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KFZ-Versicherung: Dumpingpreise kann sich niemand leisten

Interview mit Günther Weiß, Vorstandsdirektor der HDI-Versicherung: „Wir bieten einen Kostenvorteil von bis zu 25 Prozent.“

27.03.2014 Online Redaktion

Der stagnierende Markt und der harte Wettbewerb drücken auf die Margen der KFZ-Versicherer. Günther Weiß, Vorstandsdirektor der HDI Versicherung, setzt auf Service und stellt mit Partnerwerkstätten Reparaturkosten, die rund ein Viertel unter den Durchschnittskosten liegen, in Aussicht.

format.at: Wie schätzen Sie die aktuelle Marktsituation für KFZ-Versicherungen ein?

Günther Weiß: In den letzten zehn Jahren haben die Zulassungszahlen in Österreich stagniert. Es gab für Versicherungen kein Wachstum, und entsprechend umkämpft ist auch der Markt. Der Konkurrenzkampf ist so groß, dass es in den letzten Jahren keine Preisanpassungen mehr gegeben hat. Das drückt natürlich auch auf unsere Margen. Es gibt aber in Österreich dennoch keine Preisbrecher, die wie in Rumänien unter dem Marktwert anbieten. Das könnte sich auch niemand leisten.

Inwiefern hat sich die Wirtschaftskrise auf Ihr Geschäft ausgewirkt?

Weiß: Die Kunden sparen. Das erkennen wir zum Beispiel daran, dass die Laufzeiten für Vollkasko-Versicherungen zurückgehen und im Anschluss an eine Vollkasko-Versicherung seltener eine Teilkasko gewählt wird. Auch wenn diese gerade wegen der Parkschaden-Versicherung und der häufiger werdenden Hagel-Schäden noch sinnvoll wäre. Als Versicherer empfehlen je nach Wert und Kilometerlaufleistung des Autos wir in den ersten drei bis vier Jahren eine Vollkasko-Versicherung, im Anschluss daran im Normalfall zwei Jahre lang eine Teilkasko und danach eine normale Haftpflicht-Versicherung.

Ist der Versicherungsschutz in Österreich im Normalfall ausreichend?

Weiß: In den meisten Fällen reicht die gesetzliche Mindestsumme in der Kfz-Haftpflicht-Versicherung aus, wir empfehlen jedoch eine Versicherungssumme von 15 Millionen Euro. Wer zu sparen versucht, kann das bei den geringen Preisunterschieden in Österreich oft am einfachsten mit der Zahlungsmethode tun. Vielen ist nicht bewusst, dass bei der vom Staat in Rechnung gestellten motorbezogenen Versicherungssteuer der Zuschlag bei nicht jährlicher Zahlungsweise sehr hoch ist. Zum Beispiel bei monatlicher Zahlung zehn Prozent. Das entspricht bei Mittelklassefahrzeugen einer jährlichen Zusatzbelastung von rund 70 Euro. Nachdem der Steuer-Anteil in Österreich bei rund 70 Prozent liegt und nur etwa 30 Prozent auf die Prämie entfallen kann man bei einer jährlichen Zahlung oft mehr sparen als durch den Wechsel des Versicherungspartners.

Wie positioniert man sich in diesem Umfeld? Der Preis scheint nicht das beste Verkaufsargument zu sein.

Weiß: Wir setzen auf Service. Arbeiten mit Partnerwerkstätten, die wir einem Qualitäts-Check unterziehen. Wir achten dabei auch auf die angebotenen Preise. Die Werkstätten führen Reparaturen für unsere Kunden um 11 Prozent günstiger durch. Bei einer Reparatur in einer unserer Partnerwerkstätten halbiert sich für unsere Kunden außerdem der Selbstbehalt. In Summe kann der Kostenvorteil damit schon 25 Prozent ausmachen. Wir haben außerdem den ÖAMTC als Partner. Der besichtigt ebenfalls Fahrzeuge und garantiert dafür, dass es keine Probleme gibt.

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Günther Weiß / Bild: © HDI-Versicherung/Foto Wilke

Wie schlagen sich die Österreicher im internationalen Vergleich? Gehören wir zu den guten oder den weniger guten Autofahrern?

Weiß: Im Vergleich zu den Nachbarländern muss man leider sagen, dass die Schadenshäufigkeit in Österreich über den Werten aus den Nachbarländern liegt. In Ungarn, Tschechien, der Slowakei und auch in Deutschland gibt weniger Schäden pro versichertem Fahrzeug. Statistisch gesehen ist Österreich da nicht berühmt.

Eine Ursache dafür ist sicherlich im Winter zu sehen. In Ostösterreich gab es im vergangenen Winter kaum Schnee, und die Zahl der Schadensfälle ist deutlich zurückgegangen. Möglicherweise würden aber strengere Verkehrskontrollen helfen. In Ungarn gibt es mehr Verkehr. Dort sind aber die Strafen für Verkehrssünder härter, es gibt absolutes Alkoholverbot am Steuer und strenge Geschwindigkeitskontrollen. Und die Unfallquote ist geringer.

Viele Autofahrer fürchten sich wegen des Bonus-Malus-Systems vor hohen Versicherungsprämien nach einem Unfall. Ist diese Furcht begründet?

Weiß: Die HDI Versicherung bietet sieben Bonusstufen unter null. Das heißt, dass langjährige Kunden, die über einen längeren Zeitraum unfallfrei waren, auch keine höheren Prämien befürchten müssen. Bei einem Schadensfall fallen sie nur drei Bonusstufen zurück, im besten Fall von minus 7 auf minus 4 und zahlen immer noch die gleiche Prämie. Ein Schaden ist damit gar kein Problem. Im oberen Bereich sieht es dagegen anders aus. Von Stufe 4 würde man bei einem Schadensfall auf Stufe 7 zurückfallen. Die Prämie würde dann bei stärkeren Fahrzeugen um 100 bis 150 Euro pro Jahr steigen.

Welche Schäden treten denn am häufigsten auf?

Weiß: Prozentuell gesehen sind das sicher Glasbrüche, Schäden an den Windschutzscheiben. Danach folgen Parkschäden und solche, die beim Zurücksetzen auftreten. Erst danach kommen Kollisionen, vor allem im städtischen Verkehr. Wildschäden, Diebstähle oder Einbruchsdiebstähle spielen eine eher untergeordnete Rolle. Wir haben außerdem eine starke Zunahme bei Hagelschäden registriert.

Jetzt im Frühjahr beginnt auch wieder die neue Motorrad-Saison. Wie ist hier ihre Bilanz?

Weiß: Bei den Motorrad-Fahrern haben die schweren Unfälle deutlich zugenommen. Vor allem zu Saisonbeginn, an den ersten schönen Tagen, wenn die Fahrer noch ungeübt sind, ist das Unfallrisiko sehr hoch. HDI hat daher auch gemeinsam mit dem ÖAMTC eine Initiative gestartet, bei der der sicherste Motorradfahrer gesucht wird. Wir begrüßen es, dass für Motorradführerschein-Neulinge jetzt ein Mehrphasen-Training verpflichtend ist. Noch besser wäre es, wenn solche Trainings im Lauf der Zeit wiederholt werden. Man kann das allerdings schwer auf staatlicher Basis vorschreiben. Es ist aber positiv, dass das Bewusstsein für Fahrsicherheit in Österreich zunimmt. Für uns zeigt sich ganz klar eine positive Tendenz.

Das Interview führte Peter Sempelmann von format.at.

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