Ein Erdbeerstandl im Regen.
Mjam! Wer am Nachhauseweg noch schnell frische Erdbeeren besorgen will, darf nicht auf gesetzlichen Versicherungsschutz hoffen.
 

Erdbeerkauf auf dem Heimweg ist kein Arbeitsunfall

In Deutschland wurde kein Grund gefunden, die Nahrungsaufnahme in Form von Erdbeeren zu versichern.

27.09.2013 Online Redaktion

Wer auf der Heimfahrt von der Arbeit sein Auto auf gerader Straße abbremst, um kurz auf ein Privatgrundstück einzubiegen, wo er schnell noch einen Korb frischer Erdbeeren erwerben will, verliert in diesem Augenblick den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Ein solcher Einkaufs-Abstecher vom Weg nach Hause lässt sich nicht „nebenbei“ erledigen und fällt damit nicht mehr unter die gesetzliche Toleranzgrenze der Geringfügigkeit. Er setzt vielmehr ein komplexes Verhalten in Gang, das sich deutlich von der versicherten Heimfahrt unterscheidet und für dessen Folgen der Betroffene die Verantwortung selbst trägt. Das hat das Bundessozialgericht entschieden (Az. B 2 U 3/13 R).

Gerichtsurteil in Deutschland: Erdbeerkauf kein Teil des Heimwegs.

Wie die telefonische Rechtsberatung der Deutschen Anwaltshotline berichtet, war der betroffene Autofahrer auf einer geraden Ortsdurchfahrt von der Arbeit nach Hause unterwegs und wollte links in ein Privatgrundstück einbiegen, um dort auf die Schnelle am Straßenrand angebotene Erdbeeren zu kaufen. Als er dabei wegen des Gegenverkehrs seinen Wagen abrupt abbremste, fuhr ihm von hinten ein Pkw auf. Der Mann erlitt durch den gewaltigen Stoß eine Stauchung und Zerrung der Halswirbelsäule und war einige Tage krankgeschrieben.

Trotzdem verweigerte ihm die Berufsgenossenschaft die Anerkennung der Kollision und ihrer Folgen als Arbeitsunfall. Zum Zeitpunkt des Unfalls sei die Handlungstendenz des Mannes nicht mehr auf das direkte Heimkommen nach der Arbeit, sondern vielmehr auf den Erwerb der Erdbeeren am gegenüberliegenden Straßenstand gerichtet gewesen. Damit habe er längst nur noch eigenwirtschaftliche Ziele verfolgt, die spätestens mit dem allein dafür erfolgten Abbremsen des Autos nichts mehr mit seinem versicherten Heimweg zu tun hatten.

Barack Obama isst eine Erdbeere.

Dieser Argumentation schlossen sich die Kasseler Bundessozialrichter an. Ein Arbeitsunfall läge in der Tat nicht vor, weil der Zusammenstoß nicht „infolge“ des Zurücklegens des versicherten Wegs auftrat. „Vielmehr hat der Mann selbst die Ursache für den Unfall gelegt, indem er auf die Bremse seines Wagens trat – und zwar aus dem ausschließlich privatwirtschaftlichen Grund, auf der anderen Straßenseite Erdbeeren kaufen zu wollen“, erklärt Rechtsanwältin Daniela Sämann.

Gründe dafür, nach denen die „Nahrungsaufnahme in Form von Erdbeeren“ hier ausnahmsweise versichert gewesen sein sollte, seien aber „weder festgestellt noch erkennbar“, heißt es dazu wörtlich im Urteilsspruch.

Quelle: auto-medienportal.net/deg

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  • Ravenbird

    Es ist in Deutschland also gescheiter und besser für die Umwelt, wenn der Fahrer noch sagen wir dreißig Kilometer nach Hause gefahren wäre, dann noch mal dreißig Kilometer zurück zu den Erdbeeren und wieder dreißig Kilometer nach Hause.
    Wenn das ein österreichischer Politiker liest, werden unsere Gesetze mit traumwandlerischer Sicherheit an diese deutsche Idiotie angepaßt. Schließlich geht es hier dann um Milliarden an Sprit-Steuer-Mehreinnahmen. Die Umwelt ist unseren Popolitikern (ich stottere nicht, schon gar nicht beim Schreiben) ohnehin völlig wurscht.
    Noch ist es meines Wissens so:
    Unfälle zwischen Arbeitsplatz und Wohnort gelten als Wegunfälle, wenn sie nicht unangebracht weit von der Normalroute (außer bei Umleitungen…) abweichen. Ein Abbremsen vor einem Verkaufsstand AN der Route ist bei uns keinesfalls mit einem Verlust des entsprechenden Versicherungsschutzes verbunden.
    Aber als Autofahrer stelle ich mir immer wieder die Frage, ob Gesetze NUR für Großkopferten gemacht werden:
    StVO: Grundsätzlich hat der Hintermann so viel Abstand zu lassen, daß er keinesfalls den vor ihm Fahrenden gefährdet.
    Irgendwo weiter hinter in eben dieser StVO (bei den OGH-Entscheidungen) steht die Klausel für die Gleicheren unter den Gleichen: Der Vordermann darf NICHT plötzlich und für den Hintermann aus nicht ersichtlichen Gründen bremsen.
    Wie soll der Hintermann Gründe sehen, wenn er bei hundert nur eine Autolänge Abstand hält?
    Wenn Sie wegen eines Rehs bremsen und dieses Reh nicht totfahren, bleiben Sie über, weil Sie keinen Beweis für den Wildwechsel haben und daher für den Hintermann aus völlig unersichtlichen Gründen gebremst haben. Wahrscheinlich haben Sie einen Versicherungsbetrug geplant.
    So weit sind WIR im ÖSILAND.
    Wären auch gute Schlagzeilen, oder? :-)

  • Raimund Rauch

    Es handelt sich da um ein deutsches Urteil.
    Obwohl wir ja viel zu viel Bürokratie und Rechtsunsicherheit von den Deutschen kopieren, solltet ihr schon hinterfragen, was hierzulande gilt.
    Freundliche Grüsse
    Raimund Rauch

    • Wohl wahr, aber wir fanden ehrlich gesagt den Wortlaut der Agenturmeldung reizvoll, von der Überschrift bis zum Schlusssatz…

      Herzliche Grüße
      Johannes Gasser, Redaktion Autorevue.at

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