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Wer von Oldtimern ein sperriges Fahrverhalten erwartet, wird im Peugeot 404 sein Weltbild neu ordnen.
 

Kaufberatung Peugeot 404: Pierre Normal­verbraucher

Mit dem 404 motorisierte Peugeot Ärzte, Architekten, Familien und halb Afrika. Dort fiel auch seine einzige echte Schwäche nicht so auf.

10.11.2013 Autorevue Magazin

Fünfzehn Jahre Bauzeit (1960 bis 1975) sind dem Peugeot 404 nicht zufällig passiert, und da reden wir ausschließlich von den europäischen Produktionsstätten: In Kenia, beispielsweise, wurde die Limousine sogar bis 1989 gefertigt, der Pickup nur unwesentlich kürzer. Technisch labile ­Autos hätten keine derartige Karriere ­hingelegt, die Robustheit war bei Peugeot Tradition und dennoch nur das halbe ­Fundament des Erfolges.

Der Peugeot 404 fährt sich leicht und geschmeidig

Die andere Hälfte bestand in der bis in die letzte Faser durchdachten Konstruktion: Der Peugeot 404 bot kein revolutionäres Detail (den temperaturgesteuerten Lüfter ausgenommen), aber das Auto als Ganzes ist so letztgültig harmonisch und rund, dass es bis heute nirgends aneckt. Ein 404 fährt sich auch nach heutigem Maß leicht und ­geschmeidig. Alleine die leichtgängige Lenkung lässt nie den Wunsch nach einer Servolenkung aufkommen – wer also von Oldtimern ein sperriges Fahrverhalten erwartet, wird im Peugeot 404 sein Weltbild neu ordnen.

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ARMATUREN
Die Instrumente sind haltbar, nur die Zeituhr ist äußerst labil, funktionierende Exemplare sind selten. Der interieurfarbene Wulst an der Armaturenbrettunterkante reißt oft ein, dann schrumpft der Überzug.

Wer von Oldtimern allerdings rost­anfälliges Blech erwartet, darf sein Weltbild durchaus behalten. Wie praktisch alle ­Autos seiner Zeit rostet auch der 404. Einige 404 Limousinen der späteren 60er Jahre sind davon ausgenommen, sie waren nämlich verzinkt (!) – allerdings sind keine verlässlichen Daten erhalten, welche Produktionsmonate die glücklichen waren.

Auch beim Peugeot 404 gilt daher:

Wer kauft, ohne das Auto von unten ausführlich gesehen zu haben, handelt fahrlässig. Neben den per Foto vorgestellten Mängeln sind vor allem die Verlängerungen der Motorträger unter dem vorderen Fußraum zu kontrollieren: Sie werden meist zum Aufbocken des Autos missbraucht (NIEMALS den 404 dort anheben, die Wagenheberaufnahmen befinden sich ganz vorne und ganz hinten!), sind daher verdellt und ­rostig und durch selbst gedengelte Nachfertigungen zu ersetzen. Auch das Bodenblech im vorderen Fußraum ist rostgefährdet, durch Lupfen der Bodenmatte aber leicht zu überprüfen. Die gute Nachricht: Die vorderen Kotflügel sind verschraubt.

peugeot 404 rot schweller tuerkante

SCHWELLER
Das von außen sichtbare, längs geriffelte Blech ist lediglich die Schwellerverkleidung, der eigent­liche Schweller ist nicht ohne ­Demontage sichtbar. Ist das Verkleidungsblech unten durchgerostet, dann gammelt der Schweller auch.

Technisch kennt der 404 nur wenige Schwachpunkte.

Einer davon ist der Hydrovac-Bremskraftverstärker, der von Herbst 1964 bis zur Einführung der vorderen Scheibenbremsen im Oktober 1969 verwendet wurde. Die Überholung ist definitiv teuer und nur von Spezialisten zu schaffen. Ähnliches gilt für die Kugel­fischer-Benzineinspritzung, unendlich komplexer als die banalen Einfachvergaser, die in allen anderen 404 verbaut waren.

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TÜREN
An ihren Unterkanten sind die Türen rostgefährdet wie bei quasi allen Klassikern. Ersatz für spröde Dichtgummis gibt’s nur bei Peugeot-­Spezialisten, die vordere Dichtung ist ein Formteil und keine Meter­ware.

Vorsicht beim Differenzialöl-Wechsel:

Alle 404 bis auf Kombi/Pickup verlangen nach einem speziellen, pflanzlichen Öl. Alle anderen Technik-Komponenten unterliegen normalen Alterungserscheinungen, es können also Bremskomponenten undicht werden (z. B. durch lange Standzeit), auch die hydraulische Kupplungsbetätigung verlangt nach mehr Pflege als eine seilzugbetätigte Kupplung. Pro­blematisch ist bisweilen der Nachschub an Auspuffteilen, die Nachfertigungen orientieren sich eher an der Nachfrage, statt Vorräte bereitzulegen. Die meisten Verschleißteile sind aber problemlos bei spezialisierten Ersatzteilhändlern zu haben, Blech- und Interieurteile hingegen nur mit viel Glück und privater Initiative.

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FEDERDOME
Wo sich Schraubenfeder und Stoßdämpfer abstützen, ist Rost besonders gefährlich. Blasenbildung in diesem Bereich des Innenkotflügels ist fachmännisch nur mit hohem ­Aufwand zu kurieren.

Noch dramatischer ist die Blechsituation bei den technisch mit Limousine und Kombi identen Cabrios und Coupés:

Die Produktionszahlen (9389 Cabrios, 6834 Coupés bei 2,88 Mio. 404 gesamt) lassen ahnen, dass gebraucht praktisch nichts auftaucht. Die bei Pininfarina gefertigten Karosserien unterscheiden sich auch in ihrer Struktur von der Limousine, sie waren rundum verschweißt und abermals rostanfälliger. Winziger Lichtblick: Die Schweller kamen ohne Verkleidung aus. Die schlechte Nachricht: Sie sind bei den meisten 404 Cabrios und Coupés mittlerweile aus Kitt oder noch garstigerem Material modelliert, was für viele Bereiche der Karosserie gelten kann. Penible Prüfung mit dem Magneten ist unerlässlich, alle klassischen Schwachstellen sind betroffen: Kotflügel-Oberkante hinter den Scheinwerfern, der Bereich um die A-Säule unten, die Unterkanten der hinteren Kotflügel, die Türunterkanten, Schweller, Bodenbleche, Kofferraumboden. Man ahnt, dass die Suche nach einem guten, unverbastelten Exemplar (am besten in Frankreich) etwas dauern kann.

Die Modellgeschichte des Peugeot 404 finden Sie hier.

 

  • Markus Dahmann

    Zwei Wartungsempfehlungen für den Einspritzer mögen noch angefügt sein: Vorsicht bei der Zündkerzenwahl, die von Champion pasen, sonst führt die Verwendung falscher Kerzen zu geschmolzenen Kolbenböden. Die Einspritzpumpe braucht regelmäßigen Ölwechsel, sie hat einen eigenen Schmierkreislauf. Zu verwenden ist 20W20-Einbereichsöl.

    Wird außerdem auf die Dichtigkeit der Ansaugflansche (Falschluft magert das Gemisch ab und die Kopfdichtung wird durch die zu heiße Verbrennung gefährdet) geachtet, ist der Einspritzer ein Sahnemotor.

    Die vier Trommelbremsen brauchen regelmäßige Reinigung, sonst ziehen sie wegen Belagabriebs gerne schief. Vor dem TÜV einen Kilometer mit mittelfest angezogener Handbremse und mildem Tempo fahren, dann zieht die auf dem Prüfstand gleichmäßig.

    Unserer (meines Vaters …) war auch dunkelrot mit beigen Sitzen und lief wie ein Uhrwerk, er erreichte beim zweiten Besitzer über 400.000 km mit erstem Motor und erstem Antriebsstrang, bis er endgültig verrostet war.

    Markus

  • Autojoe

    Ich fuhr in den 60 iger Jahren hintereinander drei Peugeot 404 Modelle in verschiedenen Ausstattungen. Damals zählte dieses Auto neben Fiat 1800 oder Citroen DS zur Spitzenklasse in punkto Fahrkomfort,Ausstattung und Prestige,abgesehen von Mercedes oder Jaguar. Diese Klasse war vor allem sehr begehrt bei Ärzten, Anwälten und Menschen in gehobener Stellung. Fuer mich war zwar dieses Fahrzeug um eine Nummer zu gross aber es war auch damals das Angebot an schönen leistbaren PKW,s sehr bescheiden.

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