Trotz guter Ersatzteillage: auch einen VW Käfer kauft man nicht übereilt.
Trotz guter Ersatzteillage: auch einen VW Käfer kauft man nicht übereilt.
 

Kaufberatung VW Käfer: Gemeinsamster Nenner

Millionen Exemplare des VW Käfer, quer durch die Jahrzehnte, solide Technik und feine Ersatzteillage.

06.05.2013 Online Redaktion

Den Produktionsweltrekord hält zwar seit 2002 nicht mehr der VW Käfer sonder offiziell der VW Golf, aber das waren vier Autos, die halt gleich hießen. Also darf der Rekord der 21.529.464 VW Käfer inoffiziell noch immer gelten, obwohl auch hier die Detailunterschiede zwischen den Generationen enorm sind. Somit ist es schwierig, sich per Kaufberatung quer durch alle ­Modellreihen zu schreiben: Die Konstruktion wurzelt in den 30er Jahren, zur Wirtschaftswunderzeit war der Käfer in seinen Genen rund 20 Jahre alt, ließ sich aber bei den Verkaufszahlen nichts anmerken.

Feine Unterschiede beim VW Käfer

Die frühen ­Modelle vom VW Käfer sind längst Oldtimer (bis 1967 gab’s 6-Volt-Elektrik), da fühlt sich der Alltag anders an als in einem späteren ­Mexico-Käfer. Auch preislich: Die späten Käfer sind noch halbwegs günstig zu haben, die frühen Brezelkäfer (bis 1953) und Käfer mit ovaler Heckscheibe (bis 1957) aber sind teuer. Sofern sie original(getreu) geblieben sind. Denn schon damals wurden Käfer gerne mit den Fortschritten ­späterer Baujahre verjüngt. So wurden oft neuere Rücklichter montiert, was heute leichter zu korrigieren ist als der Umbau auf eine jüngere Heckscheiben-Form: In den 50ern wurden viele Brezelkäfer ihres ­Steges zwischen den Scheiben beraubt, um eine Generation jünger dazustehen.

Die technisch modernsten VW Käfer waren die Modelle 1302 (1970 bis 1972) und 1303 (1972–1975, als Cabrio bis 1980). Sie trugen die moderne Vorderachse mit McPherson-Federbeinen und eine Schräglenker-Hinterachse, wovon Fahrverhalten und Kofferraumvolumen sehr profitierten.

Kaufberatung für den VW Käfer.

Kaufberatung für den VW Käfer.

Aus welcher Epoche der angepeilte ­Käfer stammen soll, wirkt sich also auf die Alltagstauglichkeit und den Preis aus, aber nicht auf alle zu kontrollierenden Schwachstellen – denn Rost kann sich bei allen ­finden. Die Kontrolle der Karosserie darf keine der klassischen Schwachstellen aussparen, neben den im Bild herausgezoomten auch den Bereich um die Scheinwerfer, die Wagenheberaufnahmen (Rohre von quadratischem Querschnitt auf Höhe der hinteren Sitzbank), die Radkästen (besonders die Befestigungspunkte der Stoßstangen und Verstärkungsbleche der Stoßdämpferaufnahmen), von unten auch den Bereich über den Rohren der Drehstab­federung, und wo die Heizungsschläuche ins Wageninnere führen, ist das Blech überhaupt dreilagig und entsprechend gefährdet.

Bei 1302 und 1303 sind vorne auch die Federbeindome zu kontrollieren, und jetzt die gute Nachricht: Da beim Käfer alle Kotflügel verschraubt sind und auch die ­Karosserie vom Plattformrahmen getrennt werden kann, sind Rostschäden recht einfach zu reparieren, sofern man Zeit und Sorgfalt dafür mitbringt.

Robuste Technik im VW Käfer

Traditionell als robust gilt die Technik, daran hat sich bis heute nichts geändert. Die Motoren verlangen nach regelmäßiger Wartung, leckende Dichtungen oder ausgeschlagene Vergaser können nach Jahrzehnten wie bei jedem Auto vorkommen, beim VW Käfer ist auch die Dichtheit zwischen den Gehäusehälften und an den Stößelschutzrohren zu kontrollieren. Beim Getriebe schwächeln eventuell die Synchronisation des zweiten Ganges, was beim ­Zurückschalten kratzend hörbar wird, sowie die Manschetten der Antriebswellen.

An den vorderen Radlagern ist ganz ­dezentes Spiel vorgeschrieben, hinten darf kein Spiel fühlbar sein, im kleinen Rahmen aber können die Radlager nachgestellt werden. Die Vorderachse des VW 1200 will noch regelmäßig abgeschmiert werden, andernfalls verschleißen die Tragarme. Bei allen Modellen sollten die Traggelenke vorne geprüft werden, ebenso das Lenkungsspiel: Zwei Fingerbreiten am Lenkradkranz gelten als tolerierbar.

Sie haben es schon gemerkt: wir reden vom Oldtimer, nicht von der Neuauflage.

Sie haben es schon gemerkt: wir reden vom Oldtimer, nicht von der Neuauflage.

All diese Schwachstellen teilt der verlötete VW Käfer mit dem Cabrio, da sollte aber das Verdeck genau geprüft werden (Ersatz ist teuer) und die anderen cabriospezifischen Teile auch. Freilich ist ein (bei Karmann gefertigtes) Werks-Cabrio erheblich teurer, es lässt sich durch den Verdeck-Kragen, die höhere Gürtellinie und die hinteren Seitenscheiben locker von den per Flex geschnipselten Eigenbau-Cabrios unterscheiden.

Generell gilt: Die Versorgung mit Verschleißteilen ist beim Käfer durch seine Beliebtheit sichergestellt, aber die Qualität wird teilweise vom Preisdruck mit in die Tiefe gerissen.n

  • Käfer Schmied

    Falls jemand mal über diesen Artikel stolpert … ich starte einen Käferkanal und mache Anleitungen für die Selbsthilfe und starte mit einem Ankauftest.
    ev. nicht so ganz konform … aber wir wollen ja am Ende einen guten Kauf gemacht haben.Ich habe mir auch die Mühe gemacht einen „netten“ Text unter das Video zu stellen. lg und viel Spass

    https://www.youtube.com/channel/UCM1Gw2Qvqy5ugasCn_rmniQ

  • Am Puls

    Na ja, was soll uns dieser „Bericht“ sagen? Dem Laien hilft das nicht wirklich…

    • Christian Seidel

      Guten Tag Am Puls,

      was würde Ihnen denn helfen? Und was hätten Sie sich unter einer Kaufberatung vorgestellt?

      Beste Grüße,

      Christian Seidel

  • Gert Weiler

    …noch so ein tolles Auto! Meiner war ein 1200, Baujahr Juni 65 ,natürlich mit 6 V Anlage ! Fahrten bei Regen in der Nacht waren ein Abenteuer der besonderen Art.Fußgänger und Radfahrer waren praktisch unsichtbar…
    Habe damit nach vorherigem Messen und nachfolgendem Ausbau der Vordersitze sogar ein oberes Küchenkastl eingeladen und zugestellt! Und,er hat mich in vielen Jahren nie angesetzt.Er wird immer “ mein Auto“ bleiben! Heute genießt er seinen wohlverdienten Ruhestand ,mangels damals vorhandener Garage ,bei einem Sammler (mit Garage) . Übrigens,der Nachfolger war ein W 123, aber das ist eine andere Geschichte….
    GW

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