opel onstar connected car
Eine Vielzahl an Sensoren im Auto liefern Daten, die gesammelt und nach außen gesendet werden. Gleichzeitig gibt es jede Menge Informationen, die von außen in das Auto übertragen werden können. Hier sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Der Datenstrom läuft immer öfter über eine fix eingebaute SIM-Karte. Eine Kommunikationszentrale bei den Autoherstellern bildet dabei die Daten-Drehscheibe. Aber auch die an der Datenflut beteiligten IT-Unternehmen sind zunehmend mächtige Player. In Zukunft könnte es heißen, nicht wer die Autos baut, sondern wer die Daten lenkt, beherrscht das Geschäft.
 

Was ist Connected Car? – Automobil grenzenlos

Das Auto wächst über sich selbst hinaus. Die Anfänge sind noch zart, aber sehr bald wird es immer schneller gehen hin zur totalen Vernetzung des Automobils.

28.12.2015 Autorevue Magazin

Connected Car. Was ist das eigentlich? Immer öfter wird darüber geredet, aber niemand weiß letztlich so recht, was das eigentlich bedeutet. Internet im Auto? Mautabbuchung während der Fahrt? Automatischer Notruf? Einparken mit Fernsteuerung? Audiostreaming im Stau? Warnung vor Unfällen und Verkehrsstaus? Automatische Erkennung von Verkehrsschildern?

Connected Car ist: alles.

Es ist: alles. Allerdings gibt es keine amtliche Definition des Begriffs Connected Car. Wir können davon ausgehen, dass ein Auto mit seiner Umgebung in Kontakt tritt. Nicht für jede Funktion, bei der das Auto mit seiner Umgebung kommuniziert, benötigt man eine SIM-Karte, aber eine SIM-Karte ist unverzichtbar, um die Vielfalt an Möglichkeiten zu nutzen, die man unter dem Begriff Connected Car zusammenfassen kann.

Diese SIM-Karte kann nun entweder fix im Auto eingebaut sein, oder das Auto nimmt per Bluetooth über die SIM-Karte des Fahrerhandys den Kontakt mit dem Rest der Welt auf. Das ist die unabdingbare Ausgangsposition für alle, die die Segnungen der Telekommunikation im Auto nutzen wollen.

Vor diesem Hintergrund ordnet sich die Welt neu, könnte man sagen, jedenfalls die Automobilwelt. Im Grunde wird das Auto zum Smartphone auf Rädern, zu einem integrierten Bestandteil einer Mobilität, die nicht mehr klar trennt zwischen physischer und abstrakter Bewegung. Und diese Entwicklung wird sehr schnell gehen, das heißt, nicht nur schnell, sondern sich selbst beschleunigend. Je mehr Fortschritt da ist, umso noch mehr kann generiert werden. Das macht den einen Angst, die anderen zuversichtlich.

Und da ist noch ein wichtiger Punkt: Mit der Öffnung des Autos hin zur Informationstechnologie werden sich auch wirtschaftliche und gesellschaftliche Machtverhältnisse verschieben. Niemand kann den Verlauf vorhersagen, aber der Kampf ist längst im Gang. Offen ist etwa, wer in Zukunft das Ruder des „Geschäftsmodells Automobil“ in der Hand halten wird, die traditionellen Autohersteller oder die IT-Konzerne. Sicher ist aber schon heute: Wer die Daten steuert, steuert auch das Geschäft.

Connected Car, der zweite Anlauf

Interessant ist, dass während des ersten Internet-Booms bereits viele Autohersteller auf das Thema Connected Car aufgesprungen sind, ihr Engagement aber mit dem Platzen der Internet-Blase wieder erschlafft ist. Mit ein Grund dafür war wohl, dass sich der Mobilfunkstandard UMTS als nicht ausreichend leistungsfähig herausstellte, um eine attraktive Vernetzung zustande zu bringen.

So ergibt sich also der nächste Punkt: Neben der SIM-Karte im Auto muss ein leistungsfähiges Datenübertragungsnetz in der Umgebung vorhanden sein, sonst macht das alles keinen Sinn. Die enormen Steigerungsraten im Datenverkehr werden den Fortschritt aber weiter hochbeschleunigen. Hier lauert auch schon die nächste große Veränderung. Je besser der Datenverkehr funktioniert, umso mehr Funktionen können überhaupt aus dem Auto ausgelagert werden. Das heißt, man kauft zwar ein Auto, holt sich dann aber einen erheblichen Teil seiner Intelligenz nach Bedarf über einen Leistungsprovider aus der Cloud. Das kann, muss aber nicht der Autohersteller sein.

Jetzt ist es aber noch so, dass es trotz regelmäßiger Verzehnfachung des Datentransports von einer Netzversion zur nächsten immer wieder sehr schnell eng wird auf der Datenautobahn, weil neben den Datenvolumina auch die Zahl der Anwender geradezu explodiert. Während derzeit gerade die Ausbreitung des LTE-Netzes läuft (namentlich 4 G mit bis zu 150 MBit) und LTE Advanced (bis 1 GBit) vorbereitet wird, ist schon die Nachfolgetechnologie sprungbereit (5 G bis 10 GBit) und wird für 2020 flächendeckend in Österreich erwartet.

Opel-OnStar-293003
© Bild: Opel

Heile Welt dank Datenhighway. Die Möglichkeiten zur Ablenkung von der Fadesse des Autofahrens steigen dank Connectivity steil an. Unterhaltung ist aber nur ein Teil, denn es geht auch um Sicherheit und um Lenkung der Verkehrsströme.

 

Die Mobilfunktechnik ist für die Verschmelzung des Automobils mit dem Mobiltelefon und dem Internet essenziell, aber längst nicht alles. Die Daten müssen ja auch sicher erfasst und übertragen werden. Das ist erst die wahre Herausforderung. Was auf Deutsch immer wieder zu Missverständnissen führt, wird im Englischen streng unterschieden, nämlich Safety für Funktionssicherheit und Security für Sicherheit gegenüber Missbrauch jeder Art.

Datenaustausch auf vielen Ebenen

Die Autohersteller beherrschen die automatische Steuerung eines Automobils heute schon sehr gut. Mit bereits serienmäßig erhältlicher Sensorik (Kameras, Infrarot, Ultraschall etc.) und Rechenleistungen könnte ein Auto mittels elektrischer Lenkung alleine seinen Weg finden. Dafür würde man gar keine Kommunikation via Datennetz benötigen. Das alleine wäre aber auch nicht „connected“, selbst wenn das Auto tatsächlich schon ohne Fahrer unterwegs sein könnte.

Je besser der Datenverkehr funktioniert, umso mehr Funktionen können aus dem Auto ausgelagert werden. Man kauft zwar ein Auto, holt sich aber einen erheblichen Teil seiner Intelligenz aus der Cloud.

Von Connected spricht man erst, wenn tatsächlich ein Datenaustausch stattfindet, und das kann auf vielen Ebenen der Fall sein. In der so genannten Car2Car-Kommunikation geht es darum, einen Datenaustausch zwischen Fahrzeugen in der näheren Umgebung zu ermöglichen. Da kann ein nachfahrendes Fahrzeug etwa erkennen, dass ein vorausfahrendes plötzlich eine Vollbremsung hinlegt. Das heißt: Meine Elektronik hat Zugriff auf die Sensoren des vorausfahrenden Autos. Das kann direkt erfolgen, aber durchaus auch mit Einbindung des Internets. Car2Infrastructure-Kommunikation bedeutet, dass Autos mit der Infrastruktur kommunizieren, etwa mit Ampeln, Sensoren in der Fahrbahn oder Einsatzfahrzeugen und natürlich auch Mautstellen. Dafür werden die unterschiedlichsten Technologien verwendet und miteinander vernetzt. Es gibt da noch weitere Unterteilungen, etwa Car2Roadside, Car2Sevices, Car2Home, Car2Enterprise. Ständig werden neue Anwendungsfelder erschlossen, immer auch in Verbindung mit lockenden lukrativen Geschäftsmodellen.

Wem wird es eher gelingen, sich durchzusetzen? Die Autohersteller arbeiten mit hohem Einsatz daran, sich das Thema Vernetzung zu eigen zu machen, während die IT-Welt mit ebensolchem Engagement gerade dabei ist, sich des Automobils zu bemächtigen. Aber warum sollte man in Sieger- und Verlierer-Dimensionen denken? Zumindest solange der Wandel alle weiterbringt. Letztlich wird es gar nicht so wichtig sein, ob die Menschen bei Opel oder Apple Arbeit finden, Hauptsache, es macht Spaß und bringt Geld – nicht wahr?

pixel