Welche Ausstattung ist beim Neuwagenkauf wirklich notwendig?

Neuwagenkäufer wissen: Die Liste der Zusatzausstattung ist manchmal länger als jede der Serienausstattung. Wir geben einen kleinen Wegweiser.

10.08.2015 Online Redaktion

1 – Bringt‘s ein Sportfahrwerk?

Sportfahrwerke bergen oft ein großes Missverständnis: Sie machen das Auto unkomfortabler, und zwar in jeder Fahrsituation. Aber ein VW Golf oder Opel Astra wird auch durch ein Sportfahrwerk nicht zum Sportwagen, es bleibt der hohe Schwerpunkt, die Sitzposition etc. Wer‘s mag, sollte die sportliche Variante einmal probefahren – zwischen einem angenehm straffen, verbindlichen Fahrwerk und einem hölzernen, polternden Unterbau gibt es eine große Bandbreite.

Fahrerlager-Wertung: € – eher nein

2 – Einparkhilfen

Hilfsmittel zum Einparken sind in vielen Autos mittlerweile üble Notwendigkeit: Aerodynamik und Crash-Bestimmungen haben Karosserie-Strukturen immer dicker werden lassen, ambitionierte Designer haben das ihrige dazu beigetragen, dass Autos heute leidig übersichtlich sind. Einparksensoren schaffen da Abhilfe, sie zeigen durch Piepsen, wie weit ein Hindernis entfernt ist. Besonders ausgefeilte Sensoren arbeiten mit den Lautsprechern der Soundanlage und differenzieren auch zwischen Hindernis links und Hindernis rechts.

Einen besonderen Komfort bietet eine Rückfahrkamera, die – möglichst hochauflösend – zeigt, was hinter dem Auto passiert. Leider sind Kameras oft an teure Navigationspakete gebunden, obwohl heute schon Kleinwagen mit großen Farb-Touchscreens ausgerüstet sind.

Ein Thema für sich sind automatische Einparksysteme, die das Auto in die Parklücke lenken. Was sich nach einer albernen Spielerei anhört, kann durchaus hilfreich sein – die Systeme bugsieren das Auto meist auch in enge Lücken, und das ohne Verrenkungen, Felgenschrammen und Schweißausbrüche.

Fahrerlager-Wertung: €€€ –  ziemlich praktisch

3 – Notbremsassistent

Womit wir bei den elektronischen Assistenzsystemen wären, die auf Seiten der Hersteller immer beliebter werden (weil sie Geld bringen und Differenzierung ermöglichen), aber auch im Verdacht stehen, den Leuten das Autofahren als Kunsthandwerk abzugewöhnen.

Ein Beispiel für ein empfehlenswertes Assistenzsystem ist der Notbremsassistent, der mit Hilfe von Kameras oder Radar-Sensoren Hindernisse erkennt, warnt und im Notfall auch selbst eine Vollbremsung einleitet. Bei allen Unkenrufen über Bevormundung: Als letzter Anker ist dieses System eine sehr sinnvolle Investition. Bis 30 km/h können Auffahrunfälle im Normalfall gänzlich verhindert werden, darüber wird der Schaden immerhin begrenzt. Ausgefeiltere Systeme erkennen auch Fußgänger und Radfahrer.

Fahrerlager-Wertung: €€€€ – Pflichtprogramm

4 – adaptiver Tempomat

Nahe verwandt mit dem Notbremsassistent ist der adaptive Tempomat. Hier hält das Auto nicht nur konstant eine vorgewählte Geschwindigkeit, sondern passt sich mit Hilfe von Radar-Sensoren an vorausfahrende Fahrzeuge an – meist auch bis zum Stillstand, inklusive automatischem Wieder-Anfahren. Bevor man dieses teure Extra bestellt, sollte man allerdings eine Probefahrt machen – gute Systeme reagieren schnell, wenn man hinter einem Lastwagen auf die Überholspur schwenkt, schlechte Systeme bremsen früh und stark und brauchen eine Weile, bis sie der Automatik den Befehl zum Kick-Down geben und wieder auf die gewünschte Geschwindigkeit kommen. Bis es so weit ist, kann man im Rückspiegel Designstudien über einen Kühlgrill betreiben.

Fahrerlager-Wertung: €€€ – ziemlich praktisch

5 – Spurhalte-Assistent, Staulenker, Totwinkel-Warner, Müdigkeitsassistenten,…

Ungefähr hier verläuft die Grenze zwischen Hilfsbedürftigkeit und Hausverstand, viele Systeme sind auch nur für bestimmte Zielgruppen sinnvoll – zum Beispiel, wenn man im Jahr 40.000 Kilometer auf Autobahnen verbringt. Da heißt es abwägen, auch weil Assistenzsysteme oft in teuren Paketen zusammengefasst sind

Fahrerlager-Wertung: €€ – kann man haben, muss man nicht haben

6 – vielfach verstellbare Sitze und Lenkrad, Sportsitze

Auch hier gilt: Wer sehr viel unterwegs und/oder besonders groß, klein oder schwer ist, wird es sehr zu schätzen wissen, wenn Lenkrad und Sitz genau angepasst werden können. Tatsächlich ist ein 12-fach verstellbarer Fahrersitz im Normalfall spürbar bequemer als ein einfach höhen- und längsverstellbares Modell, auch weil der Sitz selbst meist aufwändiger ausgeformt ist. Im Entscheidungsfall: Probesitzen, besonders bei ausgewiesenen Sportsitzen – diese sind oft eher eng anliegend geschnitten. Außerdem sollte man sich genug Zeit einplanen, um den Arbeitsplatz auch wirklich richtig einzustellen (LINK: richtige Sitzposition im Auto! Kommt noch…).

Fahrerlager-Wertung: €€€ – ziemlich praktisch

7 – Lederausstattung, Lederlenkrad

Neben allen ästhetischen Befindlichkeiten muss festgehalten werden: Ab der oberen Mittelklasse (BMW 5er et al.) drückt eine fehlende Lederausstattung tatsächlich auf den Wiederverkaufswert – hier gehört die Kuhhaut am Sessel zum feinen Ton. Was gegen eine Lederausstattung spricht, ist, dass sie viel kostet, im Winter lange kalt und im Sommer lange heiß bleibt. Wenn ersteres kein Argument ist, kann man sich auch gleich eine Sitzheizung und -belüftung dazu bestellen und hat keine Probleme mehr.

Auf der Habenseite steht eine pflegeleichte Oberfläche und (zumindest bei teureren Marken) ein haptisches Erlebnis: ein gutes Leder fühlt sich angenehm an und altert auch sehr schön. Überhaupt sind Ledersitze ebenso wie ein feines Lederlenkrad Details, die dem Gehirn über den Tastsinn vermitteln, dass man in einem ordentlichen Auto sitzt. Allein das kann den Griff in die Extra-Liste rechtfertigen.

Fahrerlager-Wertung: €€€ – ziemlich praktisch

8 – Einbau-Navigation

Sie stehen zu horrenden Preisen in der Options-Liste und wirken neben dynamischen Smartphones mit Online-Karten manchmal wie Dinosaurier: Eingebaute Navigationssysteme. Die Infotainment-Systeme wurden in den letzten Jahren in den gewaltigen Sog der Computer-Entwicklung gezogen, ohne Touchscreen und Internet geht gar nichts mehr, ständig gibt es neue Errungenschaften. Die Spannbreite zwischen Steinzeit-DVD-Navi und smart vernetztem Online-Infotainment ist gewaltig, eine Pauschalbeurteilung daher unfair.

Auf der Habenseite steht jedenfalls, dass man nicht patschert ein Handy (inkl. Ladekabel) ins Auto montieren muss, und dass die Systeme meist bestens vernetzt sind mit dem Auto – einige Fahrzeuge sehen am eigenen Navi die Kurven und sagen dem Fahrer, wann er verbrauchsoptimiert vom Gas gehen kann.

Auf jeden Fall sollte man ausprobieren, ob man mit dem Bedienkonzept zurechtkommt. Gerade Touchscreens sind nicht gerade hilfreich, wenn man während der Fahrt etwas einstellen will. Am Ende muss man sich ansehen, was ein System im Einzelnen leistet und ob einem dieses Feature das Geld wert ist – oder man gleich das Smartphone auspackt.

Fahrerlager-Wertung: €€ – kann man haben, muss man nicht haben

9 – Xenon- und LED-Scheinwerfer

LED-Scheinwerfer haben mittlerweile die Xenon-Scheinwerfer als State-of-the-Art-Technologie abgelöst. Für alle Systeme gilt im Vergleich zu herkömmlichen Halogen-Scheinwerfen, dass die Lampen länger halten und die Leucht-Leistung deutlich höher ist. Dass LED-Scheinwerfer weniger Strom verbrauchen, stimmt hingegen nicht: Sie sind zwar effizienter in der Energie-Umwandlung, durch die höhere Leuchtkraft bleibt der Stromverbrauch aber nahezu ident.

Oft sind teure Zusatzscheinwerfer mit Features wie Fernlicht-Automatik, Kurvenlicht und neuerdings auch Matrix-Technologie verknüpft – Matrix-Scheinwerfer bestehen aus vielen LED-Projektoren, die nachts den Fernlicht-Kegel halten und andere Verkehrsteilnehmer dynamisch aus dem Lichtkegel ausblenden können. Was sowohl dem Komfort, als auch der Sicherheit dient.

Fahrerlager-Wertung: €€€ – ziemlich praktisch

10 – zusätzliche Airbags

Der Airbag ist die Fahrzeugausstattung, die jeder haben will, aber die wenigsten je zu Gesicht bekommen. Zusammen mit optimierten Rückhaltesystemen sind Airbags ein wichtiger Beitrag zu rückläufigen Unfall-Verletzungen, auch wenn der Airbag systemimmanent Verbrennungen verursachen kann.

Gerade bei kleineren Autos sind Kopfairbags und Seitenairbags für die hinteren Sitze oft gegen Aufpreis erhältlich – und definitiv empfehlenswert. Tests haben ergeben, dass Kopf-Curtainbags den Kopf deutlich wirkungsvoller schützen, als Kopf-Thorax-Airbags (also nach oben verlängerte Seitenairbags), die aus Kostengründen verbaut werden.

Fahrerlager-Wertung: €€€€ – Pflichtprogramm

Welche Ausstattung ist euch im Auto wichtig? Schreibt sie in die Kommentare!

pixel