Unfallursache Nummer 1

Bis vor kurzem war Alkoholisierung die Hauptursache für tödliche Unfälle. Das hat sich geändert: Ablenkung vom Straßenverkehr ist die Nummer 1.

29.11.2016 Online Redaktion

Aber nicht deshalb, weil weniger Alkoholfahrten verzeichnet werden, sondern, weil sich immer mehr Autofahrer während der Fahrt nicht aufs Autofahren konzentrieren. Die Folge: Mehr als jeder dritte Unfall passiert aufgrund Ablenkung des Fahrers.

Die Statistik: Ablenkung als Unfallursache Nr. 1 – noch vor Alkohol

Unaufmerksamkeit bzw. Ablenkung sind mittlerweile Ursache für ca. 40 % aller Verkehrsunfälle in Österreich mit Personenschaden. In Zahlen bedeutet das: Über 13.000 Unfälle mit Personenschaden und über 110 Todesopfer pro Jahr – und die Tendenz ist stark steigend.

Anstieg von 30 Prozent

Vergleicht man die Unfallstatistiken von 2013 und 2014 ergibt sich ein Anstieg von knapp 30% an „Ablenkungsunfällen“. (Quelle: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV)). Werden alle Unfälle, also auch jene ohne Personenschaden, miteinbezogen, lässt sich immer noch ein Drittel der Unfälle auf Ablenkung zurückführen.

Ablenkung wodurch?

Viele technische Errungenschaften wie Bremsassistent, ABS, Spurhalteassistent usw. sind zweifellos mitverantwortlich dafür, dass Autofahren heutzutage um ein vielfaches sicherer ist oder zumindest sein könnte. Die Anzahl der Bedienelemente im Fahrzeug-Cockpit ist aber in den letzten Jahren/Jahrzehnten ebenso rasant gestiegen – was zweifellos einen Teil des Sicherheitsgewinnes durch andere technische Errungenschaften wieder zunichtemacht. Hauptursache für den rasanten Anstieg von Unfällen durch unaufmerksame Autofahrer ist aber zweifellos die ebenso schnelle Verbreitung von Smartphones.

Multitasking während der Autofahrt? Ein Mythos!

Offensichtlich sind viele Verkehrsteilnehmer (auch Fußgänger oder Radfahrer) davon überzeugt, ein Fahrzeug sicher lenken zu können, dabei auf andere Autofahrer, Fußgänger, Radfahrer achten und auf überraschende, nicht vorhersehbare Situationen reagieren zu können (querende Wildtiere oder Kinder auf der Fahrbahn). Im schlechtesten Fall wird dann auch noch am Smartphone eine „dringende“ Nachricht verfasst. Dabei ist längst belegt: Weder das Gehirn eines Mannes, aber ebenso wenig das einer Frau ist Multitasking-fähig, also mehrere Tätigkeiten gleichzeitig bewusst auszuführen.

SMS/Nachrichten schreiben = Autofahren im Blindflug

In der Annahme, dass für das Lesen oder Verfassen einer Handynachricht nur 5 Sekunden benötigt werden, legt man in dieser Zeit bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h (im Stadtgebiet) 70 Meter zurück, ohne auf Gefahren angemessen schnell reagieren zu können. Auf der Autobahn, mit Tempo 130 km/h, sind es sogar bereits 180 Meter im „Blindflug“.

Auch Fußgänger als Auslöser und Betroffene

Der Smartphone-Wahn im Straßenverkehr hat aber auch vor den Fußgängern nicht Halt gemacht. Rund 1/3 aller Fußgänger sind laut einer Studie beim Überqueren einer Straße abgelenkt – was bereits Wortkreationen wie „Smombie“ (aus Smartphone + Zombie) nicht ganz zu Unrecht in den Sprachgebrauch vordringen lässt.

Freisprecheinrichtung als Lösung?

Um dem Problem der Ablenkung im Straßenverkehr Einhalt zu gebieten, wurde in Österreich bereits die Gesetzeslage angepasst und generell das Bedienen eines Handys während der Fahrt verboten. Autofahrer sollen dadurch gedrängt werden, Telefonate nur mehr mit einer Freisprecheinrichtung zu führen. Gerade dieser Ansatz ist aber ebenso umstritten: Britische Studien und Gehirnforscher zeigten bereits auf, dass die Ablenkung bei Benützung einer Freisprecheinrichtung nicht wesentlich kleiner ist als bei normalem Gebrauch eines Handys zum Telefonieren. Die „Königsdisziplin“ des Nachrichtentippens während der Autofahrt ist aber in punkto Ablenkung allemal noch um ein vielfaches höher einzuschätzen.

  • Der Schwedenkönig

    Handy-Störsender verpflichtend in jedes Auto und unsere Strassen wären um vieles sicherer.
    Leider geht der Trend genau in die Gegenrichtung.

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