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Autoversicherung: Sind „Prämienvergünstigungen“ gegen „Datenstriptease“ ein sinnvoller Deal?

Welche Argumente sprechen für und welche dagegen, dass man freiwillig noch mehr Informationen an die Versicherung übermittelt?

09.09.2016 Online Redaktion

Für eine möglichst korrekte Risikoeinschätzung wird von Versicherungsanstalten naturgemäß viel Aufwand betrieben, um die durchschnittliche Prämienhöhe richtig bemessen zu können. Herkunft, Alter, Geschlecht, Automarke und viele andere Faktoren spielen dabei eine Rolle. Um diese Einschätzungen in Zukunft noch genauer und individueller treffen zu können, sollen nun die Autofahrer selbst dazu beitragen, indem freiwillig verschiedene Daten an das Versicherungsunternehmen übermittelt werden.

Individuelle Risikoeinschätzung

Konkret werden dazu z.B. Smartphone-Apps eingesetzt, die aufzeichnen, ob während der Fahrt telefoniert wird oder ob das Fahrzeug während gewisser Zeiten in Betrieb genommen wird (z.B. Wochenendfahrten oder Nachtfahrten, die als gefährlicher eingestuft werden). Anhand der an das Versicherungsunternehmen übermittelten Daten wird, zusammen mit den bereits vorhandenen Daten wie Geschlecht, Alter usw., ein individuelles Risiko-Profil des Versicherungsnehmers erstellt. Eine noch exaktere und individuelle Risikoeinschätzung des jeweiligen Fahrers bzw. Versicherungsnehmer wird so möglich.

Freiwillige Überwachung

Gekoppelt wird diese Risikoeinschätzung dann mit individuellen Versicherungsangeboten. So erhält man Prämienvergünstigungen oder „Bonuspunkte“, wenn man freiwillig sein Fahrverhalten überwachen lässt und dabei ein risikoarmes Verhalten festgestellt wird. Vorerst zielen solche Angebote verstärkt auf junge Autofahrer ab. (wie z.B. Angebote der Uniqa Versicherung). Es ist aber zu erwarten, dass derartige Angebote in Zukunft Schritt für Schritt auch auf andere „Risikogruppen“ ausgeweitet werden.

Welche Argumente sprechen dafür, freiwillig noch mehr Informationen an die Versicherung zu übermitteln?

  • Wer sein Fahrverhalten dem Wunsch der Versicherung anpasst, kann damit bares Geld sparen.
  • So werden jene belohnt, die ein sicheres Fahrverhalten an den Tag legen oder risikoreichere Nacht- oder Wochenendefahrten meiden und müssen nicht mehr höhere Prämien für Verkehrsteilnehmer „mitzahlen“, die mehr Risiko beim Fahren eingehen oder unerfahren sind.
  • Für ein Versicherungsunternehmen zählt am Ende nur die Summe unter dem Strich. Ob dabei einzelne Versicherte benachteiligt werden und einen Teil der Prämie für andere Autofahrer mitzahlen, wird dabei bis jetzt eher bedingt berücksichtigt. Durch eine noch genauere Risikoeinschätzung der einzelnen Autofahrer kann dieser Umstand korrigiert werden.

Was spricht gegen einen „Datenstriptease“?

  • Wer Schlagworten wie „Datenkrake“, „Big Data“, „totale Überwachung“ ´googelt, stößt in diversen Medienberichten meist auf amerikanische Großkonzerne mit großem Datenhunger oder auf ebenso neugierige Geheimdienste.
  • Wer sich daran stößt, immer mehr überwacht zu werden, sollte aber gerade auch bei Versicherungsanbietern daran denken: Diese haben naturgemäß ebenso großes Interesse an möglichst genauen Profilen ihrer Kunden, um das eigene Risiko zu minimieren bzw. das eigene Geschäft zu maximieren.
  • Das Verhalten im Straßenverkehr mit den unzähligen Möglichkeiten, falsch oder richtig, gesetzeswidrig- oder treu in verschiedensten Situationen zu reagieren, bietet eine weitere, perfekte Möglichkeit, Menschen/Kunden noch besser „kennen zu lernen“ und das Risiko für einen Schadensfall einzuschätzen.
  • Gerade wer auch noch andere Versicherungen (Hausratsversicherungen, Rechtsschutzversicherung etc.) bei ein und dem gleichen Unternehmen abschließt, kann sich sicher sein, dass das Versicherungsunternehmen rasch einen besseren Überblick über Gewohnheiten, Stärken oder Schwächen in verschiedensten Lebensbereichen hat, als man selbst.
  • Nicht unerwähnt soll bleiben: Der Grundgedanke einer Versicherung wird mit mehr und mehr „individualisierten“ Prämienhöhen Schritt für Schritt ad absurdum geführt: „Eine größere Zahl von Menschen schließt sich zu einer Gruppe zusammen, um den tatsächlich von Missgeschick Betroffenen zu helfen. Das Risiko wird auf viele Schultern verteilt.“ (Zitat aus einer deutschen Werbebroschüre für Versicherungen aus dem Jahr 1984)

Fazit

  • Einzeln betrachtet mag die Weitergabe von einzelnen „Datenhäppchen“ an Versicherungsunternehmen nicht unbedingt als Gefahr erscheinen. „Wer sich nichts zu schulden kommen lässt, hat nichts zu befürchten“ lautet eine dazu immer wieder verlautbarte Meinung.
  • Die Gefahr, dass diese einzelnen „Puzzleteile“ zu einem großen Ganzen zusammengefügt werden, wird aber immer größer, umso mehr Daten man preisgibt (ob freiwillig oder nicht).
  • Ob der Deal „Prämienvergünstigungen“ gegen „Datenstriptease“ dann im Endeffekt noch lukrativ ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.
  • gott hart

    MINISTERIUM für LIEBE kuschelt mit den E-slaves 2.0
    die Volltrottel haben nix anderes verdient, ich würde sie auch
    ausnehmen..:)

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