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Ging es anfangs nur um ­Sicherheitsgurte, Airbags und eine steifere Karosserie, spielen jetzt zunehmend elektronische Systeme zwecks Unfallvermeidung und zur Milderung von Unfallfolgen eine Rolle.
 

Crash-Sicherheit: Vision null Verkehrsopfer

Autofahren soll immer sicherer werden. Darum werden Crashtest-Vorgaben von nun an jedes Jahr verschärft. Vergleichen kann man die Ergebnisse dann kaum mehr.

03.10.2013 Autorevue Magazin

Die gesetzlichen Vorschriften in Bezug auf Crashsicherheit sind den technischen Möglichkeiten immer schon hinterhergehinkt. So wurden ab den 1990er Jahren weltweit Institutionen gegründet, die schärfere Regeln für Crashtests einführten und deren Urteil sich die Autohersteller immer weniger entziehen konnten. Unter dem Begriff NCAP (New Car Assess­ment Program) legten etwa die US-Regierungsorganisation NHTSA (US-NCAP) oder europäische Verkehrs­minister, Autofahrerclubs, Konsumentenschützer und Versicherungen (EuroNCAP) eigene schärfere Spielregeln fest. Mittlerweile gibt es weltweit sieben NCAP-Organisa­tionen, die alle eigene Kriterien für Automobil-Crashtests aufgestellt haben.

Ging es anfangs nur um ­Sicherheitsgurte, Airbags und eine steifere Karosserie, spielen jetzt zunehmend elektronische Systeme zwecks Unfallvermeidung und zur Milderung von Unfallfolgen eine Rolle. Wurden anfangs die Testkriterien alle paar Jahre verändert, gibt es jetzt einen ganz konkreten Stufenplan bis zum Jahr 2016, der jährliche Verschärfungen der Bedingungen vorsieht. Nachteil des forschen Vorgehens: Früher konnte man die Crashtest-Ergebnisse, im Wesentlichen die Anzahl der Sterne, zwischen den Herstellern vergleichen, ab jetzt ist das nicht mehr wirklich möglich.

Jetzt schon haben die Autohersteller alle Hände voll zu tun, sieben verschiedene Crash-Normen weltweit zu erfüllen, die sich auch noch ständig ändern.

Die je nach Ländern bzw. Kontinenten unterschiedlichen technischen Vorgaben werden von Experten dadurch erklärt, dass weltweit verschiedene Rahmen­bedingungen herrschen. Wer etwa Autos in den USA verkaufen will, muss bei der Auslegung der Airbags berücksichtigen, dass es in einigen Bundesstaaten noch keine Gurtpflicht gibt. Auch bei der Entwicklung von Crashtest-Dummys werden verschiedene Süppchen gekocht (siehe Interview). Die Crash-Kriterien von EuroNCAP sind mittlerweile in vier so genannte Wertungs-Boxen aufgeteilt: die Passagierwertung, die Kindersicherheit, die Fußgänger­sicherheit und eine Wertung für Assistenz­systeme.

Die so genannte Road Map von EuroNCAP beschreibt ­heute schon exakt, was auf die ­Autohersteller künftig zukommt.

Noch heuer gilt es, eine Auswahl der am häufigsten gekauften Kindersitze im Einbau zu berücksichtigen, und für ein Geschwindigkeits-Assistenz­system bekommt man zusätzlich Punkte. Im nächsten Jahr kann der Autohersteller dann die Passagierwertung mit einem City-Notbremsassistenten bis 50 km/h aufwerten. Auch die Wirkung der Kopfstützen an den Rück­sitzen wird dann ­bewertet. ­Außerdem tritt ein neues Testverfahren für den Oberschenkelaufprall in Kraft. Spurverlasswarner und Spurhalteassistenten bringen zusätzliche Punkte, genau wie ein Notbremssystem über 40 km/h zur Vermeidung von Auffahrunfällen.

2015 wird das Jahr der neuen Dummys. Vor allem die ­unterschiedlichen menschlichen Körpermaße sollen mehr Berücksichtigung finden. Es kommt ein neuer Seitenaufprall-Dummy und ein Dummy, der von seiner Statur her eine kleine Frau simuliert. Neue Kinder-Dummys sollen auf der Rücksitzbank für realitätsnähere Ergebnisse bei Seiten- und Frontcrash sorgen. Außerdem tritt ein neuer Frontcrash in Kraft, und zwar mit 100 Prozent Überdeckung gegen eine starre Wand. Für 2016 sind noch zusätzliche Punkte für Notbrems­assistenten mit Fußgänger­erkennung vorgesehen. Und in Diskussion für 2017 sind Systeme für Nachtsichterkennung.

Was wir daraus ablesen können:

Die elektronische Hochrüstung wird ganz wesentlich vom Streben nach ­Sicherheit angekurbelt. Oder besser: Viele der jüngsten elektronischen Assistenzsysteme wären unverkäuflich, wenn man ihre Funktion nicht mit dem menschlichen Sicherheitsbedürfnis verknüpfen würde.

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