Kann man auch als Fußgänger oder Radfahrer Fahrerflucht begehen?

Bei einem Unfall mit anschließender Fahrerflucht muss zwangsläufig nicht unbedingt ein Auto beteiligt sein. Wir gehen der Frage nach, ob Radfahrer oder Fußgänger ebenfalls betroffen sind.

09.11.2016 Online Redaktion

Fahrerflucht wird umgangssprachlich häufig als Begriff dafür verwendet, wenn sich ein in einen Unfall verwickelter Autofahrer unerlaubt vom Unfallort entfernt, ohne die bekannten Pflichten nach einem Unfall wahrzunehmen: Erste Hilfe leisten, Polizei verständigen, an der Aufklärung des Unfallherganges beitragen usw.

Die Definition von „Fahrerflucht“

Aber Achtung: Der Begriff „Fahrerflucht“ ist genau genommen irreführend, denn: Ein „Unfallverursacher“ ist jeder, der die Ursache für einen Unfall setzt. Somit gilt: Auf welche Art und Weise, ob mit dem Auto, zu Fuß oder mit dem Fahrrad: Die Rolle des Unfallverursachers mit sämtlichen Rechten und Pflichten bleibt gleich. Somit kann sich auch ein Fußgänger der umgangssprachlichen „Fahrerflucht“ schuldig machen, wenn er einen Unfall verursacht und danach das Weite sucht.

Pflichten nicht nur als Unfallbeteiligter

Aber auch Fußgänger, die nur Zeuge eines Unfalls werden, ohne daran ursächlich beteiligt zu sein, haben gewisse Pflichten: Erste Hilfe leisten, wenn man dazu in der Lage ist, auf jeden Fall aber das Herbeiholen von Hilfe (Rettung bzw. Polizei) sowie ebenso die Pflicht, dazu beizutragen, den Unfallhergang zu klären, Stichwort: Zeugenaussage.

„Fahrerflüchtig“ mit der Mülltonne?

Weniger folgenschwer sind zwar Unfälle ohne Personenschäden, was aber ebenso wenig davor bewahrt, sich der Fahrerflucht schuldig machen zu können. So wurden in Deutschland bereits Personen als „Fahrerflüchtige“ verurteilt, die zu Fuß z.B. eine Mülltonne auf die (öffentliche) Straße geschoben haben und dadurch einen Unfall verursacht haben. Auch das Anstoßen mit dem Einkaufswagen an ein parkendes Auto kann im Nachbarland vor Gericht als „Fahrerflucht“ beurteilt werden. Ähnliche Folgen sind übrigens genauso in Österreich zu erwarten: Bei „Fahrerflucht“ mit dem Einkaufswagerl droht ebenso eine Verwaltungsstrafe wegen dem Nichtmelden eines Sachschadens, umgangssprachlich ebenso als „Fahrerflucht“ bekannt.

Fazit

Egal, ob man am Straßenverkehr als Autofahrer, Fußgänger, Radfahrer oder Mülltonnenlenker teilnimmt: Die Art des Fortbewegungsmittel hat nichts damit zu tun, dass man als Unfallverursacher, Unfallbeteiligter oder Unfallzeuge Pflichten hat, deren Nichteinhaltung schwerwiegende Folgen haben kann.

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