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In Deutschland zu schnell gefahren? So werden die Bußgelder in Österreich geahndet

Punkte, Bußgelder und Fahrverbot: Bei einer Verkehrsordnungswidrigkeit in Deutschland kann das eine oder andere unliebsame Souvenir anfallen.

23.09.2015 Online Redaktion

Werden deutsche Verkehrsstrafen in Österreich verfolgt?

Ob Geschwindigkeitsüberschreitung, Rotlichtverstoß oder Überladung: Die Liste der Verkehrsordnungswidrigkeiten ist lang, und die anfallenden Sanktionen folgen einem eher unübersichtlichem Prinzip. Ein Verkehrsverstoß, den ein Österreicher in Deutschland begangen hat, wird über die Ländergrenzen weg verfolgt. Bereits bei Geldbußen im Inland sind manche Autofahrer aufgrund der Höhe und der Rechtmäßigkeit der Strafen verunsichert. Landet jedoch ein Bußgeldbescheid aus dem Ausland im heimischen Briefkasten, lassen sich die im amtlichen Dokument aufgezählten Sanktionen für Unkundige nur schwer überprüfen. Autofahrer, die hin und wieder in Deutschland unterwegs sind, sollten rechtzeitig Informationen zum deutschen Bußgeldkatalog einholen, um sich mit den möglichen Konsequenzen bei Verkehrsordnungswidrigkeiten vertraut zu machen.

Bei acht Punkten droht der Führerscheinentzug

Im Unterschied zum hiesigen Bußgeldkatalog ist die deutsche Bußgeldtabelle relativ eindeutig was die Höhe der Sanktionen für die einzelnen Tatbestände betrifft. Die Sanktionen für die einzelnen Verstöße hat der Gesetzgeber bundeseinheitlich festgelegt. Neben den Bußgeldern hält der Bußgeldkatalog auch weitere Maßnahmen zur Disziplinierung der Autofahrer parat. Das Prinzip des deutschen Punktesystems entspricht dem des österreichischen Vormerksystems. Bei Verkehrsordnungswidrigkeiten, die die Verkehrssicherheit beeinträchtigen, kommen als Sanktionsmaßnahme zu einer Verkehrsordnungswidrigkeit ein bis drei Punkte im deutschen Verkehrszentralregister in Flensburg dazu. Hat ein Führerscheininhaber den achten Punkt gesammelt, muss er seinen Führerschein dauerhaft abgeben.

Tilgung der Punkte

Glücklicherweise bleiben die gesammelten Flensburger Punkte nicht für immer auf dem Konto, sondern verfallen nach einigen Jahren. Verstöße, die einen Punkt nach sich ziehen, werden bereits nach 2,5 Jahren vom Konto getilgt. Einen einzelnen Punkt gibt es für geringfügige Ordnungswidrigkeiten wie beispielsweise die Handynutzung am Steuer. Ordnungswidrigkeiten, die zwei Punkte nach sich ziehen, also beispielsweise ein Überholvorgang bei unklarer Verkehrslage und Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer, verfallen nach fünf Jahren. Und kam es zu einer Tat, die sogar drei Punkte verursachte – z.B. eine Alkoholfahrt ab 1,1 Promille – so dauert es immerhin 10 Jahre, bis diese Punkte ihr Ablaufdatum erreicht haben.

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Nicht für jedes Vergehen gibt es Punkte

Hat ein Führerscheininhaber acht Punkte gesammelt, führt dies zu einem dauerhaften Entzug der Fahrerlaubnis. Im Unterschied hierzu kann das Fahrverbot als Sanktionsmaßnahme auf wenige Monate begrenzt sein. Die Dauer der Fahrverbote ist im Bußgeldkatalog vermerkt. So fällt bei einem erstmaliger Verstoß gegen die 0,5 Promillegrenze in Deutschland ein Fahrverbot von einem Monat an; kommt es zu einem zweiten oder gar einem dritten Verstoß dieser Art, so sieht der Bußgeldkatalog ein Fahrverbot von drei Monaten vor. Nicht für jedes Vergehen aus dem deutschen Bußgeldkatalog fallen Punkte oder gar ein Fahrverbot an. Die nachfolgende Tabelle listet die Sanktionen für einige häufige Verkehrsordnungswidrigkeiten auf:

Beispiele für Sanktionen laut Bußgeldtabelle

Verstoß Bußgeld Punkte Fahrverbot
Geschwindigkeitsüberschreitung innerorts 21 – 25 km/h 80 Euro 1
Geschwindigkeitsüberschreitung innerorts 31 – 40 km/h 160 Euro 2 1 Monat
Geschwindigkeitsüberschreitung außerorts 16 – 20 km/h 30 Euro
Geschwindigkeitsüberschreitung außerorts 41 – 50 km/h 160 Euro 2 1 Monat
Erstmalige Überschreitung der 0,5 Promillegrenze 500 Euro 2 1 Monat
Ampel bei Rot überfahren 90 Euro 1
Parken auf Gehwegen 20 Euro

 

Was passiert bei einem Verkehrsverstoß in Deutschland?

In Deutschland existiert – wie in Österreich auch – eine Straßenverkehrsordnung (StVO), in der die grundsätzlichen Bestimmungen für das Verhalten der Verkehrsteilnehmer festgelegt sind. Für Österreicher in Deutschland gilt die deutsche StVO. Aber keine Sorge: Im Wesentlichen unterscheiden sich die fahrpraktischen Grundsätze in den beiden Verordnung nicht. Wer den österreichischen Führerschein erworben hat, fährt damit auch in Deutschland gut. Doch was passiert, wenn ein österreichischer Autofahrer auf deutschen Straßen die Verkehrssicherheit gefährdet, in dem er einen Verstoß aus der Bußgeldtabelle begeht? In diesem Fall kann der Autofahrer damit rechnen, bald Post in Form eines Bußgeldbescheids von einer deutschen Bußgeldbehörde zu erhalten. Die Höhe der deutschen Bußgelder ist moderat, wie ein Vergleich mit anderen Verkehrsstrafen in Europa zeigt.

Kooperation der Bußgeldbehörden

In Deutschland nehmen jährlich fast 22 Millionen ausländische Fahrzeuge am Straßenverkehr teil, und natürlich begehen auch die Führer dieser Fahrzeuge Verstöße gegen verkehrsrechtliche Bestimmungen. Um den deutschen Behörden die Verfolgung der ausländischen Verkehrssünder zu erleichtern, kooperieren die österreichischen Behörden mit den deutschen Bußgeldstellen und übermitteln beispielsweise die Adressen von geblitzten Autofahrern an sie. Diese Kooperation beruht auf dem Deutsch-Österreichischem Vertrag über Amts- und Rechtshilfe in Verwaltungssachen vom 31.Mai 1988. Laut diesem Abkommen übermitteln die zuständigen Behörden der jeweiligen Länder Halterdaten der Fahrzeuge an das jeweils andere Land, wenn wegen einer Verkehrsordnungswidrigkeit ermittelt wird – jedoch erst dann, wenn das zu erwartende Bußgeld bei mindestens 25, 44 Euro liegt. Im April findet in Deutschland übrigens wieder einmal ein Blitzermarathon statt – bundesweit gibt es in diesem Zeitraum verstärkt Geschwindigkeitskontrollen. In diesem Zeitraum sollte man seinen Tacho also besonders gut im Auge behalten.

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Fahrverbot in Deutschland

Der Bußgeldkatalog sieht für besonders gravierende Verstöße gegen das Verkehrsrecht Fahrverbote vor, die zwischen einem und drei Monaten andauern sollen. Ein Fahrverbot gilt aber nur im Inland. Behalten deutsche Polizisten den Führerschein eines Autofahrers ein – weil dieser beispielsweise alkoholisiert war – wird dieser zunächst an die österreichischen Behörden geschickt. Ob diese ihn dann anstandslos an den Verkehrssünder weitergeben oder ihrerseits ein Fahrverbot aussprechen, liegt in deren Ermessen.

Übrigens: Laut § 14 im österreichischen Führerscheingesetz muss ein Autofahrer seinen Führerschein im Original dabei haben. Wurde der Führerschein also in Deutschland eingezogen, genügt die kopierte Fahrerlaubnis bei einer Fahrt in Österreich nicht.

Verordnung einer MPU – dauerhaftes Fahrverbot in Deutschland

Bei einer Alkoholfahrt können die deutschen Behörden neben dem Fahrverbot aber auch eine MPU anordnen. Durch diese Verordnung einer MPU haben die Behörden in Deutschland bereits dann die Möglichkeit, einem Verkehrsteilnehmer den Führerschein zu entziehen, wenn dieser noch keine acht Punkte auf seinem Konto hat. Erst wenn ein positives MPU-Gutachten vorliegt, kann der Führerschein neu erteilt werden. Bis dahin ist tunlichst davon abzuraten, in Deutschland Auto zu fahren; schließlich kann Fahren ohne Fahrerlaubnis eine Gefängnisstrafe von bis zu 6 Monaten oder eine Geldstrafe nach sich ziehen.

Der deutsche Bußgeldkatalog ist bundesweit einheitlich gestaltet, was den Autofahrern von vornherein Sicherheit bezüglich der zu erwartenden Sanktionen gibt. In Österreich unterscheiden sich die Bußgelder innerhalb der verschiedenen Landkreise dagegen teilweise drastisch. Wer nun noch einmal nachlesen möchte, wie das Bußgeldsystem in Österreich gestaltet ist, findet auf bussgeldkatalog.org die notwendigen Informationen.

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  • Samsung

    Fande ich auch heftig zu sehen, wie unterschiedlich da europaweit vorgegangen wird.

  • Kretafan

    Sehr interessanter Artikel, denkt man ja gar nicht dass die Sanktionsysteme von Österreich und Deutschland sich so sehr unterscheiden…

  • Peter

    Ich bin ja skeptisch, dass die Verfolung über die Grenzen hinweg so einfach ist, also meines Erachtens muss man das nicht bezahlen…

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