Suzuki sj 410 weiß seite totale
Noch einfacher kann das einfache Leben kaum sein, was allerdings nicht fürs Restaurieren des Suzuki SJ gilt: Der Rost findet praktisch jedes Blech.
 

Kaufberatung Suzuki SJ: Cowboyhut und Baseballkappe

Als SUVs noch UVs waren, rollte Suzuki den Grundbaustein der Idee ins Straßenbild. Dass er dort kaum noch zu sehen ist, hat Gründe.

26.09.2013 Autorevue Magazin

Der Suzuki SJ 410/413 ist fröhlich, unkompliziert, günstig (im Unterhalt), noch weitgehend unentdeckt und eine der witzigsten Möglichkeiten, in einen Youngtimer zu steigen. Er ist aber auch klein, hart und langsam. So viel zur Einstimmung, damit die Erwartungen nicht der Realität davonziehen.

Der LJ80 war Suzukis Aufwärmrunde bei den kleinen Gatschhüpfern und Geländekraxlern, damals, 1978. Er ebnete das ­Terrain für den vier Jahre später folgenden SJ 410/413, auch, was die grundsätzlichen Qualitäten betrifft – beziehungsweise deren Ausbleiben: Der LJ80 rostete erbärmlich. Die Qualität war zwar beim SJ ver­bessert, allerdings eher marginal. Er kann praktisch überall rosten.

Suzukis Rostvorsorge war einst nämlich praktisch nicht vorhanden. Konstruiert wurde das Modell fürs australische Militär, für Privatkunden hat man die Fertigungsstandards einfach nicht nachjustiert. So finden SJ-Restaurierer heute in Hohlräumen nicht grundierte Bleche, auch dort, wo ­Bleche überlappend verschraubt sind, wurde mitunter erst zusammengeschraubt und dann lackiert, Falze blieben ohne Abdichtung. Man kann sich ungefähr vorstellen, wie’s heute zwischen den Blechen aussieht.

Suzuki sj 410 weiß unterboden auspuff

UNTERBODEN Auch von unten rostet die Karosserie, ausführliche Kontrolle des Unterbodens ist daher unerlässlich. Immerhin ermöglicht die Bodenfreiheit problemloses Drunterkriechen.

Wer einen Suzuki SJ 410 oder 413 sucht, sollte sich also auf Schweißarbeiten einstellen.

Wer Glück hat, erwischt ein Exemplar, das schon geschweißt wurde, wer Pech hat, tritt sich etwas dilettantisch Geschweißtes ein. Spaltmaße und Verläufe der Sicken sollten also stimmen, das Blech nicht wellig sein. Per Kitt und Polyester versteckter Rost wird mit einem Magneten entlarvt. Verstärkt wird die Neigung zum Rosten durch die Geländetauglichkeit des SJ: Im rauen Terrain wird der zarte Unterbodenschutz gerne beschädigt, und in den zahlreichen Winkeln und Ecken sammelt sich Gatsch an, die Folgen sind fatal.

Am wenigsten vom Rost betroffen ist der solide Rahmen, der Technik und Karosserie trägt, aber auch er kann rosten. Also muss die gesamte Karosserie inspiziert werden, auch unter den Bodenmatten von innen, und auf jeden Fall von unten: Radkästen, Radläufe, Kotflügel, Bodenbereich, Türen, Hauben, Front und Heck.

Es gibt mittlerweile alle Karosserieteile aus GFK, auch die Rohkarosserie selbst. Damit ist der Rost zwar für alle Zeiten ausgebremst, allerdings genießen die GFK-Teile nicht bei allen SJ-Fans untadeligen Ruf: Über die Jahre können sie leicht schrumpfen, und der Rahmen schrumpft nicht mit, die Anbauteile ebenfalls nicht.

Hat man ein (annähernd) rostfreies ­Exemplar gefunden, bleiben nur mehr ­wenige Problemherde, denn die Technik ist robust.

Die Motoren erreichen hohe Laufleistungen, sofern sie gewartet wurden (Zahnriementausch alle 60.000 km). Manchmal führen überaltete Dichtungen zu Undichtigkeiten, oft ist aber auch nur der O-Ring zwischen Motor und Verteiler hinüber. Wird das Öl zu selten gewechselt, setzt Ölschlamm eine ­essenzielle Bohrung im Zylinderkopf zu – wer also beim ­Einstellen der Ventile üppigen Schlamm unter dem Ventildeckel entdeckt, kommt um eine Reinigung des Ölkreislaufes nicht umhin.

Der Allradantrieb verschleißt bei hartem Geländeeinsatz natürlich schneller – rückt er leicht und leise ein, gibt’s auffällige Geräusche beim Fahren? Als Extra waren vordere Freilaufnaben zu haben, die im Heckantriebsmodus den vorderen Antriebsstrang wegschalten und innere Reibung vermeiden. Sind sie zugeschaltet, muss der Allradantrieb bei geringer Geschwindigkeit sauber einrasten, sonst schließt die Freilaufnabe nicht richtig. Schaltet man sie weg, dann darf sich der Frontantrieb nicht zuschalten lassen, andernfalls trennen die Naben nicht mehr korrekt.

Suzuki sj 410 weiß sitze innen

INNENAUSSTATTUNG Auch die Sitze wurden nicht für die Ewigkeit gebaut, wie mancher Bezug verrät: Wo man beim Ein- und Aussteigen scheuert, gibt’s bald Löcher, also am ehesten beim Fahrersitz.

Innen ist besonders der Seilzug der Wärmeverstellung der Heizung zu prüfen: Geht das Heizventil fest, dann verbiegt sich der (auch auf Druck belastete) Zug. Auch der Stufenschalter des Ventilators bereitet bisweilen Probleme.

Problemlos funktioniert der Ersatzteilnachschub, allerdings bei Suzuki zu eher hohen Preisen. Wer firm ist bei der Internetsuche, kann allerdings auf deutlich günstigere Teile des indischen Herstellers Maruti zurückgreifen, wo der SJ (und sein praktisch identer Nachfolger Samurai) ebenfalls gefertigt wurden.

Die Modellgeschichte des Suzuki SJ erzählt Ihnen Martin Strubreiter in diesem Beitrag.

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