Bremsassistent
 

Automatische Notbremsassistenten im Test

Der ÖAMTC testete die Fußgänger- und Radfahrer-Erkennung verschiedener Notbremssysteme – flächendeckende und leistbare Ausstattung gefordert

26.08.2016 APA

2015 kamen in Österreich laut Statistik Austria 479 Personen im Straßenverkehr ums Leben. Rund ein Viertel der Getöteten war als Fußgänger oder Radfahrer unterwegs. Eine aktuelle Untersuchung des ÖAMTC und seiner Partner zeigt: Notbremsassistenten, die Fußgänger oder Radfahrer erkennen, können dazu beitragen, diese Unfälle zu verhindern oder zumindest die Folgen zu mildern.

Untersucht wurde die Fußgänger- und Radfahrer-Erkennung der Notbremssysteme von Audi A4, BMW 3er, KIA Optima, Mercedes C-Klasse, Subaru Outback und Volvo V60. Die Untersuchung umfasste folgende Situationen: querender Fußgänger (bei Tag und bei Nacht), in Fahrtrichtung längs gehender Fußgänger, querendes Kind mit Sichtverdeckung durch geparkte Autos sowie langsam querender Radfahrer. Die Ausgangsgeschwindigkeiten betrugen bis zu 60 km/h. ÖAMTC-Techniker Friedrich Eppel fasst das Ergebnis zusammen: „Die insgesamt leistungsfähigsten Assistenten findet man im Audi und im Subaru. Sie können Unfälle mit schwächeren Verkehrsteilnehmern in vielen Situationen verhindern.“ Die Systeme, die von Volvo und BMW verbaut wurden, müssen hingegen auch in Standardsituationen deutlich leistungsfähiger werden. Die Notbremsassistenten von Mercedes und Kia funktionieren zufriedenstellend, kommen aber nicht ganz an Audi und Subaru heran.

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© Bild: ÖAMTC

Fußgänger bei Nacht, Radfahrererkennung mangelhaft

Rund die Hälfte der getöteten Fußgänger verunglückte bei Dunkelheit oder künstlicher Beleuchtung. „In dieser Unfallkonstellation sticht die Stereo-Kamera des Subaru besonders hervor, die bei Dunkelheit, auch ohne Straßenbeleuchtung, einen Zusammenstoß mit einem querenden Fußgänger verhindern konnte – und das bei einer Geschwindigkeit von bis zu 45 km/h“, so der ÖAMTC-Experte. Kein anderes Fahrzeug erreichte diese Werte, lediglich Audi und KIA funktionierten zumindest eingeschränkt, wenn es nicht ganz dunkel war und der Fußgänger-Dummy eine Warnweste trug. Die Systeme von BMW, Mercedes und Volvo schalteten nachts komplett ab.

Radfahrer wurden hingegen auch bei Tageslicht von keinem der Systeme zuverlässig erkannt. „Lediglich der Audi kann den Zusammenprall mit einem sehr langsamen Radfahrer (8 km/h) vermeiden“, stellt Eppel klar. Die Notbremssysteme von Mercedes und BMW erkennen den Radfahrer immerhin, warnen auch, leiten jedoch keine automatische Bremsung ein.

Forderungen an Automobilhersteller

Automatische Notbremsassistenten können Leben retten. An die Hersteller appelliert der ÖAMTC daher, möglichst schnell für eine flächendeckende, aber auch leistbare Ausstattung zu sorgen. Fahrzeuge sollten serienmäßig mit Notbremsassistenten mit Fußgänger- und Radfahrer-Erkennung ausgerüstet werden. Notwendig ist für die ÖAMTC-Experten im Hinblick auf die Unfallstatistik auch, dass die Funktionalität in der Nacht besser wird. Für die Akzeptanz der Systeme sei außerdem entscheidend, dass die Erkennung noch zuverlässiger wird. Zu späte, aber auch Fehlauslösungen dürfen keinesfalls passieren.

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