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Bei KFZ-Leasing gilt: Immer die Kosten über die gesamte Laufzeit im Auge behalten!
 

Soll ich das Auto leasen oder mit einem Kredit finanzieren?

Wer zu seinem Auto einen eher entspannten Zugang hat, findet im Leasing jetzt eine günstige Finanzierungsvariante.

16.08.2015 Online Redaktion

Es gibt Produkte, bei deren Erwerb sich der Verstand dezent zurückzieht, und dazu zählt – zumindest in vielen Fällen – das Auto. Oder würden Sie einen Elektroherd kaufen, weil seine Metallic-Lackierung so hübsch glänzt, er aufregend aussieht und 10.000 Watt verbraucht? Ein gutes Gefühl, mit 300 PS im Stau zu stehen. Bei der Wahl eines Autos spielt die emotionale Komponente oft eine entscheidende Rolle, und dies behindert bisweilen eine Finanzierungsmethode, die durchaus ihre Vorteile hat: das Leasing. „Leasing ist günstiger als die Kreditfinanzierung“, lautet das klare Fazit einer Untersuchung der Arbeiterkammer Oberösterreich, die jüngst verschiedene Finanzierungsvarianten für den fahrbaren Untersatz untersucht hat.

Autokauf: Leasing ist günstiger als Kreditfinanzierung

Wer sich zu seinem Gefährt emotional so hingezogen fühlt wie zur Gefährtin und die Verbindung fürs Leben (oder bis zum nächsten Totalschaden) mit einem Trauschein – pardon: Zulassungsschein – besiegeln will, liegt hier allerdings falsch: Im Falle von Leasing prangt nämlich nicht der Name des stolzen Fahrzeugbenützers auf der Zulassung, sondern der wahre Eigentümer, und das ist die Leasinggesellschaft. „Es eignet sich also für Menschen mit einem eher unemotionalen, sachlichen Zugang“, beschreibt Michael Osinger von der zur Erste Group gehörenden s-Autoleasing die Zielgruppe.

Wer ein Auto auf Kredit erwirbt, schuldet der Bank zwar den Betrag, doch das Auto gehört (in der Regel) dem Käufer der sofort den gesamten Kaufpreis finanzieren muss. Bei Leasing kauft die Finanzierungsgesellschaft das Fahrzeug, der Leasingnehmer bezahlt nur für dessen Nutzung.

Was die Gesamtkosten betrifft, schlägt Leasing derzeit die Kredite. Das günstigste, von der AK Oberösterreich ermittelte, Leasing-Angebot für einen VW Golf im Wert von 20.400 Euro liegt bei Gesamtkosten von 21.979 Euro (Raiffeisenlandesbank OÖ). Der günstigste Kredit kommt bei der Bawag auf 22.567 Euro: in Summer also knapp 600 Euro mehr. Sogar innerhab des gleichen Institutes stellt sich Leasing als die (freilich nur geringfügig) günstigere Finanzierungsform heraus: Leasing kostet bei der Bank Austria insgesamt 22.609 Euro, ein Kredit 22.683 Euro. Die Preisunterschiede sind zwar nicht so gravierend, allerdings ist zu bedenken, dass Leasing flexibler macht als der Kauf eines Autos.

Bindung kostet!

Entscheiden muss sich ein Leasingnehmer ob er die Variante mit oder jene ohne Anzahlung wählt. In jedem Fall sind zwei Parameter zu beachten: die Leasingdauer (üblicherweise 60 Monate) und der Restwert – also jener Betrag, der am Ende dieser Periode noch zu bezahlen wäre, wenn das Fahrzeug in den Besitz des Leasingnehmers übergehen soll. Die Unterschiede betreffen die Gestaltung der monatlichen Leasingzahlung:

– Bei einem Leasing ohne Anzahlung sind keinerlei Eigenmittel erforderlich. Hier werden im Gegenzug aber höhere Monatsraten fällig.

– Bei einem Leasing mit „Depot“ erfolgt eine Vorauszahlung auf den Restwert, was die Leasingraten mindert.

Einkalkulieren müssen Leasingnehmer auch, dass die Anbieter bei Abschluss des Vertrages immer auf eine Vollkasko-Versicherung bestehen, was die Sache – siehe Rechenbeispiel – verteuert. Neuwagenkäufer neigen aber ohnedies dazu, ihr Vehikel gegen alle möglichen Schäden zu versichern.

Bleibt noch die Frage nach den besten Anbietern. Die Konkurrenz auf dem Leasing-Markt ist groß. So verfügen praktisch alle größeren Automarken über eigene Banken, die Kfz-Leasing anbieten. Die naheliegende Annahme, dass das hauseigene Angebot auch das beste ist, trifft keineswegs immer zu. Am Höhepunkt der Finanzkrise war es für die (kleinen) Autobanken nämlich schwieriger, an Liquidität zu kommen, als für die großen Institute.

Leasinggesellschaften, die Autoimporteuren nahestehen, neigen außerdem eher dazu, die Restwerte ihrer Automarke tendenziell höher anzusetzen. Das senkt zwar die monatlichen Kosten, kann nach Ablauf der Vertragsdauer aber zu unangenehmen Überraschungen führen: Falls die Absicht besteht, das Fahrzeug selbst zu erwerben, verteuert dies den Kauf. Ist dagegen daran gedacht, aus dem Vertrag auszusteigen, wird das Fahrzeug mindestens drei Händlern angeboten. Ist kein Händler bereit, den angenommenen Restwert zu bezahlen, muss der Leasingnehmer für die Differenz selbst aufkommen – oder er entschließt sich zu einem Anschlussleasing bei der gleichen Marke. Ein hoch angesetzter Restwert dient den Autoimporteuren somit oft als verstecktes Kundenbindungsprogramm.

Für Leasingnehmer teuer kann der unachtsame Gebrauch des Fahrzeugs kommen. Die Restwerte orientieren sich an den Werten der Eurotax-Liste. Diese beziehen sich auf ein durchschnittlich abgenutztes Fahrzeug. Wer sein Auto vernachlässigt – Parkschäden, Beschädigung von Sitzen oder Innenverkleidung und Rost – sollte ebenfalls damit rechnen, den kalkulierten Restwert nicht zu erreichen und für die Differenz gerade stehen zu müssen. Vor allem bei Kunden mit schlechterer Bonität verlangen Leasinggesellschaften oft zusätzliche Sicherheiten. Der Wertverfall zu Beginn der Lebensdauer eines Autos führt nämlich dazu, dass der Leasinggegenstand als Sicherheit einen möglichen Forderungsausfall nicht abdeckt.

Bei Leasing und Kredit orientieren sich die Zinsen am aktuellen Zinsniveau, meist am 3-Monats-Euribor (Zinssatz, den Banken einander verrechnen). In beiden Fällen sind Fixzinsvereinbarungen möglich. Dadurch steigen allerdings Kreditraten bzw. Leasingzahlungen. Angesichts der relativ kurzen Leasingdauer stellt der Verzicht auf fixe Zinsen kein großes Risiko dar. Wer bei einem Autokauf seine Liquidität nicht übermäßig strapazieren möchte oder nicht über das nötige Bargeld verfügt, für den stellt Leasing somit eine derzeit günstige Finanzierungsmöglichkeit dar.

Franz C. Bauer

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