Konnektivität für alle – was bringt der E-Call?

Opel macht aus der Not eine Tugend und führt seinen Konnektivitätsdienst OnStar bei allen Modellen ein. Doch diese automobile Gutmenschen-Geste ist nicht ohne Haken und schon gar nicht neu. Denn ab 2018 ist der elektronische Notruf e-Call Pflicht in der EU. Viele Hersteller haben dieses System schon installiert.

17.03.2015 Press Inform

Wenn Automobil-Manager die Wahrheit sprechen, dann lässt das bisweilen sehr tief blicken. Vor allem, was das Verhältnis zu den Medien angeht. „Als ich vor zwei Jahren hier saß und sagte, dass Opel wieder da ist, habe ich das gesagt, ohne genau zu wissen, was das bedeutet“, bekannte unlängst Opel-Chef Karl-Thomas Neumann freimütig. Doch jetzt ist aus der Vermutung Gewissheit geworden. „Die Dinge bewegen sich“, strahlt der gebürtige Niedersachse und verweist nach der Produkt- auf die Technik-Offensive. Opel führt die OnStar-Technologie ein. Für Neumann ist das „revolutionär“. Doch der angebliche Umsturz kommt nicht freiwillig. Denn die EU verlangt, dass der elektronische Notruf ab 2018 Pflicht wird. Also machen die Rüsselsheimer aus der Not eine Tugend und verkaufen diese Technik als bahnbrechende Neuheit. Immerhin kann OnStar weit mehr als einen Notruf absetzen, sogar das Motorsteuergerät kann so neu programmiert werden und verhindert kostspielige Rückrufaktionen. Wo wir gerade beim Thema sind: Noch kostet OnStar bei vielen Modellen Aufpreis, die Basisdienste werden erst 2018 kostenlos freigeschaltet.

Opel OnStar 1
© Bild: Opel

Die Idee hinter dem automatischen Notruf ist gut und hilfreich

Sobald es gekracht hat, wird automatisch Hilfe gerufen und im Fall vom OnStar auch die G-Kräfte des Einschlags übertragen. Der Fahrer hat nach einem Unfall die Möglichkeit, per Knopfdruck einen Notruf abzusetzen, wie das per Telefon und 112-Nummer möglich ist. Registriert das System einen Crash und der Fahrer reagiert nicht, werden die Einsatzkräfte automatisch aktiviert. Laut Berechnungen der EU können durch diesen Rettungsgeschwindigkeits-Zeitgewinn rund 2.500 Leben pro Jahr gerettet werden. Die Kosten für die Technik beziffern die Euro-Politiker auf rund 100 Euro pro Fahrzeug. Momentan ist die Technik oft noch Teil teurer Ausstattungspakete.

GM hat die schnelle Unfallhilfe schon 1996 installiert. Mittlerweile rollen weltweit über sieben Millionen Autos mit dem OnStar-System über die Straßen der USA und China. Auch andere Hersteller, wie Mercedes-Benz, BMW, Ford oder Peugeot-Citroën nutzen das elektronische System. Mit Erfolg: Bis dato wurden bei den drei PSA-Marken Peugeot, Citroën und DS insgesamt in 1.680.000 Fahrzeugen eCall-Systeme verbaut. Andere Marken, wie Kia planen eine fristgerechte Einführung des Systems.

BMW Connected Drive 1
© Bild: BMW

Riesiger Personalaufwand

Der europäische Hersteller-Verband ACEA zählt die drei Bedingungen auf, damit das Rettungssystem auch reibungslos funktionieren kann: alle Fahrzeuge müssen mit der Technik ausgestattet sein, die Notrufe abzusetzen. Die Logistik, die Anrufe zu empfangen und weiterzuleiten muss ebenso vorhanden sein und funktionieren, wie die Netzabdeckung. Wie groß das Technologierad ist, das die Automobilbranche nach dem Willen des Brüsseler Politiker drehen muss, wird deutlich, wenn man sich vor Augen führt, dass nach der Einführung des E-Calls die Bürger von 28 EU-Staaten an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr in der Lage sein sollen, einen Notruf abzusetzen. Die Rettungsdienste sind dafür noch nicht gewappnet. Die EU hat die Einführung des Systems daher von 2015 auf 2018 verschoben. Ob die personelle und technische Infrastruktur dann besser ausschaut, bleibt dahingestellt.

Mercedes E-Call
© Bild: Mercedes-Benz

Thema Überwachung

Doch das sind nicht die einzigen Probleme, die sich mit der Einführung des gut gemeinten Systems ergeben. Um „unwichtige“ Anrufe, die zum Beispiel nur wegen eines verlegten Schlüssels getätigt werden, von vorneherein auszusortieren, soll eine Software helfen. Doch das beantwortet immer noch nicht die Frage, ob ein Automobil-Notruf wichtiger ist, als die herkömmliche 112-Variante. Bei der Daten-Sicherheit wiegelt Karl-Thomas ab: „Das System ist völlig transparent, wenn Sie die Privacy-Taste drücken, werden zum Beispiel keine Ortungsdaten gesendet.“ Doch der Fall, dass der ADAC sich in das BMW-System Connected Drive einhaken konnte, zeigt überdeutlich, dass jedes IT-System angreifbar ist. Für Kar-Thomas Neumann hat die Vernetzung des Autos noch einen weiteren positiven Effekt: „Das zeigt, dass wir das Feld nicht kampflos gegen Google und Co. Räumen werden.“

OnStar Dienste
© Bild: Opel

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