5 Mythen zu „Alkohol am Steuer“

Wir stellen die gängigsten 5 „Volksweisheiten“ zum Thema Alkohol und Autofahren auf den Prüfstand. Und stimmt die Rechnung 2 Bier = 0,5 Promille?

14.12.2015 Online Redaktion

Bevor wir zu den 5 gängigesten Mythen rund um das Thema „Alkohl am Steuer“ kommen, wollen wir noch ein paar Punkte näher beleuchten und wenn ihr schon immer wissen wolltet, wie ihr euch am besten bei einer Verkehrskontrolle verhalten solltet, dann haben wir hier alles für euch zusammengefasst.

Wie viel Alkohol ergibt wie viele Promille?

2 Halbe Bier (2×500 ml) mit einem Alkoholgehalt von 5 % Vol. ergeben 50 ml reinen Alkohol, also umgerechnet 40 Gramm Alkohol, den man zu sich nimmt. (da Alkohol eine geringere Dichte als Wasser aufweist). Diese 40 Gramm Alkohol lösen sich in allen Körperflüssigkeiten auf, nicht aber in den Knochen. Daher werden bei der Promille-Berechnung die Knochen herausgerechnet.

Der Anteil an Körperflüssigkeit zu Knochen ist bei Männern und Frauen unterschiedlich, woraus sich diese beiden Formeln zur Berechnung des Promille-Gehaltes an Alkoholergeben:

  • Männer = (Alkoholmenge in Gramm) / [(Körpergewicht in kg) x 0,68]
  • Frauen = (Alkoholmenge in Gramm) / [(Körpergewicht in kg) x 0,55]

Das bedeutet: Ein Mann mit einem Körpergewicht von 90 kg und 2 leeren Biergläsern vor sich (1.000 ml) ergibt: 0,65 Promille Blutalkoholkonzentration (40 Gramm Alkohol mal 90 kg mal Faktor 0,68)

In der Praxis stellt sich die Alkohol-Frage noch wesentlich komplexer dar. Der Alkoholspiegel im Blut hängt nämlich auch noch von anderen Dingen ab:

  • Einerseits vom Zeitraum, über den ihr alkoholische Getränke konsumiert, von eurem Geschlecht, sowie auch von eurem Gewicht usw.
  • Ebenso können Medikamente den Alkoholabbau stark beeinflussen und beeinträchtigen. (Wobei wir von Alkoholkonsum bei gleichzeitiger Medikamenteneinnahme ohnehin dringend abraten.)
  • Und auch wie schnell eure Leber (sie trägt neben Nieren und Lunge die Hauptlast) den Alkohol wieder abbaut und ausscheidet, liegt nur bedingt in eurem Einflussbereich. Je nach allgemeinen Gesundheitszustand und dem eurer Leber, kann das von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein.
  • Vor allem bei Cocktails, Mischgetränken (Soft- und Energydrinks), Glühwein und Punsch kommt noch ein zusätzlicher Faktor ins Spiel: Zucker lässt den Alkohol noch schneller in euer Blut gelangen – was den bekannten berauschenden Zustand noch schneller und stärker auslöst.

5 gängige Volksweisheiten zum Thema „Alkohol am Steuer“ auf dem Prüfstand

1. „Vor dem Alkoholkonsum reichlich essen!“

Der Wahrheitsgehalt dieser Empfehlung liegt tatsächlich nicht im Promillebereich sondern hat einen wahren Kern: Die aufgenommene Nahrung führt dazu, dass der Alkohol länger im Magen verbleibt und somit später und langsamer über den oberen Dünndarm in die Blutbahn gelangt. Aber: Verhindern lässt sich die Alkoholaufnahme auch so nicht, sondern eben nur verzögern.

2. „Viel Wasser zum Alkohol trinken!“

Auch hier können wir durchaus zustimmen: Wasser trinken ist bekanntermaßen der Gesundheit im Allgemeinen sehr förderlich! Aber: Es ändert halt nichts am Alkoholisierungsgrad, sondern gleicht lediglich die dehydrierende Wirkung von Alkohol aus.

3. „Ein paar Stunden vor der Fahrt keinen Alkohol mehr trinken!“

Wenn ihr auch die Stunden vor den „paar“ Stunden vor der Fahrt keinen Alkohol getrunken habt, dann können wir dieser Empfehlung nur beipflichten. Habt ihr aber schon reichlich Alkohol „getankt“, werden euch ein paar Stunden nicht mehr helfen: Lediglich 0,1 – 0,15 Promille Alkohol kann der Körper pro Stunde abbauen.

4. „Vor der Abfahrt: Einen Promille-Test im Internet ausfüllen und auswerten!“

Als lustiger Zeitvertreib: Sehr gut geeignet! Als verlässlicher Test, um den Alkoholspiegel festzustellen: Absolut ungeeignet! Viel zu wenige Parameter, die relevant sind, können dabei naturgemäß berücksichtigt werden.

5. „Eine gute Selbsteinschätzung ist das A und O!“

Netter Versuch, aber wie war das nochmal mit der Selbstüberschätzung?

Unser Fazit

Nur die wenigsten gängigen „Weisheiten“ zum Thema „Alkohol am Steuer“ sind auch nur im Ansatz brauchbar. Sie stellen eher eine Gefahr für euren Geldbeutel bei der nächsten Verkehrs-/Alkoholkontrolle dar. Neben der Gefahr für euren Geldbeutel ist aber in unseren Augen eines noch wesentlich wichtiger: Wer die eigene Gesundheit und das Leben anderer wegen Alkohol am Steuer auf´s Spiel setzt, wird im Ernstfall „sein Leben lang nicht mehr glücklich werden“. Zumindest dieser Volksweisheit können wir zu 100% zustimmen.

pixel