten. So gibt es nun für Vergehen der Fahrer auf der Rennstrecke ein eigens geschaffenes Punktesystem, das bei zwölf “gesammelten” Punkten zu einer Sperre des Piloten für ein Rennen führt. Darüber hinaus wurde eine neue Fünf-Sekunden-Zeitstrafe für kleinere Vergehen eingeführt, die eine unangemessen harte Durchfahrtsstrafe ersetzt. Neben weiteren kleineren Reformen (Testfahrten während der Saison, fixe Startnummern, zusätzlicher Reifensatz für das freie Training) sorgte die Ankündigung von doppelter Punktezahl im letzten Rennen für den wohl größten Aufruhr und viel Kritik auch seitens der Fahrer.

 

5. Wird es endlich spannender?

Vor allem die Einführung doppelter Punkte und damit die erstmalig vorgenommene unterschiedliche Wertung eines Rennens ist darauf ausgerichtet, die Spannung bis zum Saison-Finale aufrecht zu erhalten. Die Dominanz von Red Bull Racing und Serien-Weltmeister Sebastian Vettel ist für die Vermarktung der Formel 1 nicht sonderlich hilfreich. Schmähnamen wie “Formel Gähn” will sich die Königsklasse in der neuen Saison nicht mehr nachsagen lassen. Und ausgerechnet der britisch-österreichische Rennstall scheint Bernie Ecclestone entscheidend dabei zu helfen.

Nach der enttäuschenden und teils blamablen Performance bei den Testfahrten in Jerez und Bahrain stapelt man auch bei Red Bull tief und schiebt die Favoritenrolle geschickt von sich ab. Team-Besitzer Didi Mateschitz zeigte sich jüngst über die neue Situation erfreut: “Als F1-Fan freue ich mich, dass es offensichtlich wieder spannender wird und unsere Dominanz vielleicht zu Ende ist.” Ganz so drastisch sieht es Experte Gerhard Berger noch nicht gekommen, dem Tiroler zufolge liegen die “Bullen” spätestens Mitte der Saison wieder klar vor der Konkurrenz..

6. Was ist das Problem von Red Bull Racing?

Insgesamt zwölf Testtage standen den Teams zur Verfügung, an jedem einzelnen davon machte Red Bull durch technische Probleme von sich reden. “Der Saisonauftakt kommt für uns mindestens zwei Monate zu früh”, fasste es Motorsportchef Helmut Marko treffend zusammen. Dabei liegt das Kern-Problem nicht bei den “Bullen” sondern bei Motorlieferant Renault. “Sie haben die Entwicklung in der Motorenabteilung aus irgendeinem Grund verschlafen”, suchte auch Gerhard Berger nach einer Erklärung. Fakt ist, dass das neue Antriebs-Aggregat noch nicht entscheidend gekühlt werden kann und deshalb ständig überhitzt. Hauptproblem sei laut Marko der komplexe Antriebsstrang von Renault . Dieser wäre nur isoliert auf dem Prüfstand gestanden, nicht aber mit einem Getriebe. Bei den ersten Tests in Jerez seien dann Probleme aufgetaucht, die bis heute nicht behoben werden konnten.

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© Roman Rios / EPA / picturedesk.com

7. Wer wird der Shooting-Star der Saison?

Die drei Rookies wurden unter Frage 1 schon kurz vorgestellt. Paydriver Marcus Ericsson, der erste schwedische Stammfahrer seit Stefan Johansson 1991, sitzt in einem Caterham und damit in einem kaum konkurrenzfähigen Auto, GP3-Champion Daniil Kwjat wird im Toro Rosso wohl ein paar Punkte einfahren. Bleibt also Kevin Magnussen. Der Däne ist der erste Newcomer bei McLaren seit Lewis Hamilton, der seine Debütsaison als WM-Zweiter beendete. Dass diese Fußstapfen für den 21-Jährigen nicht zu groß sind, beweist seine gute Performance bei den Testfahrten in Jerez und Bahrain. Darüber hinaus könnte der Zeitpunkt für einen Einstieg in die Königsklasse nicht besser gewählt sein. Die Neulinge fangen in der Formel 1 an, “wenn sie für alle neu ist”, erklärt Routinier Felipe Massa. “Wenn sie ein gutes Auto haben, dann können sie gleich eine gute Leistung zeigen.” Und über das beste Auto verfügt aktuell eben eindeutig Magnussen.

Kevin Magnussen

Kevin Magnussen folgt Sergio Perez bei McLaren.

8. Wo steht Ferrari?

Seit 2008 wartet die Scuderia auf einen Konstrukteurs-Titel, noch ein Jahr davor gab es den letzten roten Formel-1-Weltmeister. Dieser hieß Kimi Räikkönen und feiert in dieser Saison sein Comeback beim italienischen Traditionsteam. Somit geht Ferrari wieder mit zwei “Alpha-Tieren” ins Rennen. Der feurige Doppelweltmeister aus Asturien und der “Iceman” aus Finnland – eine brisante Mischung. Dass aus der zu erwartenden Reibung auch positive Energie für das Team entstehen kannt, ist die Hoffnung der Verantwortlichen. “In erster Linie gilt es, dem Team zu helfen”, betont auch Alonso in einem Interview mit der spanischen “MARCA”. Der 32-Jährige lobt Räikkönen darin als den vielleicht schnellsten und talentiertesten Fahrer im Feld und freut sich auf die Zusammenarbeit. In der Vorbereitung lief die gemeinsame Auswertung der Test-Daten “hervorragend”, mit ein Grund für zufriedenstellende Kilometerzahlen und Zeiten in Jerez und Bahrain. Auch wenn Getriebeprobleme das Gesamtbild noch etwas trüben, scheint man in Maranello für alte Erfolge bereit zu sein.

© flickr.com / p_c_w

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9. Ist Bernie Ecclestone immer noch der große Zampano?

Seit fast vier Jahrzehnten leitet Bernard Charles Ecclestone die Geschicke der Formel 1 und ein Ende ist weiterhin nicht abzusehen. Zwar trat der milliardenschwere Brite im Zuge des in Deutschland geführten Prozesses wegen Bestechung und Anstiftung zur Untreue von seinem Posten als Vorstandsmitglied der Formel-1-Holding zurück, intern führt er die Geschäfte aber weiter und plant bereits den nächsten Schritt zu neuen Märkten.

Mit 83 Jahren muss die Frage nach einer Nachfolge aber erlaubt sein, dessen ist sich auch Ecclestone bewusst. Auch wenn er selbst weiterhin voller Elan strotzt („Wir fangen gerade erst an“), nimmt der Geschäftsmann Stellung zu einer etwaigen Wachablöse. Wichtig für eine Amtsübergabe sei Ecclestone, dass ein potentieller Nachfolger mit dem Sport vertraut ist. „Wenn jemand von außen kommt, ein Unternehmenstyp, glaube ich nicht, dass ich mit ihm arbeiten könnte.” Bis es aber so weit ist, laufen alle Fäden weiterhin beim 1,60-Meter großen, grauhaarigen Brillenträger zusammen – dem Gesicht der Formel 1.

Besten Dank an den Kollegen Christian Eberle von NEWS.AT.

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  • Siegfried

    Ich finde ,wenn ich mit der Carrerabahn meines Enkel´s fahre gibt es mehr Spannung und Aktion als bei der neuen Formel-1!
    Diese Rennen war total langsam und ohne Spannung,da kann sich NIKI Lauda noch soviel über den Sieg freuen für Mercedes ,es war wie auf einem anderen Stern.
    Als Formel-1 Fan überlege ich schon, ob ich mir das nächste Rennen überhaupt noch ansehe,daß hat mit dem bisherigen Rennsport nicht`s mehr zu tun!
    Es war TAXIFAHREN auf einer Rennstrecke oder mit 80KMh auf der Autobahn in Salzburg, neben dem Flugplatz!
    Es ist überinszeniert und eine Zumutung solche unausgegorenen „Rennauto´s“ auf die Strecke zu schicken.
    Schade das Red Bull soviel Geld in die neue Rennstrecke investiert hat.
    Die Regel,daß nur 100kg Sprit verbraucht werden darf und beim letzten Rennen die doppelten Punkte vergeben werden könnte von Putin oder von Fr.Rössler von den Grünen stammen.
    Hr.Ecclestone das ist sehr krank und unsportlich!

    • hellipirelli

      Ich finde es nachvollziehbar, dass das F1-Reglement in Richtung Optimierung des Gesamtwirkungsgrads weiterentwickelt wurde. Es ist ja auch schwierig, die F1 als Krone der automobilen Entwicklung zu verkaufen, wenn jeder dahergelaufene Straßen-Lexus mehr High Tech an Bord hat als ein F1-Auto. Die, die ganze Show inszenieren und großteils bezahlen, nämlich Mercedes-Benz, Renault, Fiat/Ferrari und Honda, wollen ja durch Erfolge in der F1 ihre technische Kompetenz vermitteln. Und deshalb haben sie sich dieses Reglement gegeben.
      Bezüglich der Zahl der Ausfälle beim GP von Australien war ich positiv überrascht. Wenn man Grosjean und Massa (Unfall) abzählt, sind nur 5 Autos ausgefallen, darunter die üblichen Verdächtigen Caterham und Lotus.

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